Laufende Arbeiten und Forschungsprojekte Taschkent - Geschichte der sowjetischen Metropole Zentralasiens. Städtische Räume und urbane Kultur 1966-1991
(Dissertationsprojekt)
Als Taschkent 1966 von einem Erdbeben stark zerstört wurde, bot der Wiederaufbau der Stadt sowjetischen Architekten und Politikern die Gelegenheit, ihre Träume von Modernität und Fortschritt dem In- und Ausland zur Anschauung zu bringen. Das Projekt untersucht zum einen, wie die Erdbebenkatastrophe ungeahnte Möglichkeiten schuf, um Taschkent zu einem Laboratorium der modernen sowjetischen Stadtplanung und des industriellen Massenbaus zu machen. Zum anderen werden soziale Aspekte der nach 1966 entstandenen sozialistischen Stadt mit einer langen islamisch-orientalisch geprägten Tradition untersucht. Im Projekt wird in raum- und sozialhistorischer Hinsicht erörtert, wie der Ausbau Taschkents zur modernen Metropole auf örtliche Traditionen, den Alltag und die Lebensweise der Stadtbewohner auswirkte und welche soziale Prozesse dieser Ausbau nach sich zog. Außerdem wird die Rolle Taschkents im Wettbewerb der Modernen des Kalten Kriegs untersucht. In den Jahren nach 1966 wurde Taschkent für die Sowjetunion aufwändig als das „Fenster in die Dritte Welt“ inszeniert. Die Analyse der zentralasiatischen Metropole verspricht die Besonderheiten und eigenen Dynamiken der sozialistischen Stadt aufzuzeigen und eine zentralasiatische Version der sozialistischen Stadt herauszuarbeiten. Es werden die transnationale Bezug- und Einflussnahme dargestellt, um so den Neuaufbau Taschkents in den Gesamtzusammenhang der Urbanisierungs- und Stadtplanungsgeschichte des letzten Drittels im 20. Jahrhundert zu verorten.