Alte Geschichte

Das Tübinger Lykien-Projekt

Die lykische Siedlung auf dem Avsar Tepesi

Die Siedlung auf dem Avsar Tepesi wurde erst 1992 im Zuge der Tübinger Forschungsarbeiten in diesem Gebiet entdeckt. Die erhaltenen Baureste sind keineswegs spektakulär, doch die Bedeutung des ca. 14 ha großen Siedlungsplatzes für die Forschung ist umso größer. Hier liegt nämlich eine frühe Siedlung vor, die von fremden, insbesondere griechischen Einflüssen unberührt ist und daher ihren rein lykischen Charakter bewahrt hat. Dies liegt daran, daß die Siedlung gegen Mitte des 4. Jhs. v. Chr. vollständig aufgelassen wurde; die vorhandenen Baureste stammen nach derzeitigem Forschungsstandaus der Zeit zwischen ca. 500 und 350 v. Chr. Wahrscheinlich erfolgte die Auflassung der Siedlung, die wohl mit dem auf lykischen Münzen und in einer Inschrift genannten Ort Zagaba identisch ist, unter Zwang.

Gut erhalten ist vor allem die Akropolis . Innerhalb des wuchtigen Befestigungsrings befinden sich an Gebäuden vor allem Magazine und Wasserreservoirs . Von hier oben überblickt man einen Großteil des Yavu-Berglandes, u.a. die antiken Siedlungen von Kyaneai und Büyük Avsar.

Auch einige der Wohnhäuser sind bemerkenswert gut erhalten. Sie besitzen als Besonderheit sehr häufig eine dem jeweiligen Haus talseitig vorgelagerte Veranda - offenbar eine lykische Eigenheit . Die aufgehenden Wände bestanden fast ganz aus Holz oder Fachwerk und konnten mehrere Geschosse tragen.

Die Agora im Westen der Anlage repräsentiert mit ihren beiden umgestürzten Pfeilergräbern und einem unscheinbaren Felsgrab die wohl früheste Form eines lykischen Versammlungsplatzes. Bei einem großen Podium in der Mitte des Platzes handelt es sich wohl um den Unterbau eines Tempels.

Unmittelbar östlich schließt sich eine Nekropole mit aneinandergebauten Terrassengräbern an . Auch hier gewinnt man den Eindruck, daß für die Bewohner des Avsar Tepesi die Nähe zu den Toten von großer Bedeutung gewesen sein muß. Davon zeugt auch eine ausgegrabene Grabanlage mit ihrem eindrucksvollen Polygonalmauerwerk.

Literatur:

  1. A. Thomsen, Die Siedlung auf dem Avsar Tepesi - ein neuentdeckterlykischer 'Dynasten'-Sitz nahe Kyaneai, in: F. Kolb (Hg.), Lykische Studien 3 (Asia Minor Studien 24), Bonn 1996, 31-35.
  2. A. Thomsen, Arbeiten auf dem Avsar Tepesi 1993/4, in: F. Kolb (Hg.), Lykische Studien 4 (Asia Minor Studien 29), Bonn 1998, 43-54.
  3. A. Thomsen, Oberflächenuntersuchungen auf dem Avsar Tepesi, in: F. Kolb (Hg.), Lykische Studien 5 (Asia Minor Studien 41), Bonn 2000, 9-18.
  4. A. Thomsen, Bericht über eine Sondage am Dynastengrab auf dem Avsar Tepesi, ebenda, 19-31.
  5. G. Neumann, Neue lykische Texte vom Avsar Tepesi und aus Korba,ebenda, 183-185.
  6. A. Thomsen, Die lykische Dynastensiedlung auf dem Avsar Tepesi, Bonn 2002 (Diss. Tübingen).
  7. A. Thomsen, Ausgrabungen auf dem Avsar Tepesi in den Jahren 1996/97, in: F. Kolb (Hg.), Lykische Studien 6 (Asia Minor Studien 48), Bonn 2003, 17-43.
  8. B. Rückert, Die Keramik aus den Grabungen auf dem Avsar Tepesi 1996/1997, ebenda, 135-161.