Abschätzung der Folgen der LinkedIn-Nutzung durch den Exzellenzcluster TERRA
Eine Datenschutzfolgenabschätzung ist nach der allgemeinen Regel des Art. 35 Abs. 1 der Europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) dann vorzunehmen, wenn eine Form der Verarbeitung, insbesondere bei Verwendung neuer Technologien, aufgrund der Art, des Umfangs, der Umstände und der Zwecke der Verarbeitung voraussichtlich ein hohes Risiko für die Rechte und Freiheiten natürlicher Personen zur Folge hat.
Die Richtlinie des LfDI zur Nutzung von sozialen Netzwerken durch öffentliche Stellen macht die Abschätzung der Folgen der vorgesehenen Verarbeitungsvorgänge für den Schutz personenbezogener Daten im Sinne der DSGVO zur Pflicht.
Das LinkedIn-Angebot des Exzellenzclusters TERRA selbst löst diese Folge aufgrund des nur sehr geringen Umfangs seiner eigenen Datenverarbeitung nicht aus, insbesondere im Hinblick darauf, dass es sich bei seinen Beiträgen hauptsächlich um ein reines Senden von Inhalten ohne Personenbezug handelt. Bei einem Bezug zu anderen LinkedIn-Nutzer/innen werden nur die Daten verarbeitet, die diese selbst und freiwillig angegeben haben (da es sich bei LinkedIn um ein Karrierenetzwerk handelt, sind neben dem Nutzernamen und Beiträgen häufig auch Informationen zu Arbeitgeber und Position zu finden).
Jedoch stellt aus Sicht des Exzellenzclusters TERRA die LinkedIn-Nutzung an sich aufgrund ihrer weitreichenden Auswirkungen, insbesondere hinsichtlich der Auswertung der Daten durch LinkedIn zu Werbezwecken u. Ä., eine Verarbeitung mit einem hohen Risiko dar, für die eine Datenschutzfolgenabschätzung (durch LinkedIn) vorzunehmen ist.
Denn durch die Nutzung eines LinkedIn-Accounts begibt sich der/die jeweilige Nutzer/in unter die systematische Beobachtung durch LinkedIn. Hierbei können auch sensitive Daten wie politische Einstellungen, die sexuelle Orientierung oder gesundheitliche Probleme offenbart werden, die miteinander verknüpft und zur Erstellung eines Persönlichkeitsprofils verwendet werden können. Auch besonders schutzwürdige Personen wie etwa Jugendliche können LinkedIn-Nutzer/innen und damit Betroffene sein, wobei diese naturgemäß eher nicht zur LinkedIn-Zielgruppe gehören, auch wenn eine offizielle Anmeldung bereits ab 16 Jahren erlaubt ist.
Selbst beim bloßen passiven Mitlesen von LinkedIn ohne eigenen Account können durch die Erhebung von Log-Daten sensible Daten erhoben werden, etwa durch die vorher besuchten Webseiten oder die Standortdaten des Nutzers/der Nutzerin.
Dies gilt umso mehr, als dass LinkedIn nicht oder nur eingeschränkt überprüft werden kann. Da die Daten deutscher Nutzer/innen nicht innerhalb Deutschlands, sondern im nichteuropäischen Ausland verarbeitet werden, bestehen höhere Hürden für den Zugang zu (gerichtlichem) Rechtsschutz als bei einem in Deutschland ansässigen Unternehmen.
Der Exzellenzcluster TERRA geht insofern davon aus, dass öffentliche Einrichtungen, die ein soziales Netzwerk zur Öffentlichkeitsarbeit und zur Bereitstellung allgemeiner Informationen nutzen, eine Mitverantwortung tragen. Mitverantwortung bedeutet dabei nicht, dass TERRA die Datenschutzkonformität der Produkte von LinkedIn bestätigt oder garantiert.
Auf die Risiken, die generell mit der Nutzung sozialer Medien einhergehen, werden die Nutzer/innen in der Datenschutzerklärung des LinkedIn-Profils von TERRA hingewiesen. Zu entsprechenden Maßnahmen hat sich der Exzellenzcluster TERRA in seinem Nutzungskonzept verpflichtet. Vor- und Nachteile der LinkedIn-Nutzung werden danach einmal jährlich unter Einbeziehung der Nutzungsbedingungen von LinkedIn evaluiert.
Die LinkedIn-Nutzung ist damit in ein Maßnahmenpaket eingebettet. Die Abschätzung der Folgen der LinkedIn-Nutzung des Exzellenzclusters TERRA stellt sich vor diesem Hintergrund wie folgt dar:
1. Risikoidentifikation
Die eingangs beschriebenen Risiken, die mit einer Nutzung von LinkedIn einhergehen, bestehen grundsätzlich unabhängig von der eigenen LinkedIn-Nutzung des Exzellenzclusters TERRA. Auch wird durch die Beiträge von TERRA selbst in der überwiegenden Zahl der Fälle kein Bezug zu personenbezogenen Daten hergestellt, sondern es werden eigene, sachbezogene Inhalte verbreitet.
