Institute for Eastern European History and Area Studies

Dr. Alexa von Winning

Akademische Rätin auf Zeit und stellvertretende Direktorin des Instituts

Kontakt

Hegelbau (Erdgeschoss), Wilhelmstr. 36, D-72074 Tübingen
  +49 7071 29-72388
alexa.vonwinningspam prevention@uni-tuebingen.de

Sprechstunde

Montag 16-17 Uhr


Schnellzugriff Projekte

‚Leaving Home: The Noble Family, Imperial Russia, and Global Orthodoxy, 1855-1936‘ (abgeschlossenes Promotionsprojekt)

The dissertation offers a case study of the role played by mobile elite families in Russia’s international involvement in the age of empire. A contribution to the histories of family, empire, and religion, it opens a new perspective on the interplay of the noble family and the imperial state in nineteenth century Russia. It takes into account a crucial feature in the lives of many Russian noblemen and women: their extraordinary mobility, both empire-wide and beyond Russia’s borders. Extensive travels or permanent relocation often left families scattered widely. Many even lacked what scholars consider a crucial constituent of family: the home. While it is to date primarily understood as a domestic institution, the family also served as an important link that connected both individuals and the imperial state to the globalizing modern world.

https://global.oup.com/academic/product/intimate-empire-9780192844415?prevSortField=8&resultsPerPage=60&sortField=8&lang=en&cc=us

Psychoboom im Postkommunismus: Transformationen von Gesellschaft und Seele in Russland (1985–2000)

Der Epochenbruch in Russland 1989/1991 bewirkte nicht nur auf politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ebenen fundamentale Umwälzungen, sondern auch in individuellen Lebensläufen und Lebenswelten. Langgehegte Überzeugungen wurden in Frage gestellt, ganze Lebensleistungen entwertet, Selbstentwürfe gingen verloren. Für viele Menschen bedeuteten diese Umbrüche eine erhebliche seelische Belastung. Eine Gesprächspartnerin von Swetlana Alexiewitsch bemerkte melancholisch: „Kaum jemand von uns ist geblieben, wie er war.“

Viele Menschen suchten Halt und Orientierung in den überall neu eröffnenden Kirchen. Andere griffen zu psychologischen Angeboten aller Art und besuchten esoterische Wunderheiler und Gurus, lasen Ratgeber, buchten Führungsseminare oder schlossen sich Selbsthilfegruppen an. Diese im weitesten Sinne therapeutischen Angebote bauten zum Teil auf Praktiken der Selbstführung und Selbstsorge auf, die in der Sowjetunion bereits vor 1985 eine Rolle gespielt hatten. Vor allem aber nutzten findige Anbieter:innen, oftmals ohne psychologische Ausbildung, die Öffnung des Unterhaltungsmarkts und der staatlichen Gesundheitsversorgung. Zugleich kamen mit den politischen Veränderungen Ausläufer der westlichen „Therapeutisierung“ oder „Psychologisierung“ nach Russland.

Das Forschungsprojekt untersucht die Bedeutung von Psychowissen und populär-psychologischen Angeboten in Russlands Transformationsjahren von 1985 bis 2000. Welche Rolle spielte das Sprechen von der Psyche für die Deutung und Verhandlung der individuellen und gesellschaftlichen Transformationserfahrungen? Ziel ist es, das Mischungsverhältnis des russischen Psychobooms genauer zu bestimmen: Wieviel sowjetisches Erbe steckte ihn ihm, welchen Anteil hatten postkommunistische Erfahrungen und wie stark bestimmten westliche Transfers und Adaptationen seine Entwicklung?


seit April 2020
Akademische Rätin auf Zeit und stellvertretende Direktorin

des Institut für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde der Universität Tübingen

2018 bis 2020
Akademische Mitarbeiterin

am Institut für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde der Universität Tübingen

2018
Promotion

Thema: Leaving Home: The Noble Family, Imperial Russia, and Global Orthodoxy, 1855–1936. (Ausgezeichnet mit dem Dr. Leopold Lucas-Preis für Nachwuchswissenschaftler 2019, dem Fritz Theodor Epstein-Preis 2020 und dem Preis der Gesellschaft zum Studium des Christlichen Ostens 2021)

2011 bis 2012
Wissenschaftliche Mitarbeiterin

am Institut für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde der Universität Tübingen

