Uni-Tübingen

A1

Probabilistische Inferenz von Common Ground

Unter Zuhilfenahme von Erkenntnissen und Werkzeugen der Kognitionswissenschaft zielt dieses Projekt darauf ab, die Lücke zwischen nützlichen, aber unrealistischen CG-Modellen und aktuellen Modellen menschlicher Informationsverabeitung aus der Psychologie zu schließen, um zu einem kognitiv plausiblen Modell zu gelangen, wie Menschen CG darstellen und darüber (logisch) nachdenken. CG-Theorien, die unplausible Annahmen treffen—wie beispielsweise mentale Repräsentationen von rekursive-eingebetteten mentalen Zuständen,—sind zwar ausdrucksstark, aber es ist unklar, wie sie von Menschen umgesetzt werden könnten. Stattdessen untersuchen wir minimale, ressourcenrationale Modelle, die Einschränkungen der menschlichen Kognition (z. B. Gedächtnis, Unwissenheit) als Ausgangspunkt nehmen, um dann Erkenntnisse über Konversationsdynamiken, die CG liefert, darin umzusetzen. Unser Ziel ist es, ein kognitiv plausibles Modell eines einzelnen Akteurs zu entwickeln, der effiziente Heuristiken und bayesianische Pragmatik verwendet, um Schlussfolgerungen über andere Akteure und den Stand der Diskussion zu ziehen, d. h. was (aktuell) CG ist. Wir planen außerdem die Entwicklung von Modellen für Fälle, in denen da Akteure, die mit widersprüchlichen Informationen konfrontiert sind, ihre internen Modelle überarbeiten müssen, in Übereinstimmung mit der Forschung zur metakognitiven Kontrolle. 
Darüber hinaus umfasst unser Projekt empirische Untersuchungen darüber, wie Menschen CG-Informationen nutzen. Anhand einer Attributionsaufgabe untersuchen wir, welche mentalen und dispositionellen Zustände ein Beobachter einem Sprecher zuschreibt. Auf diese Weise können wir beurteilen, welche Überzeugungen oder Verpflichtungen tatsächlich mit dem CG-Status korrelieren (und erhalten so Informationen über die Kernkomponenten von CG) und wie sich diese je nach Informationskodierung unterscheiden könnten (z.B. ob Inhalte explizit oder implizit, oder at-issue vs. not-at-issue bereitgestellt wurden). Anhand einer Rekrutierungsaufgabe, die die Interpretation indirekter Antworten auf polare Fragen untersucht, erforschen wir, welche Informationen aus dem CG Hörer bei der Auflösung von Unsicherheiten nutzen. Dies ermöglicht einen Einblick darin, ob alle Informationen in CG gleich behandelt werden (entsprechend einem echten „Bag of Worlds“-Modell) oder ob Hörer zwischen verschiedenen Informationsquellen oder -status unterscheiden (und somit Repräsentationen davon speichern). Beide Aufgaben tragen zur Entwicklung einer zuverlässigen Diagnose von CG-Status bei. 
 

Mitarbeitende