Institut für Medienwissenschaft

Dr. Helena Atteneder

Helena Atteneder ist Akademische Rätin a. Z. am Lehrstuhl „Digitalisierung und gesellschaftliche Verantwortung“

Universität Tübingen
Medienwissenschaft
Wilhelmstraße 50
72074 Tübingen
Raum 129a

 +49 7071 29-77312
helena.attenederspam prevention@uni-tuebingen.de 
 

Sprechstunde

Sprechstundentermine können immer dienstags, 13:00 bis 14:00 Uhr wahrgenommen werden und finden derzeit ausschließlich digital statt. Bitte melden Sie sich vorab per Mail bei mir an und senden Sie mir eine Skizze Ihres Anliegens.


Aktuelles

Privatsphäre und Datenschutz in der Corona-Pandemie


In der Lehrredaktion „Post-Corona – Post- Privacy?“ schreiben Bachelorstudierende des Instituts für Medienwissenschaft zu aktuellen Themen der Pandemie. Im Zentrum steht die Frage, inwieweit die Corona-Pandemie das Verständnis von Privatsphäre und Datensicherheit nachhaltig verändert. Die Beiträge der Studierenden werden in Form von Science-Blog Posts verfasst, nachdem die Spezifika dieser speziellen Form des Bloggings erarbeitet sowie die wichtigsten rechtlichen Aspekte und technische Basics geklärt worden sind.

Die Bausteine des Bloggings vermittelt die LV-Leiterin Helena Atteneder in Kooperation mit Bernhard Collini-Nocker von der Universität Salzburg (Computerwissenschaft). Ziel ist der Wissensaustausch, zwischen den beiden Studierendengruppen. Die Salzburger Informatikstudierenden stellen eine virtuelle Maschine (oracle virtual box), also quasi einen simulierten Computer mit vorinstalliertem OS-Betriebssystem, Webserver und WordPress zur Verfügung, der es den Tübinger Studierenden erlaubt, sich die Grundlagen von WordPress in einer sicheren Umgebung („WordPress Sandkiste“) anzueignen. Im Gegenzug erstellen die Tübinger Studierenden einen Leitfaden zur speziellen Form des Science Bloggings, zu Science Storytelling und den rechtlichen Aspekten, der mit den Salzburger KollegInnen geteilt wird. Auf diese Weise lernen die Studierenden sowohl technisches Know-How zum Bloggen kennen wie bspw. verschiedene Formen von Hosting und Grundlagen zu CMS, als auch die relevanten rechtlichen Voraussetzungen und verschiedene stilistische Formen. Zudem können sie das Gelernte direkt umsetzen. Das Ergebnis ist hier zu sehen. Die Beiträge werden im Laufe des Semesters noch weiter ergänzt.

Geht ohne Geomedien gar nichts mehr? Geomediatisierung als ideologisches Konstrukt.

Pablo Abend und Helena Atteneder versammeln im Beitrag zu „Geomediatisierung“ aktuelle Forschungsperspektiven rund um die ideologiebasierte Normalisierung von Geomedientechnologien. Der Handbuchbeitrag erscheint in Kürze im „Handbuch Digitale Geographien. Welt – Wissen - Werkzeuge“. 

Geodaten gelten als zentraler Selektor der “Geospatial Industry”, werden aber auch für eine immer größere Bandbreite an internet- und cloudbasierten Produkten und Diensten als unerlässlich wahrgenommen, indem sie bspw. für die reibungslose Funktionsweise personalisierter Services verantwortlich sind. Das Konzept der Geomediatisierung beleuchtet diese Prozesse aus kritisch-dialektischer Perspektive, indem die Durchdringung sämtlicher Lebensbereiche mit Geomedientechnologien und deren wahrgenommene Unerlässlichkeit als ideologiebesetztes, diskursives Konstrukt entlarvt wird. Dieser Blickwinkel wirft Fragen danach auf, welche Akteure die Deutungsmacht haben, Technologieentwicklung unter welchen Prämissen voranzutreiben und die entsprechenden dominanten ‘Erzählungen’ zu setzen. 

Das Handbuch ist aus dem deutschsprachigen, DFG-geförderten Forschungsnetzwerk „Digitale Geographien“ heraus entstanden, wird von Tabea Bork-Hüffer, Henning Füller und Till Straube herausgegeben und beleuchtet Fragen zu digitalisierten gesellschaftlichen Räumen aus geographischer sowie kommunikations- und medienwissenschaftlicher Perspektive. Auf der „Geomedia 2021“ zum Thema „Off the Grid“ wurde das „Handbuch Digitale Geographien. Welt – Wissen - Werkzeuge“ bereits präsentiert.

Wie verändern die Algorithmen hinter Geomedientechnologien unsere soziale Mobilität und Prozesse der sozialen und räumlichen Reproduktion?


