Julian Spohn M.A.
Thema der Dissertation: »Das mittellatènezeitliche Prunkgrab von Sinsheim-Dühren (Rhein-Neckar-Kreis) und seine Stellung im spätkeltischen Besiedlungsbild des unteren Neckarraumes«.
Kurze Inhaltsangabe: Das bereits seit 1865 bekannte und in die ausgehende Mittellatènezeit (Lt C2) datierende Frauengrab von Sinsheim-Dühren nimmt unter den latènezeitlichen Bestattungen Mitteleuropas eine Sonderstellung ein. Das dort aufgefundene, ungewöhnlich reiche Objektensemble weist neben einem einheimischen Beigabenspektrum zahlreiche Objekte auf, die bezüglich ihres Formenschatzes und ihres ursprünglichen Verwendungszwecks im Grabkontext in den italischen Raum verweisen (u. a. Bronzegefäße, Spiegel, Glasspielsteine) und in bislang einzigartiger Weise die Rezeption ursprünglich fremder Beigabesitten wiedergeben. Bemerkenswert ist zudem die Lage des Grabes im Randbereich einer spätkeltischen Wall-Graben-Anlage (Viereckschanze). Im Rahmen der Dissertation wird erstmals eine umfassende Analyse des Grabinventars vorgenommen. Zudem widmet sich die Arbeit dem Forschungsdesiderat einer systematischen Aufnahme und Auswertung jüngerlatènezeitlicher Fundstellen des nördlichen Kraichgaus und angrenzender Landschaftseinheiten. Darauf aufbauend wird das Grab von Sinsheim-Dühren in einer regional und überregional vergleichenden Studie in seinem kultur- und sozialgeschichtlichen Kontext beleuchtet und somit auch ein Beitrag zur Erforschung der spätkeltischen Prunkgräbersitte geleistet.
Kurzer Lebenslauf:
- Geboren am 16.06.1975 in Pforzheim.
- 1996-2003: Studium der Fächer Ur- und Frühgeschichte (HF), Klassische Archäologie (NF) und Geologie (NF) an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen.
- Dez. 2003: Abschluss des Studiums (Magister Artium). Thema der Magisterarbeit: »Die Roteisensteinfunde der linearbandkeramischen Siedlung ›Auf dem Hempler‹ in Bad Nauheim – Nieder-Mörlen (Wetteraukreis)«.
- Seit Dez. 2005: Promotion am Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters der Universität Tübingen (gefördert durch ein zweijähriges Promotionsstipendium der Landesgraduiertenförderung Baden-Württemberg).
Besondere Qualifikationen:
Fremdsprachenkenntnisse: Englisch, Französisch, Grundkenntnisse Italienisch.
EDV-Kenntnisse: Textverarbeitung, Datenbanken (MS Access, FileMaker), Bildbearbeitung, Erstellung von Grafiken und Layout mit den gängigen Programmen.
Weitere Qualifikationen: Lehrtätigkeit, Leitung archäologischer Ausgrabungen, Erfahrung in Redaktionsarbeit, Erfahrungen im Museumsbereich (Führungen, Sonderausstellungen, Museumspädagogik)
Interessengebiete:
- Neolitikum in Mitteleuropa
- Eisenzeit in Mitteleuropa und im italischen Raum
- Bronze- und Eisenzeit Elbe-Weser-Raum
Mitarbeit bei Grabungen und Projekten:
Grabungen:
- 1996: Oppidum Heidengraben.
- 1997-1999: linearbandkeramische Siedlung ›Hempler‹ in Bad Nauheim–Nieder-Mörlen.
- 1999-2003: etruskische Küstensiedlung Castellina del Marangone (Prov. Roma)).
- 2004: frühkeltische Siedlung Heuneburg, Bereich der Vorburg.
- seit 2002: bronzezeitliche Ringwallanlage ›Kirchhof‹ in Cuxhaven-Duhnen, seit 2004 örtliche Grabungsleitung.
Projekte:
- 1999-2001 studentische Hilfskraft, 2003-2006 geprüfte wissenschaftliche Hilfskraft im DFG-Forschungsprojekt ›Castellina del Marangone‹ (Mitarbeit bei: Grabungsauswertung, Redaktion Hauptpublikation, Erstellung Abbildungsteil Publikation) (s. auch: Grabungen). (www.uni-tuebingen.de//uni/aac/Welcome.html)
- Seit 2004 örtliche Grabungsleitung im kooperativen Forschungsprojekt ›Bronzezeitliche Ringwallanlage Cuxhaven-Duhnen‹ (Universität Tübingen / Arch. Denkmalpflege der Stadt Cuxhaven)(s. auch: Grabungen).
- 2009-2010: geprüfte wissenschaftliche Hilfskraft im DFG-Forschungsprojekt ›Neolithische Siedlungskammer Fajsz (Südungarn)‹.
Weitere Tätigkeiten:
- 1997-2009 und seit Mai 2010: Beschäftigt am Museum Schloss Hohentübingen (Führungen, Aufsicht, Mitarbeit bei Konzeption und/oder Realisierung von Sonderausstellungen).
- 1999-2005: Nebentätigkeit bei Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg als Denkmalführer in der Kloster- und Schlossanlage Tübingen-Bebenhausen.
- 2003-2008: Dozent am Leibniz Kolleg Tübingen.
