Das renommierte Literaturfestival “Hausacher LeseLenz” fand dieses Jahr zum 29. Mal unter dem Motto “W:andersprachen” statt. Und wir waren dabei.
Studierende des Tübinger Studio Literatur und Theater laden das dritte Mal zum Format der offenen Werkstattbühne ein. Inspiriert von Carmen Camachos Gedicht “Kittelschürzen reinigen und wegräumen” lasen wir nicht nur Texte aus dem Studio, sondern verfassten außerdem vor Ort mit allen Anwesenden einen kollektiven Text.
Für den diesjährigen LeseLenz (Motto: W:andersprachen) waren durch die Sprachen wandernde Texte zu folgendem Zitat gesucht:
"Arbeitsklamotten, Dessous, Hausmantel, Tränentuch: zweite Haut.
Persephones Überwurf
ist nicht
unbedingt flugtauglich
im April umhüllt er
die ganze Substanz der Hölle
glänzende Manschetten, tintenschwarze Kälte, abgewetzte Ellenbogen,
tote Morgenstunden, Kaffeesatz. Ein Fleck auf dem Revers
ohne zu wissen, woher. In den Hosensäcken Papiertaschentücher.
[…]
Das Ritual der Kore ist es, die Kittelschürze zu reinigen,
an der Wäscheleine die Auferstehung zu verkünden."
Aus: Carmen Camacho – Domizil der Worte, Einschreibung ins Deutsche von José F.A. Oliver, “Kittelschürzen reinigen und wegräumen”, S. 81
Diese Zeilen bildeten die Grundlage für die Texte der Studierenden. Dabei war es ihnen vollkommen freigestellt, wie Sie diese Zeilen verwenden. Jo Dublasky, Lola Krumm, Saskia Feuerstein und Elisa Weinkötz präsentierten ihre Texte im Rahmen der Veranstaltung.
Welche Geschichten stecken zwischen den Fasern, in den Säumen und Innentaschen der Klamotten in deinem Gepäck? Welches Kleidungsstück trägt die Zermürbung der letzten Monate? Welche Text/ilien verkörpern welche Räume, Unter/Über/Zwischenwelten? Welches poetische Ritual verwandelt Verzweiflung in Zuversicht? Welche Form der Carearbeit erlaubt es, endlich anzukommen? Über-setzt Du vorsichtig oder fällst Du plötzlich aus dem Alltag? Oder geht es darum, in Bewegung zu geraten, Flugversuche zu starten, weiterzukommen?
Es gab wieder eine Writer's Corner mit Schreibgelegenheiten und einer Wahlurne, in der die Besucher*innen ihren Beitrag zum gemeinschaftlichen Text hinterlegen konnten. Das Ergebnis wurde noch während des LeseLenz als Zine umgesetzt.
Moderiert wurde die Veranstaltung von Mirek Heissenbüttel.
Wir danken José Oliver für sein Zutrauen und seine Unterstützung.