Diese und ähnliche Fragestellungen wurden auf der “Geomedia2021” - Konferenz diskutiert, an der Helena Atteneder aktiv beteiligt war. 

In einem Vortrag zu „Contested urban places: The Andräviertel in Salzburg“ (gemeinsam mit Christine Lohmeier und Michaela Jahn von der Universität Salzburg) wurden Forschungsergebnisse präsentiert, die die Rolle von Geomedientechnologien in größeren Prozessen der sozialen und räumlichen Reproduktion in dem Salzburger Stadtteil beleuchten. Geomedien verweisen auf die Beziehung zwischen Raum und Medien(technologien) und damit auf eine veränderte Raumwahrnehmung und –aneignung. Raumaneignung meint in diesem Zusammenhang die Handlungsmacht, Räume und Orte entsprechend der eigenen Interessen mit Bedeutung aufzuladen. 
Im Salzburger Andräviertel können verschiedene Interessensgruppen mit teilweise konflikthaften Zielen identifiziert werden. Während Vertreter*innen des "Andräviertels" versuchen, seine Identität für alternative Tourismusformen zu fördern, um einen Kontrapunkt zum Massentourismus zu setzen und Einzigartigkeit und Authentizität zu bewahren, interessieren sich auch immer mehr Bauträger und einkommensstarke Immobilienkäufer für diesen Teil Salzburgs, der mit steigenden Immobilienpreisen und verschärfter Konkurrenz um Arbeits- und Wohnraum zu kämpfen hat.

Mit dem Titel „The algorithms behind geomedia technologies: a field between movement and social mobility“ stellte der Beitrag von Inga Gryl (Universität Duisburg-Essen) und Helena Atteneder einen theoretischen Rahmen zur Diskussion, der verschiedene Algorithmen-induzierte „Mobilitätsformen“ thematisiert, die technologisch gesprochen auf Geodaten basieren und von einfachen Bewegungsmustern bis zu komplexen Formen sozialer Mobilität reichen. Zentraler Ausgangspunkt war ein Verständnis von auf Geodaten basierenden Algorithmen als sozio-technologisches Phänomen, das einen kritischen Blick auf eingeschränkte Handlungsmacht, Benachteiligung und Ungleichheiten ermöglichte.
 
Geomedia“ bietet eine interdisziplinäre Plattform für Forschung an der Schnittstelle von Geographie und Medien- und Kommunikationswissenschaft. Ziel der Tagungsreihe ist es, das aktuelle Terrain der mediengeographischen Forschung bzw. Geomedia Studies abzustecken, ihre wichtigsten Diskussionspunkte aufzuzeigen und als stärker formalisiertes akademisches Feld zu bewerten. Die Konferenz wurde organisiert von dem DFG-Graduiertenkolleg Locating Media, dem Sonderforschungsbereich „Medien der Kooperation“ und dem Institut für Medienforschung der Universität Siegen in enger Zusammenarbeit mit der „Geomedia Research Group“ des Fachbereichs „Geography, Media and Communication“ der Karlstad University in Schweden. Das vollständige Programm und das Book of Abstracts können hier eingesehen werden.


Profil

Zu den Forschungsschwerpunkten von Helena Atteneder zählen Theorien zu Raum/Ort, Medien und Macht, sowie kritisch-dialektische Perspektiven auf Geomedien und Medientechnologien. Bezogen auf Phänomene der Al­go­rith­misierung und Datafizierung und im Speziellen der ubiquitären Geodatenerfassung, stehen in ihrer Forschung die damit verbundenen sowohl autonomie-, als auch über­wachungs­fördernden Tendenzen im Fokus, sowie Aspekte von Datenschutz und Privatsphäre („Geoprivacy“). 
Sie befasst sich zudem mit Ungleichheits- und Stereo­typenforschung aus medien- und kommunikations­wissens­chaftlicher Perspektive.

Curriculum Vitae

Helena Atteneder hat an der Universität Salzburg Kommunikationswissenschaft studiert und ihre Magisterarbeit, zum Thema Alter/Generation/Stereotype verfasst. Die Arbeit wurde mit dem GAM-Nachwuchspreis ausgezeichnet und im kopaed Verlag veröffentlicht. 

Danach war sie von 2013 bis 2015 am IFFB_Geoinformatik an der Universität Salzburg tätig, hatte anschließend eine Promotionsstelle am Fachbereich Kommunikationswissenschaft (Center for ICT&S) inne und dort ihr Doktorat mit der Arbeit: „Geomedia (re)thinking the dialectics of space/place and media. Veränderte Machtverhältnisse in geomediatized worlds.“ abgeschlossen. Ihre Dissertation leistet einen aktuellen Beitrag zur Verknüpfung sozialgeografischer und kommunikationswissenschaftlicher Theorie in Bezug auf Informations- und Kommunikationstechnologien und etabliert Geomedia Studies im deutschsprachigen Raum. Für ihre Forschungsprojekte war Helena Atteneder im April 2017 als Gastforscherin an der Fudan University in Shanghai und der Beijing Foreign Studies University tätig und für einen 6-wöchigen Forschungsaufenthalt im April/Mai 2019 in Karlstad (Schweden) am „Department of Geography, Media and Communication“. Dort konnte sie sich insbesondere mit der „Geomedia Research Group“ vernetzen und austauschen.

