Uni-Tübingen

Chilenische Einsiedlerspinne: Häufig gestellte Fragen

In einigen Gebäuden der Universität Tübingen wurden Spinnen der Art Loxosceles laeta (Chilenische Einsiedlerspinne) entdeckt. Diese Spinne stammt ursprünglich aus Südamerika und kommt in Europa nur durch Verschleppung vor. Ihr Biss kann giftig sein, ist jedoch sehr selten, da die Spinne menschenscheu ist und nicht aggressiv reagiert.

Auf dieser Seite finden Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen sowie eine aktuelle Liste der Fundorte. Die Informationen werden regelmäßig aktualisiert.

Wie gefährlich ist die Spinne?

Im Fall eines Bisses kann die Spinne Gift absondern. Dieses Gift kann zu schweren Hautschäden führen. Allerdings gilt die Spinnenart als nicht bissfreudig, ist nachtaktiv und menschenscheu. Vom beratenden Experten wird das Risiko daher als sehr gering eingeschätzt. Selbst im unwahrscheinlichen Fall eines Bisses gilt das Risiko als sehr gering, verglichen mit Gefahren, denen wir uns jeden Tag aussetzen, etwa im Straßenverkehr. 

Ich wurde gebissen, was soll ich tun?

Spülen Sie den Biss mit Wasser und kühlen Sie die Bissstelle. Suchen Sie umgehend einen Arzt auf. Die beste Adresse in Tübingen: Zentrale Notaufnahme des Universitätsklinikums.

Wo wurde die Spinne gesichtet?

Die Spinne wurde überwiegend in Keller-, Technik- und Lagerräumen gesichtet. Vereinzelt auch in Büros und Laboren. Folgende Bereiche sind betroffen: 

  • A-Bau, B-Bau, E-Bau und F-Bau auf der Morgenstelle  
  • Hörsaalzentrum Morgenstelle  
  • Mensa Morgenstelle
  • Zentrum für Molekularbiologie der Pflanzen (ZMBP) und Interfakultäres Institut für Biochemie (IFIB)
  • Hölderlinstr. 12/Sigwartstr. 10 

Nutzerinnen und Nutzer der betroffenen Räume werden umgehend informiert. Besondere Vorsicht ist bei Materialtransporten aus den betroffenen Bereichen geboten. Hier besteht die Gefahr einer Verschleppung, daher müssen die Transporte vorher kontrolliert werden. Verdachtsfälle werden laufend geprüft. 

Wie wurde die Spinne an der Universität entdeckt?

Ein Mitarbeiter der Universität wurde im Untergeschoss des Hörsaalzentrums Morgenstelle auf die Spinne aufmerksam und fing sie ein. Dr. Hubert Höfer vom Staatlichen Naturkundemuseum Karlsruhe bestimmte die Spinne. Dr. Höfer berät die Universität Tübingen weiterhin im Umgang mit der Chilenischen Einsiedlerspinne.

Wie kam die Spinne an die Universität?

Wie die Spinne an die Universität eingeschleppt wurde, ist nicht mehr rekonstruierbar. Wahrscheinlich ist sie als blinder Passagier einer Warenlieferung aus Südamerika eingereist. Da die Spinnenart menschenscheu und nachtaktiv ist, ist es möglich, dass das Tier schon mehrere Jahre unbemerkt in Räumen der Universität lebt.

Die Tiere wurden zuvor nicht an der Universität gehalten. 

Wie reagiert die Uni? Welche Maßnahmen zur Bekämpfung der Spinne werden umgesetzt?

Die Universität arbeitet gemeinsam mit Spinnen-Experten und einer Schädlingsbekämpfungsfirma an der maximal möglichen Eindämmung, Bestandsreduzierung und im besten Fall der Beseitigung der Chilenischen Einsiedlerspinne. Der Schutz der Menschen an der Universität und den Tieren in der Tierhaltung ist dabei zu jeder Zeit gewährleistet.

Mitarbeitende, Studierende, Besucherinnen und Besucher sowie Fremdfirmen sind über die Spinnenart informiert und sensibilisiert.

Die Maßnahmen zur Bekämpfung der Spinne werden den Räumen und ihrer Nutzung angepasst.  Die Spinnen werden mechanisch (Reinigung, Staubsauger), physikalisch (Trockenheißdampf, Silikatpulver) oder chemisch (Akarizid) bekämpft. Durch begleitendes Monitoring und Beobachtung wird die Wirksamkeit laufend überprüft. Das Monitoring findet auch in angrenzenden, bisher nicht betroffenen Bereichen, statt.

Im Gebäude Hölderlinstr. 12 / Sigwartstr. 10 wurden diese Maßnahmen bereits durchgeführt. In den betroffenen Gebäuden auf der Morgenstelle werden nun die Erfahrungen genutzt und ebenfalls entsprechende Maßnahmen ergriffen.

In Folgenden sind die einzelnen Maßnahmen genauer Beschrieben: 

Monitoring

Zum Monitoring werden kleine schwarze Kästchen mit innenliegenden Klebeflächen in den Bereichen verteilt. Diese werden regelmäßig überprüft. Ergänzend werden Sichtungen erfasst.