2010 bis 2011
Wissenschaftliche Hilfskraft

am Institut für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde der Universität Tübingen

2010
Magistra Artium

an der Universität Tübingen

2006 bis 2008

Konzeption und Durchführung des Forschungsprojekts „Regionales Gedächtnis in Kazan‘: Christliche und muslimische Erinnerung an die Sowjetzeit“, gefördert im Rahmen der Geschichtswerkstatt Europa

2003 bis 2010
Studium

der Neueren und Neuesten Geschichte sowie Politikwissenschaft an der Universität Tübingen und der Staatlichen Universität Kazan‘

Ämter, Mitgliedschaften, Fellowships, Preise

05/2019

Auszeichnung mit dem Dr. Leopold Lucas-Preis für Nachwuchswissenschaftler 2019

08/2014 - 12/2014

Short Term Scholar am Russian, East European, and Eurasian Center, University of Illinois at Urbana-Champaign

04/2013 - 04/2017

Stipendiatin des Athene-Programms im Rahmen des Zukunftskonzepts der Universität Tübingen

Seit 2013

Mitglied im Zentrum für Biographik (Link), Sprecherin 2015-2017

06/2011 - 02/2016

Stipendiatin der Konrad Adenauer Stiftung (Graduiertenförderung)

09/2010 - 12/2010

Stipendiatin des Deutschen Historischen Instituts Moskau

Forschungsschwerpunkte

  • Biografieforschung, insbesondere Familienbiografik
  • Religionsgeschichte im 19. und 20.Jh.
  • historische Familienforschung

Publikationen (Auswahl)

Monographien

Editionen

  • gem. mit Klaus Gestwa (Hg.): Themenheft "Aufbruch ins Ungewisse. 30 Jahre nach dem Zerfall der Sowjetunion", Religion und Gesellschaft in Ost und West 12/2021.
  • gem. mit Krill A. Vach (Hg.): Pis’ma B.P. Mansurova iz putešestvija po Pravoslavnomu Vostoku, 1857. [Berichte aus dem orthodoxen Osten: Reisebriefe von B.P. Mansurov, 1857]. Moskva 2014.

Aufsätze (die letzten 5)

  • Fragen zum Krieg: Muss Putin ins Gefängnis?, in: Stuttgarter Kinderzeitung, 04.03.2022, S. 10-11, <https://www.stuttgarter-kinderzeitung.de/inhalt.fragen-zum-krieg-muss-putin-ins-gefaengnis.246c12ca-9065-45ee-81f3-4909057c9161.html> [auch erschienen in: Stuttgarter Zeitung (05.03.2022), Waiblinger Kreiszeitung (05.03.2022)]
  • gem. mit Klaus Gestwa: Das verkorkste Debüt der Demokratie in Russland nach 1991, in: Religion und Gesellschaft in Ost und West, 12/2021, S. 4-7.
  • Vom Paria zum Heilsbringer. Die Rückkehr der Religion auf die öffentliche Bühne, in: Einsichten und Perspektiven, 1, 2021, S. 44–57.
  • gem. mit Klaus Gestwa: Das Wagnis Demokratie im Moskauer Kreml 1989, in: Religion und Gesellschaft in Ost und West, 9/2019, S. 9–12.
  • Religiöse Erneuerung in der europäischen Moderne. Konservativ-Orthodoxe Zukunftsentwürfe für Russland und die Welt, 1905–1914, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 63, 2015, S. 966–981.

Lehrveranstaltungen (Auswahl)

  • Proseminar: Orthodoxie in Politik und Gesellschaft: Religion während der russischen Modernisierung, 1861-1917 (Wintersemester 2018/19)
  • Übung: "Adel verpflichtet – aber wozu? Der russische Adel und die gesellschaftliche Modernisierung des Zarenreichs im 19. Jahrhundert" (Sommersemester 2013)
  • Übung: "Russische Orthodoxie als ‚gelebte Religion‘: Glaubenserfahrungen und praktiken während der gesellschaftlichen Modernisierung im Zarenreich, 1861-1917" (Wintersemester 2011/12)
  • zusammen mit Boris Belge und Martin Deuerlein, Repetitorium: "Geschichte des russischen Reiches und der Sowjetunion, 18611991" (Wintersemester 2011/12)