Prof. Dr. Saskia Wendel
Hauptseminar: Body and Soul. Die Relevanz körperlicher Glaubenspraxis für fundamentaltheologische und liturgiewissenschaftliche Diskurse. Eine interdisziplinäre Spurensuche (gem. mit Pro.f. Dr. Stephan Winter // Donnerstag 08:00-10:00 c.t. // Raum: S 9 // Blockveranstaltung: 19.12.2024, 08:30-15:00
Religion und Glaube sind keine Sinndeutungssysteme rein theoretischer Natur, sondern sie besitzen eine emotionale Seite und vollziehen sich als Praxis, zu der wesentlich auch die Dimension der Körperlichkeit gehört. Darin erweist sich der Glaube als Teil und Moment der Lebenspraxis des verkörperten Daseins überhaupt, auf die er sich bezieht.
Innerhalb eines Daseins, das sich speziell auf den biblisch bezeugten Glauben bezieht, gehört zu dieser Praxis die Liturgie im weiten Sinne rituell-gottesdienstlichen Handelns elementar hinzu, insofern sich hier in ästhetisch stilisierter Form zwischenleiblicher Sinnbildung eben dieses Dasein paradigmatisch realisiert.
Fundamentaltheologie auf der einen und Liturgiewissenschaft auf der anderen Seite haben vor diesem Hintergrund in jüngerer Zeit vermehrt nach Denkformen gesucht, wie sich Körperlichkeit als integraler Bestandteil des Glaubens in Reflexionsprozessen adäquat berücksichtigen lässt. Die Veranstaltung geht diesen Zusammenhängen anhand entsprechender Texte und aktueller Beispiele wie z. B. der Rolle von Geschlecht/Gender für amtstheologische Diskurse und Liturgien rund um Paarbeziehungen und der im Anthropozän immer mehr wachsenden Aufmerksamkeit für Vulnerabilität als Grundkategorie alles Lebendigen nach.
Oberseminar // Blockveranstaltung // Termin wird noch bekannt gegeben.
Im Oberseminar werden laufende Projekte von Abschlussarbeiten in allen Studiengängen, Promotions- und Habilitationsprojekte zur Diskussion gestellt. Die Teilnahme ist nach persönlicher Voranmeldung (saskia.wendel@uni-tuebingen.de) möglich. Das Seminar wird als Blockveranstaltung abgehalten, der Termin wird noch festgelegt und allen Angemeldeten mitgeteilt.
Dr. Jan Niklas Collet
Hauptseminar: Theologie im Horizont des lateinamerikanischen Befreiungsdenkens. Theorie und Praxis im Gespräch mit Philosophie, Sozialwissenschaften und Pädagogik // Blockveranstaltung: Fr., 18.10., 14:00-16:00, Fr. 6.12, 14:00-18:00, Sa. 7.12, 10:00-16:00, Fr. 10.01., 14:00-18:00, Sa. 11.01., 10:00-16:00 Uhr // Raum: S 11
Das lateinamerikanische Befreiungsdenken kam im 20. Jahrhundert zu einer auffälligen Blüte: Angesichts einer andauernden Situation massiver sozialer Ungleichheit sowie der Etablierung von Militärdiktaturen in verschiedenen lateinamerikanischen Ländern, aber auch im Kontext des Aufkommens zahlreicher (revolutionärer) „Volksbewegungen“ auf dem ganzen Kontinent schlug diese Blüte sich in der Philosophie, Theologie und Pädagogik der Befreiung sowie in den Sozialwissenschaften nieder. Im Seminar gehen wir diesen Entwicklungen nach und folgen den Spuren, die sie in gegenwärtigen Auseinandersetzungen post- und dekolonialer Theoriebildung und in der Theologie hinterlassen haben – und fragen nach Perspektive, die sich für heutige theologische Auseinandersetzung im Globalen Norden daraus ergeben.
Dr. Julian Tappen
Hauptseminar: Grundansätze evangelischer und katholischer Theologie im 20. Jahrhundert (gem. mit Dr. Matthias Ruf) // Dienstag, 14:00–16:00 c.t. // Raum: S 3
Um zeitgenössische Entwicklungen in der Dogmatik und Fundamentaltheologie verstehen zu können, ist es unerlässlich, sich mit grundlegenden Hauptansätzen der Theologie, wie sich vor allem im 20. Jahrhundert ausgebildet haben, auseinanderzusetzen. Ein besonders fruchtbarer Zugang sowie unerwartete Einsichten ergeben sich dabei dann, wenn man sich dem Thema in überkonfessioneller Perspektive annähert. Im Seminar werden wir Schlüsselpositionen des 20. Jahrhunderts aus der evangelischen und katholischen Theologie kennenlernen und dabei nicht nur die eigene fachliche Tradition besser verstehen lernen, sondern zugleich Überschneidungen, Konvergenzen, Parallelitäten und Absetzbewegungen des jeweiligen konfessionellen Zuschnitts rekonstruieren.
Lektürekurs: Im Original // Montag, 16:00–18:00 c.t. // Raum: Seminarraum 317 (Liebermeisterstr. 18)
Theologische Ganzschriften werden im Studium nur selten gelesen. Dabei sind es gerade die umfangreichen Werke, die uns einen vertieften Einblick in das Denken der Autor:innen erlauben. Im Lektürekurs wollen wir gemeinsam eine Ganzschrift „Im Original“ lesen – in lockerer Atmosphäre. Studierende aller Studienphasen sind herzlich willkommen.
