Autor*innen: Dr. Helena Atteneder, Dr. Rolf Frankenberger, Bjarne Pfau
Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen räumliche Muster extrem rechter Mobilisierung um daraus ein theoretisch wie empirisch anschlussfähiges Erklärungsmodell zu entwickeln. Ausgehend von der Diagnose, dass gängige Dichotomien wie Stadt versus Land oder Ost versus West die Komplexität politischer Präferenzen nur unzureichend erfassen, wird ein relationaler Zugang zu Urbanität und Ruralität vorgeschlagen. Diese erscheinen nicht als bloße Siedlungsformen, sondern als sozial, kulturell und medial hervorgebrachte Lebenswelten, in denen sich Erfahrungen von Zentralität, Peripherie, Sichtbarkeit und Marginalisierung verdichten.
Räumliche Analysen und struktureller Befunde zu Wahlerfolgen der AfD zeigen, dass extrem rechte Mobilisierung dort besonders anschlussfähig wird, wo sich sozialräumliche Benachteiligung, infrastrukturelle Peripherisierung und informationelle Unterversorgung überlagern. Insbesondere die Verschränkung von lebensweltlichen Erfahrungen mit medialen Ungleichheiten, etwa im Kontext lokaler „Nachrichtenwüsten“, rückt so als zentraler Faktor politischer Polarisierung in den Blick. Dieser Ansatz bildet einen innovativen Zugriff auf die Frage, wie räumliche Deutungsmuster politisch wirksam werden.
Das Kapitel ist Anfang 2026 im MOTRA-Monitor 2024/2025 erschienen.