Schließlich sind die Daten, die durch die Interaktion mit dem LinkedIn-Account von TERRA oder anderen Accounts verarbeitet werden – nämlich die Beiträge oder/und der Accountname eines LinkedIn-Nutzers – schon öffentlich, allgemein zugänglich und frei im Internet verfügbar.
Jedoch werden sie durch das Erscheinen auf der LinkedIn-Seite von TERRA und die Wechselbeziehung einer breiteren, spezifischeren Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt und erreichen so unter Umständen eine größere Aufmerksamkeit und weitere Verbreitung als ohne diese Interaktion. Auch dadurch, dass TERRA anderen Accounts folgt oder diese TERRA folgen, entstehen zusätzliche Querverbindungen und Informationen über den jeweiligen LinkedIn-Nutzer.
Durch die eigene LinkedIn-Nutzung erhöht TERRA also die Menge der Daten, die von LinkedIn verwendet und ausgewertet werden.
2. Risikoanalyse
Durch die Erweiterung des Verbreitungskreises und die Vergrößerung der Verknüpfungsmöglichkeiten wird die Verarbeitung der Daten für andere Zwecke durch LinkedIn und eine heimliche Profilbildung begünstigt. Auch kann die Offenheit für Besucherbeiträge zu nachteiligen gesellschaftlichen Folgen wie unangebrachten oder diskriminierenden Kommentaren oder der Verbreitung sensibler Daten führen, insbesondere auch in Bezug auf den aktuellen oder künftigen Arbeitsplatz und das berufliche Umfeld.
Mögen diese Schäden sich bei einer Verursachung durch LinkedIn selbst als wesentlich darstellen, so werden diese durch das LinkedIn-Profil von TERRA nur in sehr begrenztem Maße erhöht. Denn die Daten sind zu einem wesentlichen Teil schon für LinkedIn verfügbar. Insbesondere entsteht durch das Angebot von TERRA kein Zwang, einen LinkedIn-Account zu erstellen, da genügend alternative Kontakt- und Informationsmöglichkeiten zum Cluster bestehen.
Auch sind die Themen Wissenschaft, Forschung und Lehre nur in begrenztem Maß geeignet, hasserfüllte Debatten auszulösen, sodass auch insoweit die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Schadens nur sehr begrenzt ist.
3. Risikobewertung
Insgesamt ist das durch den LinkedIn-Account des Exzellenzclusters TERRA verursachte zusätzliche Risiko daher als gering bis mittel einzustufen.
Zudem ist die Durchführung von Abhilfemaßnahmen möglich, die das Risiko weiter senken. Ein Großteil dieser Maßnahmen liegt in der Sphäre des Nutzers: Der/die Nutzer/in kann sich durch verschiedene Einstellungen bis zu einem gewissen Grad schützen, etwa durch das Löschen seines Browserverlaufs, das Deaktivieren von Cookies oder die fehlende Standortfreigabe bei der Verwendung von Fotos.
Bezüglich besonders schutzwürdiger Personen wie etwa Jugendlichen lässt sich erkennen, dass diese in der Regel nicht zur LinkedIn-Zielgruppe gehören. LinkedIn richtet sich als Karrierenetzwerk hauptsächlich an Fach- und Führungskräfte, die sich aus eigenem Antrieb miteinander vernetzen möchten und i. d. R. selbst zwischen dem beruflichen Nutzen des Dienstes und dem Schutz ihrer Daten abwägen können.
Es ist zu betonen, dass insbesondere bei Business-Netzwerken eine erhöhte Gefahr von Fake-Profilen und Identitätsdiebstählen besteht, da häufig auch das Geschäfts- und Berufsumfeld der LinkedIn-Nutzer/innen detailliert beschrieben ist. Nutzer/innen sollten daher besonders darauf hingewiesen werden, LinkedIn den Zugriff auf Adressbücher und weitere, auch externe Dienste zu untersagen und das automatische Versenden von E-Mail-Einladungen zu deaktivieren.
Als weitere Abhilfemaßnahme ermöglicht die kontinuierliche redaktionelle Betreuung ein Eingreifen bei ehr- oder persönlichkeitsverletzenden Kommentaren bis hin zur Sperrung des Accounts.
4. Ergebnis
Die LinkedIn-Nutzung durch den Exzellenzcluster TERRA ist angesichts der beschriebenen Risiken und verbindlich vorgesehenen Maßnahmen vertretbar. Der Exzellenzcluster TERRA verpflichtet sich, die weitere Entwicklung zu beobachten und die hier vorgenommene Prüfung regelmäßig zu wiederholen und gegebenenfalls fortzuentwickeln.
Kontakt
Exzellenzcluster TERRA
Geo- und Umweltforschungszentrum (GUZ)
Schnarrenbergstraße 94–96
72076 Tübingen