Das jüngste Gericht
Das Jüngste Gericht ist eine der beliebtesten Darstellungen in der christlichen Kunst. Am Grabmal Herzog Ludwigs befindet sich das Medaillon mit der Darstellung des Jüngsten Gerichts an der Stirnseite am Kopfende der Tumba. Dieses zeigt im unteren Bereich die Auferweckung der Toten durch Engel und Dämonen mit Ziegenbeinen. Während die Engel den Verstorbenen aus ihren Gräbern zu helfen scheinen, reißen die Dämonen diese brutal aus diesen heraus.
Nachdem die Toten auferweckt wurden, werden sie im mittleren Bildbereich zur linken und rechten Seite weggeführt, wobei die Toten die von den Engeln zur linken Seite gebracht werden, am linken Bildrand die Wolken erklimmen und in den Himmel gelangen. Die Toten, die von den Dämonen zur rechten Seite gebracht werden, passieren am rechten Bildrand den Höllenschlund. Diese Teilung der Toten wird auch in der Bibel beschrieben, wobei die spiegelverkehrte Sicht des Medaillonbetrachters beachtet werden muss: „Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird in seiner Herrlichkeit und alle heiligen Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Stuhl seiner Herrlichkeit, und werden vor ihm alle Völker versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, gleich als ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet, und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zu seiner Linken“. Im oberen Bildbereich ist das Himmelreich zu sehen. Die zentrale Christusfigur in der Mitte ist abgebrochen – wahrscheinlich ein Ergebnis der zahlreichen Berührungen von Besuchern. Ebenfalls fehlt der ursprünglich vollplastisch gearbeitete Regenbogen. Auf den Wolken befinden sich erlöste Seelen, die zentrale Reihe von Personen in der Mitte der Wolken stellt Maria, Johannes und die Apostel dar, diese wirken als Fürbitter für die Seelen der Verstorbenen.
David und Goliath
48 DA sich nu der Philister auffmacht / gieng da her / vnd nahet sich gegen Dauid / eilet Dauid vnd lieff vom Zeug gegen dem Philister. 49 Vnd Dauid thet seine hand in die Tasschen / vnd nam einen Stein daraus / vnd schleudert / vnd traff den Philister an seine stirn / das der Stein in seine stirn fuhr / vnd er zur erden fiel auff sein angesicht. 50 Also vberwand Dauid den Philister mit der Schleuder vnd mit dem Stein / vnd schlug jn / vnd tödtet jn. Vnd da Dauid kein Schwert in seiner hand hatte / 51 lieff er / vnd trat zu dem Philister / vnd nam sein Schwert vnd zogs aus der scheiden / vnd töotet jn / vnd hieb jm den Kopff damit abe. Eccl. 47. DA aber die Philister sahen / das jr Sterckster tod war / flohen sie.
(Lutherbibel 1545, Samuel 17, 48-51.)
Das Bildprogramm gliedert sich in Vorder- und Hintergrundszenen. Im Hintergrund sind drei Burgen, zwei Bereiche mit Stadtmauern und mehrere Kriegergruppen zu sehen. Im Vordergrund befinden sich die beiden Hauptfiguren des Medaillons: David und Goliath. Beide sind in einer kämpfenden Haltung dargestellt, David mit seinem Attribut dem Hirtenstab, einem Rucksack und der (nicht mehr erhaltenen) Schleuder in seiner rechten Hand. Goliath ist in voller Rüstung, mit einem Speer und einem Schwert dargestellt.
Diese Szene stammt aus dem Buch des 1. Samuel 17, 1 – 58. Das Hauptaugenmerk in dieser Bibelstelle liegt auf dem Kampf zwischen David und Goliath, wie er auf dem Medaillon dargestellt ist. Zu diesem Kampf kommt es, als der Riese der Philister (Goliath) aus deren Heer hervortritt und nach einem Gegner verlangt. Der Verlierer des Kampfes würde sich der gegnerischen Seite bedingungslos unterwerfen. Die Israeliten hatten jedoch Angst vor Goliath und nur David traute sich gegen ihn anzutreten. Nur mit einer Schleuder und fünf Steinen bewaffnet trat er dem Riesen gegenüber. Mit dem ersten Schuss aus der Schleuder streckte David Goliath nieder und gewann so diesen Kampf. Infolgedessen flüchteten die Philister, die Israeliten verfolgten sie und streckten sie alle nieder. Der Kampf war gewonnen.