Zuletzt war Sie als Lektorin am Fachbereich Kommunikationswissenschaft in Salzburg tätig und zudem wissenschaftliche Projektmitarbeiterin an der Universität Duisburg-Essen. Das BMBF-geförderte Projekt „DiGeo - Generalisierbarkeit und Transferierbarkeit digitaler Fachkonzepte am Beispiel mündiger digitaler Geomediennutzung in der Lehrkräftebildung“ hat die Entwicklung und anwendungsbezogene Beforschung eines digitalen Fachkonzeptes zum Kompetenzaufbau zur mündigen Nutzung digitaler Geomedien zum Ziel. Am Standort Duisburg-Essen war Helena Atteneder bis zuletzt für das Teilprojekt zu Reflexion/Reflexivität als Teil eines reflektiert-kritischen Umgangs mit Geomedien verantwortlich.

Die wichtigsten Publikationen

  • Abend, Pablo/Atteneder, Helena (2021): Geomedien. In: Bork-Hoffer, Tabea/Füller, Henning/Straube, Till (Hrsg.): Handbuch Digitale Geographien: Welt – Wissen – Werkzeuge. Stuttgart: utb, S. *in print*.
  • Atteneder, Helena/Collini-Nocker, Bernhard (2020): Under control: Audio/Video Conferencing Systems Feed “Surveillance Capitalism“ with Students’ Data. In: Proceedings of the 13th CMI Conference on Cybersecurity and Privacy (CMI) - Digital Transformation - Potentials and Challenges, S. 1-7. DOI: 10.1109/CMI51275.2020.9322736
  • Atteneder, Helena/Herdin, Thomas (2020): The role of geomedia in building intercultural competence - A qualitative case study within the context of a student exchange program between Austria, Germany and China. In: KOME − An International Journal of Pure Communication Inquiry 8 (2), S. 1–22. DOI: 10.17646/KOME.75672.54.
  • Atteneder, Helena/Collini-Nocker, Bernhard/Jekel, Thomas (2019): „…ich habe ja nichts zu verbergen!“ Zwischen ubiquitärer Geodatenerfassung als Geschäftsmodell und individuell-kontextuellem Geoprivacymanagement. In: GW-Unterricht 154 (2), S. 21–34. DOI: 10.1553/gw-unterricht154s21.
  • Thiele, Martina/Atteneder, Helena (2019): Zu jung, um alt zu sein? „Best Ager“ in Journalismus und Werbung. In: Dimitriou, Minas (Hrsg.): Der Körper in der Postmoderne – zwischen Entkörperlichung und Körperwahn. Wiesbaden: Springer VS, S. 169–183.
  • Steinmaurer, Thomas/Atteneder, Helena (2019): Permanent Connectivity: From Modes of Restrictions to Strategies of Resistance. In: Eberwein, Tobias/Karmasin, Matthias/Krotz, Friedrich/Rath, Matthias (Hrsg.): Responsibility and Resistance: Ethics in Mediatized Worlds. Wiesbaden: Springer, S. 107–117.
  • Atteneder, Helena/Collini-Nocker, Bernhard (2018): Geomedia and privacy in context. Paradoxical behaviour or the unwitting sharing of geodata with digital platforms? In: Mediatization Studies 2, S. 17–48. DOI: 10.17951/ms.2018.1.2.17-48. 
  • Atteneder, Helena (2018): Geomedia. Manifestations of Power as Mediatized Communication Practices – A Foucauldian Approach. In: GI_Forum - Journal for Geographic Information Science 2018 (2), S. 103–118. DOI: 10.1553/giscience2018_02_s103.
  • Atteneder, Helena (2017): Mediale Konstruktionen von Alter und Generation. Erkenntnisse einer transdisziplinären Stereotypenforschung. München, kopaed. http://www.kopaed.de/kopaedshop/?pid=1073
  • Atteneder, Helena/Peil, Corinna/Maier-Rabler, Ursula/Steinmaurer, Thomas (2017): Digitale Resilienz und soziale Verantwortung. Überlegungen zur Entwicklung eines Konzepts. In: Medien Journal 41 (1), S. 48–55. DOI: 10.24989/medienjournal.v41i1.349.

Vollständige Publikationsliste Stand Juli 2021