Uni Tübingen

Meldung

01.04.2026

Neu berufen: Professorin Dr. Friederike Lorenz-Sinai

W3-Professur für Sozialwissenschaftliche Antisemitismusforschung, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät

Professorin Dr. Friederike Lorenz-Sinai

Im März 2026 hat Friederike Lorenz-Sinai die Professur für Sozialwissenschaftliche Antisemitismusforschung am Institut für Rechtsextremismusforschung (IRex) angetreten. Nach ihrer Ausbildung und Berufstätigkeit zur staatlich anerkannten Erzieherin in Bremen studierte sie Soziale Arbeit an der Hochschule Bremen. Anschließend führte sie ihr Studium im Bereich Erziehungs- und Bildungswissenschaften an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg weiter, welches sie 2013 mit dem Master abschloss. Während und nach ihrem Studium arbeitete sie in verschiedenen Handlungsfeldern der Sozialen Arbeit, in der Gedenkstättenpädagogik sowie in der politischen Jugend- und Erwachsenenbildung.

Neben ihrer Tätigkeit in außeruniversitären Forschungsinstituten lehrte und forschte sie an unterschiedlichen Hochschulen und Universitäten, darunter die Hebrew University of Jerusalem und die Freie Universität Berlin, wo sie 2019 und 2021 den Preis für beste Lehre am Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie erhielt. Sie war Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes und wurde 2019 an der Universität Wuppertal promoviert. Die Dissertation trägt den Titel „Der Vollzug des Schweigens – Konzeptionell legitimierte Gewalt in den stationären Hilfen“ und analysiert institutionelle Schweigepraktiken im Kontext von konzeptionell legitimierter Gewalt durch Fachkräfte gegen Kinder in der Eingliederungshilfe. In ihrer Arbeit kommt Friederike Lorenz-Sinai zu dem Schluss, dass im untersuchten Fall ein wortreiches Schweigen in der pädagogischen Einrichtung genutzt wurde (wie etwa die Verwendung von Fachvokabular), um die Kinder als gefährdend zu markieren und Gewalt als Therapie zu framen. Von 2021 bis 2026 hatte Friederike Lorenz-Sinai die Professur für Methoden der Sozialen Arbeit und Sozialarbeitsforschung an der Fachhochschule Potsdam inne. In dieser Zeit leitete sie mehrere Studien zur Aufarbeitung von (sexualisierter) Gewalt in kirchlichen Kontexten sowie im Bereich der Gefängnisforschung zu Vaterschaft im Strafvollzug, Suchthilfeangeboten im offenen Vollzug sowie zur Wahrnehmung von Gefängnisarchitektur. 2026 folgte sie dem Ruf an die Universität Tübingen.

Friederike Lorenz-Sinai beschäftigt sich in ihrer Forschung neben institutioneller Gewalt vor allem mit institutionellem Antisemitismus. Institutioneller Antisemitismus, so Lorenz-Sinai, bezeichnet eine Ordnung, die in Institutionen eingebettet ist, Ausschluss produziert und Diskriminierung ermöglicht. Gemeinsam mit der Psychologin und Antisemitismusforscherin Marina Chernivsky (Kompetenzzentrum für antisemitismuskritische Bildung & Forschung – KOAS) fragt sie danach, wie durch implizite und explizite Ausschlüsse, Regeln und Gesetze Jüdinnen und Juden an einer vollständigen Teilhabe an der Gesellschaft gehindert werden. Ein weiterer Fokus ihrer Forschung liegt auf jüdischen Erfahrungen im Kontext von Schulen und Hochschulen im Sinne einer Betroffenen-orientierten Forschung zu antisemitischer Gewalt und Diskriminierung. Aktuell untersucht sie in mehreren Studien die Wirkung der mehrfachen Gewalt im Kontext des 7. Oktobers auf jüdische und israelische Communitys in Deutschland, auf ihre Selbstverständnisse, Zukunftsperspektiven sowie den Alltag im öffentlichen Raum und in institutionellen Kontexten.

Ab dem Wintersemester 2027/28 wird sie im neuen Master Rechtsextremismusforschung des IRex im Bereich Antisemitismus und Sozialforschung lehren. Bis dahin liegen ihre Schwerpunkte in der Lehre zum einen auf antisemitisch-kritischer Beratung in therapeutischen, medizinischen und sozialen Handlungsfeldern, zum anderen auf Antisemitismus im Kontext Schule in Verschränkung mit Rechtsextremismus.

Franziska Hammer