Der Sündenfall
Und Gott der HERR gebot dem Menschen und sprach: Du sollst essen von allerlei Bäumen im Garten; 17 aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und des Bösen sollst du nicht essen; denn welches Tages du davon ißt, wirst du des Todes sterben (Gen 2, 16-17) […] Da sprach die Schlange zum Weibe: Ihr werdet mitnichten des Todes sterben;5 sondern Gott weiß, daß, welches Tages ihr davon eßt, so werden eure Augen aufgetan, und werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.6Und das Weib schaute an, daß von dem Baum gut zu essen wäre und daß er lieblich anzusehen und ein lustiger Baum wäre, weil er klug machte; und sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann auch davon, und er aß. 7 Da wurden ihrer beiden Augen aufgetan, und sie wurden gewahr, daß sie nackt waren, und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schürze. (Gen 3, 4-7)
Die Rollwerk-Umrahmung zeigt neben Früchten ein männliches und ein weibliches Gesicht, welche eventuell ein Vorgreifen auf Adam und Evas Erscheinung nach ihrer Vertreibung aus dem Paradies verbildlichen.
In der Szene selbst ist Eva im Begriff, die Frucht vom Baum der Erkenntnis zu nehmen. Das Menschenpaar ist nackt dargestellt und wird von der Schlange (Ewigkeit, Klugheit und Christus als Erlöser, aber vor allem Symbol des Teufels, der Sünde, des Todes, Neides, Zorn und der Sinneslust) betrachtet, welche einen menschlichen Oberkörper und Fledermausflügel (zusätzliche Dämonisierung, Symbol der Nacht und Täuschung) aufweist. Auf der linken Bildhälfte befinden sich ein Kamel (Sinnbild des Gehorsams Christi und seines Kommens auf die Erde, Menschwerdung Christi), ein Affe (das Böse, Neid, Laster, Torheit, Wollust), ein Auerhahn (Liebe und das neue Leben) sowie ein Lamm (Reinheit, Sanftmut, Unschuld – Symbol für Christus, der geopfert wurde und wieder siegreich auferstanden ist), das seinen Kopf auf Adams Knie legt. Zwischen Adam und Eva springt ein Hund (eheliche Treue, Wachsamkeit, aber auch für Sündhaftigkeit, Torheit, Wollust, Zorn, Neid und das Böse). Rechts im Bild liegt ein Hirsch (Christus) vor einem Esel (Geduld, Sanftheit, Demut, Erkennen des Erlösers, aber auch Faulheit, Starrsinnigkeit, Sinneslust, Eifersucht und Dummheit) und auf einer Anhöhe steht ein Elefant (Keuschheit, Reinheit, Treue, Stärke, Geduld, Mäßigung und Klugheit, aber auch das Böse und Hochmut). Erstaunlicherweise sind die Symboliken der begleitenden Tiere hier eher positiv konnotiert, was eventuell auf die Wichtigkeit dieser Szene, also der Erbsünde, als Initiator im Bezug auf die spätere Heilsgeschichte und das Wirken Christi gedeutet werden muss.
Die Erschaffung Adams
Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie einen Mann und ein Weib (Gen 1, 27)
Und Gott der HERR machte den Menschen aus einem Erdenkloß, und blies ihm ein den lebendigen Odem in seine Nase. Und also ward der Mensch eine lebendige Seele (Gen 2, 7)
Die Kartusche zeigt die Erschaffung Adams aus der Schöpfungsgeschichte. Verziert wird die Szene mit einer Rollwerk-Umrahmung sowie einem Adler (steht für herrschaftliche Macht, die Auferstehung und Christus als Erlöser), Früchten bzw Granatäpfel (Fruchtbarkeit, Maria und Auferstehung Christi), drei Engeln (Mittler zwischen Gott und den Menschen), und einem Stern, der mit seiner Verbindung zu Sonne (Christus und Ecclesia) und Mond (Maria) den Übergang zur Szene bildet.
