28.10.2026
Wissenschaftsleugnung begegnen: Gale Sinatra über flexible Praktiken für Wissenschaftsverständnis im Unterricht
Warum zweifeln Menschen an wissenschaftlichen Erkenntnissen oder wehren sich gegen sie, und was können Lehrkräfte dagegen tun?
Gale M. Sinatra ist Distinguished Professor Emerita für Psychologie und Bildung an der University of Southern California und Mitglied der National Academy of Education. In ihrem Vortrag „Confronting Science Denial: Flexible Practices to Promote Science Learning and Acceptance“ im Rahmen der LEAD Lecture Series griff sie auf ihr gemeinsam mit Barbara Hofer verfasstes Buch Science Denial: Why It Happens and What to Do About It zurück.
Sinatra unterschied zwischen offener Leugnung, die selten vorkommt, und den deutlich häufigeren Formen von Zweifel und Widerstand. Diese entstehen vor allem dann, wenn wissenschaftliche Befunde mit persönlichen Überzeugungen oder der sozialen Identität in Konflikt geraten. Sie betonte, dass wir alle dafür anfällig sind: Es handelt sich nicht um ein „Wir gegen die anderen“-Problem. Zu den Einflussfaktoren, die sie besprach, zählen mentale Abkürzungen und kognitive Verzerrungen, motiviertes Denken, das digitale Medienumfeld, soziale Identität, persönliche Relevanz und das Vertrauen in Wissensquellen.
Im zweiten Teil richtete sich der Blick auf die Praxis. Sinatra stellte forschungsbasierte Ansätze vor, die Lehrkräfte flexibel im Unterricht einsetzen können, darunter:
- Sechs Schritte zur Quellenprüfung wissenschaftlicher Informationen im Netz, vom Innehalten vor dem Teilen bis zum Überprüfen von Aussagen durch seitliches Lesen (Lateral Reading)
- Widerlegungstexte (Refutation Texts), die ein Missverständnis benennen, widerlegen und die wissenschaftliche Position erklären
- Prebunking und Debunking als Strategien gegen Falschinformationen
- Photovoice und Community Science Data Talks, die Wissenschaft mit der Lebenswelt und dem Umfeld der Lernenden verknüpfen
Ihre zentrale Botschaft: Wer die psychologischen Hintergründe von Wissenschaftsskepsis versteht, kann Schüler:innen besser dabei unterstützen, sich mit wissenschaftlicher Evidenz auseinanderzusetzen, und kann damit beginnen, die eigenen Verzerrungen und Motive zu hinterfragen.