International Center for Ethics in the Sciences and Humanities (IZEW)

Konzeption

Das Projekt orientiert sich an drei leitenden Vorstellungen, die problematische Aspekte der bislang üblichen Diskurs- oder Partizipationskonzepte zu beheben suchen:

Die Integration von Mikro- und Makrodiskursen

Der gesamtgesellschaftliche Makrodiskurs zu Biomedizin und Biotechnologie lagert auf einer Vielzahl von Mikrodiskursen im Rahmen der individuellen Lebenswelten der einzelnen Beteiligten auf. Dabei sind beide Ebenen sowohl hinsichtlich der Information über die Biotechnologie als auch hinsichtlich der Reflexion ihrer ethischen, rechtlichen und sozialen Aspekte häufig entkoppelt: Die gesamtgesellschaftliche Diskussion wirkt nicht unbedingt auf die individuelle Informations- und Reflexionskompetenz zurück, praxisinduzierte Information und Meinungsbildung finden keine Übersetzung in den öffentlichen Diskurs. Bei den bislang eingesetzten Diskursverfahren ist die Anschlussfähigkeit an die politische Umsetzung und die Übersetzung zum Entscheidungsträger nicht gut genug gewährleistet.

Die bisher entwickelten Diskursverfahren für SchülerInnen und Studierende folgen dieser Demarkationslinie: Entweder orientieren sie sich an aufwändigen Diskursverfahren wie z. B. Bürgerforen oder Konsensus-Konferenzen, die den gesamtgesellschaftlichen Meinungsbildungsprozess hervorheben, oder aber sie zielen im Rahmen von Urteilsbildungsmodellen vorrangig auf die individuelle Informations- und Reflexionskompetenz. In beiden Fällen droht Partizipation zu einem Planspiel zu werden, dessen Konsequenzen offen bleiben und das schlimmstenfalls die demotivierende Erfahrung vermittelt, dass Partizipation und gesellschaftliches Engagement folgenlos und beliebig sind. Die Zielebene der geplanten Diskursverfahren ist dagegen keine allgemeine, sondern eine konkrete Öffentlichkeit.

Konkrete Öffentlichkeit

Die geplanten Diskurs-Projekte an Schule und Hochschule sind in den Lebenswelten der SchülerInnen und Studierenden verankert, überschreiten diese aber zugleich in einen öffentlichen Raum hinein, in dem die Gestaltungsmöglichkeiten der SchülerInnen und Studierenden (noch) nachvollziehbar und konkret sind. Die Diskursverfahren sind dadurch gekennzeichnet, dass

Methodische Multidimensionalität

Hinsichtlich der Methodik trägt das Projekt der Tatsache Rechnung, dass sowohl beim Erwerb von Wissen als auch in Bezug auf die Urteilsbildung kognitive, emotionale und motivationale Komponenten mitwirken und dabei verschiedenen Entwicklungslogiken folgen. Diese Multidimensionalität wird in gängigen Diskursverfahren zumeist zuwenig berücksichtigt. Im Rahmen von zwei Projekt-Modulen sollen daher zwei komplementäre Diskursformen entwickelt bzw. umgesetzt werden, nämlich die reflexive Beratung und die Theaterpädagogik. Sie sind beide auf einer authentischen, mittleren Ebene angesiedelt, nehmen aber eine unterschiedliche Gewichtung der kognitiven, emotionalen und motivationalen Komponenten vor und tragen damit zu einer Anreicherung und Verbesserung von Diskursverfahren bei. Da Themen und Fragestellungen in beiden Modulen weitgehend vergleichbar sein sollen, erlaubt die Durchführung zweier unterschiedlich gewichteter Diskursformen im Rahmen eines gemeinsamen Projekts einen unmittelbaren Erfahrungsaustausch.