- seit Dez. 2009: Vorsitzender des Tübinger Verein zur Förderung der Ur- und Frühgeschichtlichen Archäologie e. V. (TÜVA).
Vorträge:
2010:
- „Fremde Sitten – fremde Frauen?“ Neue Überlegungen zur Sitte der Münzbeigabe in latènezeitlichen Gräbern Mitteleuropas. Im Rahmen der Sitzung der AG Eisenzeit während der 80. Verbandstagung des West- und Süddeutschen Verbandes für Altertumsforschung, Nürnberg, 25.-29. Mai 2010.
2008:
- „Das Zentrum der Siedlung „Castellina del Marangone“ – eine diachrone Betrachtung des baulichen Bestandes. Im Rahmen von: „Neue Forschungen zu den Etruskern“. Forschungstagung Bonn, 7.-9. November 2008.
- „Das spätkeltische Prunkgrab von Sinsheim-Dühren – ein Zeugnis sozialer „Eliten“ am Unterlauf des Neckars?“ Im Rahmen der 3. Linzer Gespräche zur Interpretativen Eisenzeitarchäologie, Linz, 14.-16. November 2008.
2005:
- „Die Roteisensteinfunde der linearbandkeramischen Siedlung „Auf dem Hempler“ in Bad Nauheim – Nieder-Mörlen (Wetteraukreis)“ Im Rahmen von: „Erste Bauern in Hessen“. Forschungskolloquium zur Bandkeramik, Marburg, 15./16.April 2005.
Publikationen:
im Druck:
- J. Spohn, Das Zentrum der etruskischen Siedlung Castellina del Marangone – eine diachrone Betrachtung des baulichen Bestandes. In: A. Kieburg - A. Rieger (Hrsg.), Neue Forschungen zu den Etruskern. Akten des Kolloquiums Bonn 07.-09. November 2008 (im Druck).
2010:
- J. Spohn, Mehr als „nur“ ein altbekanntes Erdwerk. Archäologie in Deutschland H. 1, 2010, 68 f.
2009:
- J. Spohn, Das spätkeltische Prunkgrab von Sinsheim-Dühren – ein Zeugnis sozialer „Eliten“ am Unterlauf des Neckars? In: J. Leskovar, R. Karl (Hrsg.), Interpretierte Eisenzeiten. Fallstudien, Methoden, Theorie. Tagungsbeiträge der 3. Linzer Gespräche zur interpretativen Eisenzeitarchäologie. Studien zur Kulturgeschichte von Oberösterreich 22 (Linz 2009) 65-80.
- J. Spohn, Castellina del Marangone. Forschungen in etruskischer Küstensiedlung. Archäologie in Deutschland 2, 2009, 70 f.
2008:
- J. Spohn, Die Hämatitfunde der bandkeramischen Siedlung „Auf dem Hempler“ in Bad Nauheim–Nieder-Mörlen. Färbendes Felsgestein im Überfluss am Taunusrand. Hessenarchäologie 2007 (Stuttgart 2008) 28-31.
- J. Spohn, Bronzezeitliche Ringwallanlage in Cuxhaven-Duhnen. Archäologie in Deutschland H. 4, 2008, 44 f.
2006:
- J. Spohn, Die Roteisensteine der linearbandkeramischen Siedlung „Hempler“ in Bad Nauheim – Nieder-Mörlen. Ber. Komm. Arch. Landesforsch. Hessen 8, 2004/2005 (2006), 24-35.
2004:
- J. Spohn, Der Tod des Gaius Caesar. In: R. Wolters (Hrsg.), Der Tod des Gaius Caesar. Sonderausstellung vom 13.2.-27.6.2004, Museum Schloss Hohentübingen (Tübingen 2004) 32-40.
in Vorbereitung:
- U. Veit, A. Wendowski-Schünemann, J. Spohn, D. Seidensticker, Eisenzeitliche Grabhügel und Bestattungen im Umfeld der bronzezeitlichen Ringwallanlage am „Kirchhof“ in Cuxhaven-Duhnen, Niedersachsen. Vorbericht über die archäologischen und naturwissenschaftlichen Untersuchungen in den Jahren 2004 bis 2009 (in Vorbereitung).
- Mitarbeit bei: Der bronzezeitliche Ringwall „Am Kirchhof“ in Cuxhaven-Duhnen [und begleitende Bodendenkmäler]. Archäologische und naturwissenschaftliche Untersuchungen zur ur- und frühgeschichtlichen Besiedlung der Duhner Heide (in Vorbereitung).
- U. Kelp, M. Köder, M. Miller, J. Spohn, Areal B. In: F. Prayon (Hrsg.), Castellina del Marangone (Prov. Rom). Archäologische Forschungen in einer etruskischen Küstensiedlung (in Vorbereitung).
- J. Spohn, Areal G. Ebd.
- L. Simons, J. Spohn, Die spätbronze- und früheisenzeitliche Keramik der Siedlung Castellina del Marangone. Ebd.
- G. Gassmann, J. Spohn, Nachweise der spätbronze- und früheisenzeitlichen Metallverarbeitung in der Siedlung Castellina del Marangone. Ebd.
Email-Adresse: julian.spohnspam prevention@uni-tuebingen.de oder julian_spohnspam prevention@yahoo.de