Dort wird Adam von dem Gottvater der Atem eingehaucht, welcher in Form eines Strahls dargestellt ist. Der Gottvater, bärtig und mit Nimbus dargestellt, zieht ihn dabei von der Erde hoch und hebt die andere Hand segnend über ihn. In der üppigen Natur sind auch einige Tiere vertreten, welche jeweils eine symbolische Bedeutung innehaben. Im linken Teil (mit der Sonne) treten Einhorn (Symbol des Guten, der Keuschheit, Symboltier Mariens und Menschwerdung Christi), Hirsch (Christus) und Hase (Fruchtbarkeit und Liebe, aber auch Sinneslust und Angst) auf. Rechts unterhalb des Mondes sind Vögel/Tauben (Reinheit, Tugend, Liebe und Frieden) und eine Schildkröte (Weisheit, Tugend und Auferstehung, aber auch Sündhaftigkeit) dargestellt. Es ist fraglich, welche Bedeutung und Absicht hinter dieser Konzeption steht – sind es erstrebenswerte Eigenschaften oder Hinweise auf das spätere Wirken Christi? Die Symbolik des Affen (das Böse, Völlerei, Neid, Laster, Torheit, Wollust) und Papageis (Gelehrigkeit und Torheit) im Baum, welche die Szene betrachten, gibt eventuell eine Vorahnung auf den Sündenfall.
Die Erschaffung Evas
Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie einen Mann und ein Weib (Gen 1, 27)
Da ließ Gott der HERR einen tiefen Schlaf fallen auf den Menschen, und er schlief ein. Und er nahm seiner Rippen eine und schloß die Stätte zu mit Fleisch. 22 Und Gott der HERR baute ein Weib aus der Rippe, die er vom Menschen nahm, und brachte sie zu ihm (Gen 2, 21-22)
Die Rollwerk-Umrahmung dieser Kartusche ist mit einem Adler (steht für herrschaftliche Macht, die Auferstehung und Christus als Erlöser), Granatapfel (Liebe, Fruchtbarkeit und Unsterblichkeit, Maria und Auferstehung Christi), Weintrauben (Fruchtbarkeit der Erde, Christus Blutopfer, die Taufe und Kreuzigung) und Engeln (Mittler zwischen Gott und den Menschen) versehen.
Adam liegt in dieser Szene in einer üppigen Landschaft mit Felsen (Festigkeit, Unveränderlichkeit und Christus, aus dem das Wasser des Lebens springt) und Palmen (Leben, Paradies und Sieg) ruhend am Boden und Eva steigt auf Weisung Gottes aus der Seite Adams auf oder wird von ihm gezogen, wobei sie sich Gott zuwendet. Neben Vögeln/Tauben (Reinheit, Tugend, Liebe und Frieden) am Himmel sind auf der linken Hälfte zwei Hasen (Fruchtbarkeit und Liebe, aber hier eher verstärkt Sinneslust?), zwei Füchse/Wölfe (Bösartigkeit, Falschheit, Heuchelei, Geiz, Habgier und Zorn) und eine Ziege (Fruchtbarkeit, aber wohl eher Manifestation des Bösen und Lüsternheit) zu erkennen, welche der Szene eine deutlich negative Wirkung geben. Dies gilt ebenfalls für die rechte Hälfte, auf der ein dritter Hase, eine Katze (das Erkennen Christi und der Verkündigung, aber auch Symbol des Teufels/Bösen, des Ungehorsams, Sinneslust und Sündhaftigkeit) und eine Schnecke (Klugheit, Auferstehung, Liebe, aber auch Sinneslust, Trägheit, Unkeuschheit und Sünder) dargestellt sind.
