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"Auf zwei Planeten" von Kurd Laßwitz (1897)

Kurd Laßwitz‘ Roman von 1897 gilt als eines der wichtigsten frühen Werke der deutschsprachigen Science-Fiction. Er schildert die erste Begegnung zwischen Menschen und Marsbewohnern – und entwickelt daraus eine komplexe politische, moralische und philosophische Auseinandersetzung über Macht, Fortschritt und Verantwortung.

Drei deutsche Polarforscher verfolgen am Nordpol ein seltsames Luftschiff und entdecken dadurch eine geheime Forschungsstation, die von Außerirdischen errichtet wurde. Es kommt zum Kontakt und auch zu einem Besuch der Menschen auf dem Mars. Die „Martier“ (wie Laßwitz die Marsbewohner bezeichnet) beobachten die Erde schon länger und sind der Menschheit technologisch weit überlegen. Sie verfügen u.a. über eine Antigravitationstechnologie, gewaltige Luftschiffe, bisher unbekannte Energiequellen und eine hochorganisierte Gesellschaft. Zunächst treten sie als friedliche Beobachter auf, doch da sie sich für moralisch überlegen halten, wollen sie die Erde „zivilisieren“. Konflikte entzünden sich vor allem daran, dass die Martier in die Weltpolitik eingreifen und Kriege verhindern wollen – aber viele Menschen die Einmischung als Bevormundung und Fremdherrschaft empfinden.

Der Roman war seiner Zeit voraus, indem er Themen behandelt, die bis heute relevant sind: Kolonialismus und Machtverhältnisse, kulturelle Missverständnisse, technologischer Fortschritt und Verantwortung, sowie Ethik im Kontakt zwischen verschiedenen Zivilisationen.

Kurd Laßwitz (1848-1919) gilt als Begründer und prägendste Figur der frühen deutschen Science-Fiction. Er studierte Mathematik, Physik und Philosophie an den Universitäten Breslau und Leipzig. Sein Berufsleben verbrachte er größtenteils als Gymnasiallehrer in Gotha. Sein wissenschaftlicher Hintergrund prägte sein literarisches Werk stark: er schrieb rational und systematisch. Im Gegensatz zu Jules Verne und H. G. Wells (dessen Krieg der Welten erst ein Jahr nach Auf zwei Planeten erschien) hatte Laßwitz einen stärkeren philosophischen und ethischen Fokus.

Futuristische Technologien in Auf zwei Planeten (1897)

Die wichtigste Technologie im Buch ist ein Verfahren zur Aufhebung und Kontrolle der Schwerkraft. Die Martier können durch sie Luftschiffe schweben lassen, Raumschiffe starten und landen und Raumstationen in der Schwerelosigkeit halten. Laßwitz beschreibt eine Art Gegenschwingung zur Gravitation, also Wellen, die die Erdanziehung neutralisieren oder umkehren können.

Marsianische Luftschiffe können extrem hohe Geschwindigkeiten erreichen, ermöglichen aber auch einen lautlosen, stabilen Schwebeflug. Raumschiffe für die Reise zwischen Erde und Mars besitzen Rotationsmodule zur Erzeugung von künstlicher Schwerkraft. Sie haben abgeschirmte Energiezellen, die Strahlung und Kälte des Weltraums ausgleichen. 

Die verwendeten Energiequellen sind kompakt und leistungsstark, aber gefährlich, wenn sie instabil werden.

Die Martier haben ein globales Überwachungssystem installiert. Es gibt sogenannte Fernbeobachter, die wie Orbitalspiegel oder Satelliten funktionieren. Kommunikationsgeräte übertragen nicht nur Ton und Bild über große Entfernungen, sondern auch dreidimensionale Projektionen.

Alle Marsfahrzeuge verfügen über automatische Stabilisierungssysteme, präzise Kursberechnung, barometrische und magnetische Sensoren, und weitere Navigationshilfen, die unabhängig vom Wetter funktionieren. Kursabweichungen kann das Fahrzeug selbständig korrigieren und Hindernisse sensorisch erfassen.

Auch die beschriebene Medizintechnik ist für 1897 visionär: es gibt diagnostische Geräte, die die inneren Organe durchleuchten können, Regenerationskammern, die Wunden schneller heilen lassen, Medikamente, die Stoffwechsel und Sauerstoffversorgung optimieren. Die Martier wenden diese Technologie auch bei Menschen an, was kulturelle und ethische Konflikte auslöst.

Bei Laßwitz zeigen sich auch erste literarische Andeutungen des Terraforming: die Atmosphäre auf dem Mars ist technisch stabilisiert, die Wasserversorgung erfolgt über Großanlagen und Teile des Ökosystems werden künstlich reguliert.

Letztlich war Laßwitz der moralische Fortschritt aber wichtiger als der technische.

Hilfsmittel und Literatur