Demonstratia Aesthetica: Kunst, Ästhetik und Theologie im Wandel der Geschichte

Zeit: Do 11 - 13 Uhr

Ort : Hörsaal Theologicum

Beginn: 21.10.2010

Pflichtveranstaltung: Prüfungsstoff für Diplom- und Hauptprüfung sowie für das Staatsexamen.

Inhalt: Der Traktat „Demonstratio aesthetica“, den ich als neuen Traktat der Fundamentaltheologie eingeführt habe, greift ein Desiderat in der Forschung der theologischen Wissenschaften und in der Ausbildung von Theologinnen auf: die Auseinandersetzung mit Fragestellungen zum Verhältnis von Kunst und Religion, von Ästhetik und Theologie im Wandel der Geschichte.

Die Vorlesung will versuchen, Verständnis und Grundkenntnisse zu vermitteln für Problemfelder ästhetischer Zusammenhänge im Verhältnis von Kunst und Religion. Der immer wieder versuchte, freilich schwierige und spannungsvolle Dialog zwischen den Künsten und der Kirche verlangt gerade im „postmodernen Zeitalter der Ästhetik“ ein geschärftes Bewusstsein nicht nur für gegenwärtig aktuelle Ansätze und Konzepte moderner Kunsttheorie und Kunstpraxis; gerade die Diskrepanz von traditioneller Ästhetik und avantgardistischer Kunstwirklichkeit wird für das Verhältnis von Kunst und Religion erst nachvollziehbar und einsichtig, wenn man auch über einen gewissen Einblick und fundierte Kenntnisse verfügt, die das Spannungsfeld von Kunst und Kultur, Kunst und Kirche, Kunst und Ästhetik im wechselvollen Lauf der Geschichte verstehbar machen können.

Nicht zufällig scheint mir für eine Orientierung im Traktat der „Demonstratio aesthetica“ eine Parallele hilfreich zu sein, die man sehen könnte im traditionellen Verständnis der Philosophie als „ancilla theologiae“ und der Kunst als „ancilla theologiae“. Die historische Entwicklung von Philosophie und Kunst in ihrer untrennbaren Verbindung mit christlicher Kultur, Religion und Theologie bis in die frühe Neuzeit, ja Moderne sowie schließlich die Entfremdung von Kunst, Philosophie und Religion in säkularer Kultur der Moderne und Gegenwart bilden die Grundstruktur der Vorlesung.

Innerhalb dieses historischen Rahmens konzentrieren sich Ausgangspunkt und Fragestellung der Vorlesung auf die Thematik des alt. Bilderverbots, auf dessen philosophisches Pendant der Tradition Negativer Theologie sowie auf das in der gegenwärtigen Kunst und ästhetischen Theorie virulente Problemfeld des „internen Ikonoklasmus“ (Boehm). In methodischer Hinsicht wird der Weg vom Kultbild zum Kunstbild im Kontext christlicher Kultur (erster Teil) verfolgt, dann das Verhältnis von Kunst und Religion in der Moderne eingehend kunsttheoretisch und kunstgeschichtlich vorgestellt (zweiter Teil) und schließlich nach Zusammenhängen von Ikonoklasmus und Spiritualität in der modernen Kunst gefragt (dritter Teil).

Es ist das Ziel der Vorlesung, die ästhetische und theologische Dimension des Bilderverbots deutlich zu machen, eine Bedeutung, in der sich Vernunftkritik, Bildkritik und Religionskritik spiegeln. Leitfaden der Vorlesung bildet demnach das Grundproblem der Paradoxie der Darstellung des Nichtdarstellbaren in Kunst, Philosophie und Religion. Ein letzter Ausblick fragt nach Möglichkeiten interreligiöser Annäherungen, die anikonische Tendenzen in Kunst und Kultur des Islam und des ZEN-Buddhismus eröffnen können.