Uni Tübingen

Meldung

06.11.2026

Auftakt der SI-Days: Diskussion über den Wert der Wissenschaft

Professorin Dr. Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen, hat die Science & Innovation Days am Donnerstag eröffnet.

Die Science & Innovation Days (SI-Days) in Tübingen haben am Donnerstag begonnen. Das öffentliche Wissenschaftsfestival der Universität Tübingen bringt Forschende, Bürgerinnen und Bürger sowie Akteurinnen und Akteure aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft in interaktiven Formaten miteinander ins Gespräch. 2026 finden die SI-Days als Teil des Universitätsjubiläums unter dessen Leitmotiv „Vom Wert der Wissenschaft“ statt. 

"Das ist ein Festival für alle! Für die Stadt wie das Umland, denn Wissenschaft gehört auch dorthin, wo Menschen leben und arbeiten", sagte Professorin Dr. Karla Pollmann, Rektorin der Universität Tübingen, zum Festivalstart vor rund 100 Besucherinnen und Besuchern in der Alten Aula.

Podiumsdiskussion mit Alumni

Marcel Wagner, Leiter des SWR-Studios Tübingen, diskutierte anschließend mit drei Alumni – ehemalige Studierende der Universität Tübingen – über den Wert der Wissenschaft. Moritz Bross studierte und promovierte in Biologie und arbeitet heute als Forscher bei BASF. Einen Wert der Wissenschat sieht er im wissenschaftlichen Denken, das er mit seiner Promotion gelernt hat und ihm auch im Alltag helfe. "Das finde ich enorm bereichernd." 
Ghazaleh Tabatabai ist Neurowissenschaftlerin und wurde unter anderem in Tübingen promoviert, wo sie am Universitätsklinikum heute zu Hirntumoren forscht. Wissenschaft bedeute für sie, Rückschläge und Widersprüche auszuhalten. "Das ist der Haupttreiber, der uns immer einen Schritt weiterbringt und neue Erkenntnisse liefert." 

"Demokratie braucht Fakten aus der Wissenschaft" 

Andreas Sentker studierte in Tübingen Biologie und Rhetorik und leitete später unter anderem das Ressort Wissen der Wochenzeitung DIE ZEIT. Für den Journalisten ist Wissenschaft "das beste Welterklärungssystem, das wir haben". Die Despoten dieser Welt haben Angst vor einem System, das zweifelt, rational argumentiert und nach Antworten sucht. “Die Demokratie braucht Fakten aus der Wissenschaft.”

Ein Punkt, den Ghazaleh Tabatabai in der Diskussion aufgriff. "Wir müssen uns eingestehen, dass wir vielmehr unsere gesellschaftliche Verantwortung wahrnehmen müssen: Wissenschaft erklären, damit die Botschaft ankommt." Dafür engagiert sich die Ärztliche Direktorin am Universitätsklinikum gemeinsam mit weiteren Forschenden über den eigens gegründeten Verein "Wissenschaft für Demokratie". Auf die Frage, ob sie dafür neben ihrem Beruf überhaupt Zeit finde, verwies Ghazaleh Tabatabai auf die Exzellenzstrategie der Universität: "Wir begreifen das als Teil unserer Tätigkeit." 

Debatte zeigt außeruniversitäre Perspektiven 

Auf Ressourcen blickt Moritz Bross als Forscher in der freien Wirtschaft aus einer anderen Perspektive: Im Vergleich zur universitären Forschung sei er in vielerlei Hinsicht gut ausgestattet. An seiner Arbeit schätzt er, dass sein Beitrag "einen realen Impact hat. Das hat mich an der Uni bis zuletzt gestört". Allerdings verspüre er einen enormen Druck für Erfolg.

Andreas Sentker bezeichnet Translation als existenzielle Frage. "Curevac war ein Beispiel, das deutsche Forschung in der Welt wieder sichtbar gemacht hat." Mittlerweile habe China in der Wissenschaft Deutschland überholt, das zeige sich an den Publikationen in der renommierten Fachzeitschrift Nature.

Fokus auf Vermittlung von Kompetenzen und Problemlösung

Ghazaleh Tabatabai plädierte dafür, in den Curricula Kompetenzen wie Problemlösung und Kommunikation zu stärken. "Diese Kompetenzen formen Werte und Persönlichkeit. Bei Fakten werden wir nie mit KI konkurrieren können, in der kritischen Auseinandersetzung aber sehr wohl." Auch für Andreas Sentker ist der "regelbasierte Zweifel" im Zeitalter der KI als “Kulturwerkzeug” wichtiger geworden. "Wir brauchen die Volluniversität, darin liegt unsere Stärke."
Einig war sich die Runde darin, dass KI ein Werkzeug ist und junge Menschen, die damit aufwachsen, nicht automatisch die Neugier verlieren. "Seit wir Wikipedia haben sind die Leute ja auch nicht weniger neugierig geworden", sagte Moritz Bross. Diese Neugierde sei es, die oft den Wert der Wissenschaft ausmache, ein Wert, der aber oft nicht direkt ersichtlich werde, sagte Sentker. 

Rektorin: “Universität ist eine Gemeinschaft über die Zeit hinweg”

Auch Rektorin Karla Pollmann meldete sich zu Wort, verwies auf Wilhelm Schickard, der während des Dreißigjährigen Krieges im 17. Jahrhundert eine Rechenmaschine erfand, den ersten Computer. Damals habe das niemand wahrgenommen. “Universität ist eine Gemeinschaft über die Zeit hinweg, eine gewaltige Institution. Wir leben wie in einem Bankkonto, das im Fluss der Zeit weiterlebt, wissen aber nicht, wann die Dividende kommt.”

Stefan Bentele