Ziel dieser Maßnahme ist die Überprüfung der Wirksamkeit der Bekämpfungsmaßnahmen und die Überwachung der Ausbreitung. Entsprechend der Ergebnisse des Monitorings werden zukünftige Maßnahmen geplant. 

Staubsaugen

Mit extra für diesen Zweck beschafften Industriestaubsaugern können die Spinnen einfach entfernt werden. Lebende Spinnen werden durch die hohe Leistung meist direkt getötet. Die Staubsauger können von jeder Person genutzt werden. Sie wirkt aber nur im Moment, nicht nachhaltig.

Die Staubsauger können an folgenden Standorten ausgeliehen werden:  

  • A-Bau: CZI Metallwerkstatt im H-Bau, Ebene 1 (Raum C22. Ausleihe: Mo – Do 7:30 bis 15:30 und Fr. 7:30 bis 12:00)
  • B-Bau: Ebene 1, „Mülllager“ (Raum B1E04)
  • E-Bau: Ebene 10, Lagerraum (Raum P26)
  • F-Bau/Isopenlabor: Ebene 2 (Raum 2J16. Nur für den Kontrollbereich - für den Einsatz in den anderen Gebäudebereichen im F-Bau bitte auf andere Geräte ausweichen)
  • Hörsaalzentrum Morgenstelle: Hausmeisterei (Raum 2E05)
  • ZMBP: Ebene 2, Werkstatt (Raum 2P19)
  • Hölderlinstr. 12: UG Technikraum (S114) und DG EDV-Raum (S552A) 

Neue Staubsaugerbeutel können in der Gebäudetechnik-Werkstatt (E-Bau, 7A11) abgeholt bzw. angefragt werden. Volle Staubsaugerbeutel entsorgen Sie bitte über den Wertstoffhof (Abfallschlüsselnummer 180104). 

Sonderreinigung

Die Sonderreinigungen entfernen Spinnen, Spinnenweben, entziehen ihnen die Nahrung und erhöhen die Wirkung der im gereinigten Bereich aufgetragenen Mittel. Bei der Reinigung werden vor allem Ecken, Ritzen und Bereiche, die bei der Unterhaltsreinigung wenig berücksichtigt werden, gereinigt.

Die Reinigung findet in allen betroffenen Bereichen statt: in Fluren, Treppenhäuser, Büros, Labore, Werkstätten, Lager und Technikräume. Die Bereiche sollten zur Reinigung von den Nutzenden möglichst frei von Gegenständen und Möbeln gehalten werden, um eine gute und einfache Reinigung zu ermöglichen. 

Trockendampfverfahren

Bei dieser Maßnahme werden die Spinnen und deren Eier gezielt mit trockenem Heißdampf (180 °C) bekämpft. Der Heißdampf zerstört die Eier. Die Spinnen in all ihren Stadien werden durch den Wärmeschock in wenigen Sekunden getötet.

Dabei kommt keine Chemie zum Einsatz. Das Trockendampfverfahren kann somit fasst überall eingesetzt werden. Nachteil ist, dass dies nur in dem Moment wirkt.

Sprühauftrag mit kontaktinsektizidem Silikatpulver

Diese Methode bekämpft die Spinnen gezielt mit Silikatpulver (auch Kieselgur, Diatomeenerde). Das Pulver wirkt rein physikalisch: Es tötet Spinnen und Insekten durch Austrocknung, indem es deren schützenden Wachschicht absorbiert. ohne die die Tiere innerhalb weniger Tage austrocknen und sterben. Das Pulver kann unbedenklich fast überall angewendet werden und hat eine lange Wirksamkeit. Aufgescheuchte Tiere können aber noch mehrere Stunden bis Tage herumlaufen.

Eingesetzte Mittel: „Aco.spray SI Plus“ und „GreenRange DE“ (Sicherheitsdatenblätter sind bei der Abteilung Arbeitssicherheit abrufbar)

Hinweise zu den Mitteln: Beide Mittel enthalten Stoffe, die sensibilisierend bezüglich Haut-Allergenen sein können. Das ist allerdings in erster Linie für die Anwender relevant. Durch die lange Zeit zwischen Anwendung und der erneuten Nutzung der Räume ist das Risiko extrem gering.

Spritzbehandlung mit Insektizid / Akarizid

Bei der Spritzbehandlung wird ein Insektizid gezielt aufgetragen. Die Mittel haben ein breites Wirkungsspektrum gegen Insekten und Spinnen. Es werden gezielt Bereiche behandelt, in denen die Spinnen sind und Flächen, auf denen sie sich bewegen. Die Anwendung findet nur in betroffenen, weniger sensiblen Bereichen wie Fluren, Treppenhäuser, Lagerräumen oder Technikräumen statt. Die Mittel wirken sofort und sehr lange. Nachteile sind der etwas höherer Aufwand bei der Anwendung durch Schutzmaßnahmen und anschließenden Nutzungspause der Räume.

