Routen rund um die Dōshisha
Die Innenstadt Kyōtos beherbergt eine große Anzahl bedeutender historischer Sehenswürdigkeiten, Schreine, buddhistische Tempel ebenso wie Cafés, Museen, Kunsthandwerk und Gärten auf recht engem Raum. Der Imadegawa Campus der Dōshisha Universität wiederum — mit seiner Lage direkt nördlich des ehemaligen Tennō-Palastes (Gosho) — ist ideal positioniert, um als Ausgangspunkt einer Erkundung dieses kulturell reichhaltigen Ortes zu dienen.
Die in dieser Karte auf Google Maps vorgestellten 8 Routen sind alle vom Campus aus fußläufig erreichbar und bieten jeweils eine Mischung aus Geschichte, Kultur und Entspannung bei guten Getränken und Essen für einen oder ein paar mehr Ausflüge. Die Auswahl der einzelnen Ziele basiert hierbei einerseits auf kultureller Relevanz und andererseits auf persönlicher Präferenz der Kartenerstellerin. Eine Route an einem Tag vollständig abzulaufen ist hierbei keine Pflicht. Vielmehr sollten ihre Verläufe als Vorschläge angesehen werden, was zueinander in guter Reichweite liegt. In den Beschreibungen der einzelnen Ziele kann außerdem durch eine Stichwortsuche nach persönlicher Präferenz gefiltert werden, wobei die verwendeten Kategorien im Header der Karte zu finden sind. Weitere sehenswerte Orte, die als Ausgangspunkt für weitere Ausflüge dienen können oder es einfach nicht in eine der anderen Routen geschafft haben, sowie einige weitere persönliche Café- und Restaurantempfehlungen haben ihre eigene Kategorie.
Shimogamo-jinja Route: Im Zentrum steht hier der namensgebende Schrein mit dem Tadasu no mori und dem Aoi-matsuri als einem der drei großen Matsuri im Kyōtoer Jahresverlauf. Besuche lohnen sich vor allem in der ersten Hälfte des Mai, aber der Tadasu no mori bietet auch im Sommer eine kühle Umgebung und abends unter Umständen auch Glühwürmchen.
Shōkoku-ji Route: Eher gegen Herbst kann es einen zu diesem Tempel ziehen. Auch wenn im zugehörigen Museum verschiedene Sonderausstellungen über das Jahr hinweg gezeigt werden, so öffnen einige der Tempelhallen ihre Tore nur zu Sonderöffnungszeiten im Herbst. Eher zu einem Abendspaziergang lädt dagegen der Streckenabschnitt entlang des Kamogawa ein, der wahlweise früher am Tag auch durch den nördlichen Teil der Teramachi-dōri gen Süden führen kann.
Daitoku-ji Route: Nicht ein, nicht zwei, sondern über 20 Subtempel sind Teil des hier namensgebenden Komplexes, auch wenn nur sehr wenige öffentlich zugänglich sind. Mein persönlicher Geheimtipp gilt dem sehr jungen Hōshun-in Bonsai Garten, der seit einigen Jahren beeindruckend alte und gestaltete Bäume ausstellt, und das praktisch touristenfrei. Wer historische Feuerkraft zu schätzen weiß sollte den etwas südlich gelegenen Kenkun-jinja im Oktober besuchen, da nicht nur Aufführungen von Nō-Stücken sondern auch solche mit Archebusen in historischer Bekleidung stattfinden.
Kamishichiken Route: Nahe beim einzigen, dem Imadegawa Campus nahe gelegenen Geiko Viertel liegt eine wahre Schatzkammer buddhistischer Schnitzereien, auf demselben Gelände wie das älteste Gebäude Kyōtos. Zu praktisch jedem 25. eines Monats, besonders aber im Februar, kann es einen hingegen an den Kitano Tenman-gū verschlagen. Zwar gibt es nur im Februar die Pflaumenblüte im Matsurigewand zu bestaunen, aber monatlich findet auch ein Flohmarkt statt, auf dem sich Handwerk ebenso wie Gebrauchtes wunderbar erwerben lässt.
Horikawa-Imadegawa Route: Zwei eher ungewöhnliche Schreine stehen zu Beginn der hier beschriebenen Route. Während der Shiramine-jingū sich stolz auf praktisch jeglichen Ballsport bezieht und mehrmals im Jahr Kemari Vorführungen in historischer Kleidung dort stattfinden, so ist der Seimei-jinja ganz dem Divinationsmeister (onmyōji) Abe no Seimei gewidmet. Wer sich schon immer mit japanischer Kosmologie oder einfach nur deren popkultureller Präsentation auseinandersetzen wollte, ist hier richtig. Die Horikawa Promenade bildet vor allem im Frühling zur Kirschblüte einen entspannten Ausklang der kulturellen Bildung.
Gosho Routen: Die drei Routen um und durch den Gosho, das Gelände rund um den ehemaligen Palast der Tennō in Kyōto, beziehen neben dem eigentlichen Palastgelände auch umliegende Schreine, Tempel, Cafés, sowie Subresidenzen mit wunderschön gestalteten Gärten mit ein. Es sei zu bemerken, dass einige Gebäude nur mit Voranmeldung betreten werden können. Während der Nashinoki-jinja mit einer aktiven Süßwasserquelle aufwartet, kann man am Goō-jinja so ziemlich jede mögliche Form von Wildschweindarstellungen bewundern.
(Routenerstellung und Text: Maike Popp, SoSe 2026)