Die Niederlage Sanheribs
Das Medaillon auf der Südseite der Tumba am Fußende zeigt die Niederlage Sanheribs vor Jerusalem, die in Jesaja 36-28 beschrieben wird. Darin heißt es: „Darum spricht der Herr über den König von Assyrien: Er soll nicht in diese Stadt kommen und soll auch keinen Pfeil hineinschießen und mit keinem Schild davor kommen und soll keinen Wall gegen sie aufschütten, sondern auf dem Wege wie er gekommen ist, soll er wieder heimkehren, dass er in diese Stadt nicht komme, spricht der Herr.“ [...] „Da fuhr aus der Engel des Herrn und schlug im assyrischen Lager hundertfünfundachtzigtausend Mann. Und als man sich früh am Morgen aufmachte, siehe, da lag alles voller Leichen.“
Die Erzählung spiegelt sich deutlich in der Darstellung des Medaillons wider. Der Engel des Herrn bildet den Bezugspunkt des Bildes, er schreitet durch das Lager der Assyrer, in der rechten Hand hält er einen Schwertgriff – das dazugehörige Schwert fehlt aufgrund einer Beschädigung. Unterhalb des Engels sowie in der mittigen Bildebene sind die Leichen der Assyrer zu sehen, im Hintergrund tobt ein Schlachtgetümmel. [...hier fehlt noch etwas – ich möchte an dieser Stelle noch etwas tiefer in der Bibelstelle lesen um herauszufinden welche Schlacht dort dargestellt sein könnte – ich hab das Medaillon ja von Max übernommen und muss mich nochmal einlesen]. Im Hintergrund sind die Mauern und Türme der Stadt Jerusalem zu sehen. Umgeben wird das Medaillon von einem Rollwerkrahmen und vier Putten. Diese halten (im Uhrzeigersinn) ein flammendes Herz, einen Wasserkrug, eine Schlange und ein Kreuz in der Hand. Diese Attribute könnten sie als die Tugenden Nächstenliebe (Caritas), Mäßigung (Temperantia), Klugheit (Prudentia) und Treue/Glaube (Fides) auszeichnen.
Die Schlacht gegen die Amalekiter
Die Schlacht der Israeliten gegen die Amalekiter ist ein seltenes Bildmotiv. Zu diesem steht in der Bibel geschrieben: „Da kam Amalek und kämpfte gegen Israel in Refidim. Da sprach Mose zu Josua: Erwähle uns Männer, zieh aus und kämpfe gegen Amalek. Morgen will ich oben auf dem Hügel stehen mit dem Stab Gottes in meiner Hand. Und Josua tat, wie Mose ihm sagte, und kämpfte gegen Amalek. Mose aber und Aaron und Hur gingen auf die Höhe des Hügels. Und wenn Mose seine Hand emporhielt, siegte Israel; wenn er aber seine Hand sinken ließ, siegte Amalek. Aber Mose wurden die Hände schwer; darum nahmen die beiden einen Stein und legten ihn hin, dass er sich darauf setzte. Aaron aber und Hur stützten ihm die Hände, auf jeder Seite einer. So blieben seine Hände erhoben, bis die Sonne unterging. Und Josua überwältigte Amalek und sein Volk durch des Schwertes Schärfe“.
Das Bildmotiv, welches sich zur rechten Hand des Herzogs an der Tumba befindet, zeigt einige Komponenten der Bibelerzählung. So sind im oberen, rechten Bildbereich auf einem Hügel Aaron und Hur zu sehen, die dem betenden Mose die Arme stützen. Im oberen, linken Bildbereich ist ein Lager aus Zelten zu sehen, das sich auf die Ortbezeichnung „Refidim“ bezieht, die im Hebräischen „Lager“ bedeutet. Im Vordergrund spielt sich mit großer Detailvielfalt das Schlachtgeschehen zwischen Israeliten und Amalekitern ab.