Eingesetzte Mittel: „Fendona 60 EC plus G“ und „Detmol-mic“ (Sicherheitsdatenblätter sind bei der Abteilung Arbeitssicherheit abrufbar)

Hinweise zu den Mitteln: Die behandelten Flächen sollten nicht berührt werden. Zum einen sinkt dadurch die Wirksamkeit, zum anderen kann „Fendona 60 EC plus G“ bei Kontakt allergische Hautreaktionen verursachen. Da das Mittel in die Ecken und Kanten, teils in Fugen, Ritzen und auf Fußleisten der Räume aufgetragen wird, ist bei normaler Verwendung der Räume kein Kontakt denkbar.

Beide Mittel sind für den Einsatz im privaten, gewerblichen und öffentlichen Bereich geeignet. Sie beinhalten ein synthetisches Insektizid aus der Gruppe der Pyrethroide. Diese sind extrem schnell wirksame Kontakt- / Fraßgifte und lähmen das Nervensystem der Spinnen, was zum sofortigen „Knockdown“ führt. Pyrethroiden wird eine hohe Langzeitstabilität zugesprochen. Daher werden die Mittel gezielt in Bereichen angewendet, in denen viele Spinnen gesichtet wurden.

Wirkstoffe von „Fendona 60 EC plus G“: Alpha-Cypermethrin, Chrysanthemum cinerariaefoliu m-Extrakt aus offenen und reifen Tanacetum-cinerariifolium-Blüten, Geraniol.

Wirkstoffe von „Detmol-mic“: 1R-trans-Phenothrin und Prallethrin. 

Besteht die Gefahr, dass sich die Spinne in Tübingen ausbreitet?

Diese Gefahr ist äußerst gering. Die Spinne wird von Experten als nicht ausbreitungsfreudig eingeschätzt. Zudem ist das Klima in Deutschland zu kalt für die Tiere. Eine Ausbreitung, wie sie bei der Nosferatuspinne zu beobachten war, ist daher nicht zu erwarten.

In einem Gebäude, in dem ich mich aufhalte, wurde die Spinne nachgewiesen. Auf was muss ich achten?

Eventuelle Sorgen und Bedenken sind verständlich. Sollten Sie sich unsicher fühlen, wenden Sie sich an Ihren Vorgesetzten bzw. Ihre Dozentin oder Ihren Dozenten. 

Zur Einschätzung der Situation lohnt ein Blick nach Südamerika. Ähnlich wie in Deutschland die Zitterspinne, ist Loxosceles laeta in einigen Ländern Südamerikas eine recht übliche Haushaltsspinne. Sie lebt dort dicht mit den Menschen zusammen. Eine Gefahr geht von der Spinne nur dann aus, wenn sie gequetscht wird. Meist geschieht das, wenn sich die Spinne in herumliegender Kleidung oder Schuhen versteckt, die dann angelegt werden. 

Besondere Vorsicht ist bei Materialtransporten aus den betroffenen Bereichen geboten. Hier besteht die Gefahr einer Verschleppung, daher müssen die Transporte vorher kontrolliert werden. 
Muster für Betriebsanweisungen und den allgemeinen Aushang finden Sie auf der Webseite der Abteilung Arbeitssicherheit. 

Was muss ich tun, wenn ich in von der Spinne besiedelten Räumen tätig bin?

Mitarbeitende und Fremdfirmen sind aufgerufen, keine Kleidung oder Arbeitsschutzausrüstung (Handschuhe, Atemschutz) in betroffenen Bereichen zu lagern oder zumindest vor dem Anziehen genau zu prüfen und abzuklopfen. In dunkle Bereiche, Nischen und Schubladen sollte nicht unbedacht gegriffen werden, sondern die Bereiche zuvor geprüft werden. Fugen und kleine Öffnungen werden geprüft und gegebenenfalls verschlossen, um Rückzugsorte für die Spinne zu reduzieren.

Für bestimmte Tätigkeiten in den betroffenen Räumen müssen Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden. Verantwortlich dafür sind die jeweiligen Führungskräfte. Informationen und Vorlagen dazu finden Sie auf der Webseite der Abteilung Arbeitssicherheit.

Die Informationen sind auch relevant, wenn Dienstleistungsunternehmen in den betroffenen Bereichen Tätigkeiten in Ihrem Auftrag ausführen.

Ich habe eine verdächtige Spinne gesichtet. Wo soll ich das melden?

Für Spinnensichtungen, bei denen es sich um die Chilenische Einsiedlerspinne handeln könnte, wurde die E-Mailadresse spinnespam prevention@zv.uni-tuebingen.de eingerichtet. Sollten Sie eine entsprechende Spinne gesehen haben, senden Sie uns bitte Fotos mit Ort und Zeitpunkt der Sichtung zu. Den Sichtungen wird umgehend nachgegangen. 

Die Abteilung Arbeitssicherheit stellt zudem nach Login Vorlagen auf der Website unter "Unterweisungen - Betriebsanweisungen" zur Verfügung, die auch für Dienstleister relevant sein können.