Barbara Engelmann
Grundkurs: Einführung in die Fundamentaltheologie // Montag, 16:00–18:00 c.t. // Raum: S 9
Der Verhältnisbestimmung von Vernunft und Religion geht die Fundamentaltheologie kritisch auf den Grund und widmet sich dabei der Frage, wie der Glaube rational verantwortet werden kann. Ihren Ursprung nahm die Fundamentaltheologie in der Apologetik und verstand sich von dort her als „Pflicht-Verteidigerin“ des Glaubens. Heute macht sie sich in selbstkritischer und reflektierter Weise zur Aufgabe, den eigenen Standpunkt immer wieder neu gegenüber religionskritischen, interkonfessionellen und interreligiösen Einwänden argumentativ überzeugend zu begründen und dabei die eigenen religiösen Überzeugungen nach innen und außen mit den Mitteln der Vernunft zu verteidigen. Der Grundkurs möchte Ihnen einen Überblick über die klassischen Themenfelder und Fragestellungen der Fundamentaltheologie bieten und dabei gleichzeitig überzeugende Argumentationsstrukturen für eine rationale Glaubensverantwortung erarbeiten, ohne die Sensibilität für die Notwendigkeit einer selbstkritischen Haltung aufzugeben.
Lektürekurs: Fundamentaltheologie vor gegenwärtigen Herausforderungen // Montag, 14:00–16:00 c.t. // Raum: Seminarraum 317 (Liebermeisterstr. 18)
Armin Kreiner beschäftigt sich in seinem 2011 erschienenen Werk ‚Jesus, UFOs, Aliens‘ mit der Frage, welche Herausforderungen sich für die Theologie und den christlichen Glauben ergeben, wenn wir davon ausgehen müssen, dass es außerhalb der Erde noch anderes bewusstes Leben gibt. Die Auseinandersetzung mit ETI (Existenz extraterrestrischer Intelligenz) wirft Fragen nach der (soteriologischen) Bedeutung Jesu Christi auf und hinterfragt, ob eine Vielzahl von Inkarnationen prinzipiell möglich und/oder notwendig wäre, wenn Gott die gesamte Schöpfung - und nicht nur die uns bekannte Erde - erlösen möchte. Der hier angebotene Kurs plant eine kritische Lektüre von Kreiners Argumenten und soll in erster Linie als Diskussionsgrundlage und als Anstoß für eigene Gedanken dienen.
Markus Pelzmann
Hauptseminar: Gott erkennen – Gott erleben: Die Begegnung Gottes mit dem Menschen in der mittelalterlichen Mystik zwischen Vergegenwärtigung und Verkörperung // Mittwoch, 14:00–16:00 c.t. // Raum: S 11
Seit mittlerweile einem halben Jahrhundert wird von der Renaissance der Mystik gesprochen und dies nicht nur im Kontext der sogenannten New-Age-Bewegung im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts. Auch in den christlichen Kirchen lässt sich seit einigen Jahrzehnten ein erneuertes Bedürfnis nach und Bewusstsein für Innerlichkeit und Kontemplation, Meditation und mystischer Versenkung erkennen. Gerade im modernen und postmodernen Zeitalter der Entkirchlichung und Relativierung religiös-institutioneller Wahrheitsansprüche und umfassender Sinnzusammenhänge scheint es ein nicht zu unterschätzendes Bedürfnis nach einem unmittelbaren Erleben transzendenter Wirklichkeit im Rückzug auf das eigene Selbst und den eigenen Körper zu geben.
Der französische Jesuit Michel de Certeau (1925-1986) hat in seinem Werk La Fable mystique der Mystik des 16. und 17. Jahrhunderts eine Sensibilität für die Krise religiöser Institutionen und überkommener Sinnkontexte zugeschrieben – gepaart mit einer hohen sprachlichen, religiösen, theologischen und Gesellschaft prägenden Innovations- und Transformationskraft, die im Ringen um Zukunft begründet liegt. Die von Certeau für die Mystik der Frühen Neuzeit aufgezeigten spirituellen Verschiebungen hin zum Subjekt, zum Körper, zu neuen Sprach-, Stil- und Denkformen lassen sich in ihren Ansätzen jedoch bereits in mystischen Entwürfen des Mittelalters entdecken. Diesen Spuren anhand von mittelalterlichen Texten mystischer Couleur nachzugehen, setzt sich das Seminar zum Ziel.
Das Seminar versteht sich als Einführung in die Bandbreite und Vielfalt mystischer Entwürfe der christlichen Tradition zwischen 500 und 1400 anhand ausgewählter Beispiele. Obgleich das Seminar seinen Schwerpunkt auf lateinische und volkssprachliche Texte westkirchlicher Autorinnen und Autoren des Hoch- und Spätmittelalters legt, sollen auch frühere wie auch griechischsprachige Quellen der byzantinischen Tradition selektive Beachtung finden. Die Veranstaltung versucht so, vor dem Hintergrund eines Tableaus mystischer Entwürfe, in deren Mittelpunkt die Begegnung und Einung zwischen Gott und Mensch steht, einen systematischen Zugang zum Phänomen der Mystik zu eröffnen und ein an den Quellentexten selbst geschultes Verständnis von Mystik zu entwickeln.