Die Vertreibung aus dem Paradies
Und Gott der HERR machte Adam und seinem Weibe Röcke von Fellen und kleidete sie.[…] 24 und trieb Adam aus und lagerte vor den Garten Eden die Cherubim mit dem bloßen, hauenden Schwert, zu bewahren den Weg zu dem Baum des Lebens (Gen 3, 8-24)
Die Rollwerk-Umrahmung beinhaltet eine Blume, zwei Löwenköpfe (Symbol der Auferstehung, Stärke, Tugend, herrschaftlicher Macht und Christus, aber auch das Böse und Grausamkeit), Hacke und Hammer (Macht und Stärke) sowie einen Sarg mit Kreuzsymbol. Die Szene von der Vertreibung aus dem Paradies zeigt eine Bewegung des schuldigen Menschenpaars weg vom Baum der Erkenntnis mit der Schlange durch die Paradiespforte hindurch in die Welt und zum irdischen Leben. Ein Engel (Mittler zwischen Gott und den Menschen) in einer Wolke vor der Pforte hält dabei ein Schwert drohend erhoben. Das Menschenpaar trägt Fellgewänder sowie (Feigen-)Blätter (Symbol der Fruchtbarkeit) als Schurz; ihnen folgt der Tod in Gestalt eines Gerippes mit Sense. Eine Eidechse (Symbol der Auferstehung, der Liebe und der Gnade des göttlichen Lichts, aber auch des Bösen, des Neides und der Sündhaftigkeit) kriecht am Boden und ein magerer Löwe (Symbol der Auferstehung, Stärke, Tugend, herrschaftlicher Macht und Christus, aber auch das Böse und Grausamkeit) schaut ihnen hinterher.
Gideon
5 Vnd er füret das volck hinab ans Wasser. Vnd der HERR sprach zu Gideon / Welcher mit seiner Zungen des wassers lecket / wie ein Hund lecket / den stelle besonders / Desselben gleichen welcher auff seine knie felt zu trincken. 6 Da war die zal / dere die geleckt hatten aus der hand zum mund drey hundert Man / das andere volck alles hatte kniend getruncken. 7 Vnd der HERR sprach zu Gideon / Durch die drey hundert Man die geleckt haben / wil ich euch erlösen / vnd die Midianiter in deine hende geben / Aber das ander Volck las alles gehen an seinen ort.
(Lutherbibel 1545, Richter 7, 5-7.)
Sein Bildprogramm zeigt im Vordergrund als Hauptmotiv die Entscheidung bei den Streitern Gideons. Im linken Hintergrund ist eine zweimalige Gottesentscheidung zu sehen, welche Gideon durch ein Widderfell begehrt. Außerdem ist im rechten Hintergrund ein Teil des Heeres des Gideon zu sehen, welches in einer abgewandten Haltung dargestellt ist. Mittig im Hintergrund ist eine betende Person auf einem Felsen dargestellt, möglicherweise ebenfalls Gideon.
Alle diese Szenen stammen aus dem Buch der Richter. Die zweimalige Gottesentscheidung wird in Richter 6, 36 – 40 beschrieben. Gideon begehrt diese, da er sich nicht sicher ist, ob er durch Gottes Versprechen wirklich der sei, durch den Israel befreit wird. Als Gott ihm jedoch beide Begehren erfüllt, das Widderfell solle am nächsten Morgen einmal nass und das Feld herum trocken und das Widderfell solle trocken und das Feld herum nass sein, war er sich dieses Versprechens von Gott sicher.
Daraufhin erfolgt die Entscheidung bei seinen Streitern nach Richter 7, 3 – 8. Hierbei erfolgt eine Auswahl von Kriegern des Heeres von Gideon, da Gott dieses für zu groß erachtete. Nachdem 22000 angsterfüllte Krieger das Heer verließen, erfolgte die Auswahl am Wasser. Nach dieser wurden nur die Krieger welche wie Hunde das Wasser tranken übernommen. Durch diese 300 Männer wurden in derselben Nacht die Medianiter geschlagen und Israel befreit.
In diesem Medaillon läuft die Szenerie linear vom Hinter- in den Vordergrund.
Gideon als alttestamentarischer Patriarch steht allgemein für den Sieg über die Medianiter und die Erlösung Israels, wobei hiermit wieder der Sieg über die Feinde dargestellt ist, wie auch bei Simson und Sanherib.
Das Widderfell ist stark mit der Mariensymbolik verbunden und wurde selbst zum Sinnbild für das auserwählte Volk. Der Widder, das Attribut Gideons, besitzt eine umfangreiche Symbolik: Auferstehung, Zielstrebigkeit, Stärke und Lebenskraft.
Da sich das Medaillon am Fußende der Tumba befindet steht ihm jenes am Kopfende gegenüber. Dieses zeigt das Jüngste Gericht, welches für das ewige Leben nach dem Tod steht, welches einem durch Gottesgnaden gewährt wird. Im Vergleich zum Medaillon von Gideon können hier ebenfalls parallelen gezogen werden: Gideon war dank Gottesgnaden erfolgreich in der Schlacht gegen die Medianiter und erreichte diese nur, da er sich auf Gott und dessen Entscheidung am Wasser einließ. Ebenso ließ sich Herzog Ludwig auf seinen Glauben ein, wodurch er am Tag des Jüngsten Gerichts von Gott in den Himmel geholt werden wird.
Simons Sieg über die Philister
14 VND da er kam bis gen Lehi / jauchzeten die Philister zu jm zu / Aber der Geist des HERRN geriet vber jn / vnd die Stricke an seinen Armen wurden wie Faden / die das fewr versenget hat / das die band an seinen henden zuschmoltzen. 15 Vnd er fand einen faulen Eselskinbacken / Da reckt er seine hand aus vnd nam jn / vnd schlug damit tausent Man.
(Lutherbibel 1545, Richter 15, 14-15)
Das Medaillon zeigt in seinem Bildprogramm eine Heldentat des Simson: wie er mit einem Eselskinnbacken, welcher an der Tumba abgebrochen ist, 1000 Philister erschlägt. Um diese Szene herum türmen sich die erschlagenen Feinde auf.
Im Hintergrund befindet sich ein weiterer Handlungsabschnitt des Medaillons, in welchem Simson brennende Füchse in die Felder der Philister jagt um dadurch deren Ernte zu zerstören.
Die dargestellten Bilder in diesem Medaillon gehen auf das alttestamentarische Buch der Richter zurück. In Richter 15, 1 – 5 werden neben den Geschehnissen selbst auch die Umstände erläutert, weswegen Simson die Füchse die Felder der Philister verwüsten lässt: er war erzürnt darüber, dass ihm seine Frau von einem Philister, ihrem Vater, genommen wurde und so fing er 300 Füchse, befestigte Feuer an ihnen und jagte sie durch die Felder der Philister.
Diese waren darüber alles andere als erfreut und wollten Simson dafür zur Rechenschaft ziehen. Nach Richter 15, 14 – 18 fuhr dabei jedoch der Geist Gottes in ihn, er sprengte seine Fesseln und erschlug daraufhin 1000 Philister mit einem herumliegenden Eselskinnbacken.
Die Szenerie in diesem Medaillon bewegt sich linear vom Hinter- in den Vordergrund.
Simson als heldenhafter Charakter symbolisiert den Sieg Israels über die Philister, außerdem gehört er zu den beliebtesten Vorbildern des Alten Testaments für das Leben Christi. Die Tiere, welche in dieser Szene verwendet werden, die Füchse, stehen symbolisch für das Böse, die List oder allgemein auch für eine bösartige Schlauheit, was besonders in Hinblick auf ihre Funktion zutrifft: die Zerstörung der Felder.
Dem Medaillon gegenüber steht jenes mit den Motiven der Niederlage Sanheribs. Hier bildet ebenfalls eine zentrale Person – ein Engel – den Schlachtenschläger, der die Stadt Jerusalem vor ihren Feinden schützt und diese niederschlägt. Diese Parallele kann im Medaillon von Simson aufgegriffen werden: er schlägt die Schlacht ebenfalls alleine gegen eine Überzahl an Gegnern und geht am Ende siegreich hervor. Das göttliche des Engels kann in Simson durch den in ihn einfahrenden Geist Gottes gesehen werden.