Uni-Tübingen

Der literarische Podcast - Von der Theorie zur Praxis


Podcasts haben nicht nur generell eine hohe (und stetig wachsende) Konjunktur in der medialen Öffentlichkeit, sondern sind zu einer der wirkmächtigsten Formen der gegenwärtigen Literaturvermittlung avanciert. Sie nehmen also mit weithin hörbarer Reichweite Teil an der Aushandlung dessen, was wir lesen sollen, wie wir lesen sollen, warum wir lesen sollten. Besonders adressiert sind dabei junge, medienaffine Rezipient:innen, deren literarische Bildung längst weniger durch ‚klassische‘ und mehr durch ‚neue‘ Formate der Literaturvermittlung geleistet wird.  

Im Rahmen des zweismestrigen Seminars haben wir die Rolle von Podcasts im literarischen Feld vermessen, eigene Podcasts konzipiert (was gibt es noch nicht?) und präsentierten unsere Ergebnisse auf einer Studierendentagung vom 05.-06.06.2025 in Marbach. 

Zu Gast waren: Ralf Schönfelder und Mario Osterland von “Blaubart & Ginster”, Ludwig Lohmann von “Blauschwarz Berlin” &  Romina Nikolić mit “Bücher in Asche”.

Dies war ein gemeinsames Projekt mit der Universität Stuttgart, dem Deutschen Literatur Archiv Marbach und der Universität Bamberg


"Blitzlichtgewitterzusammenfassung" von Carolin Callies 

Das Genre der Einschlafpodcats, Ingeborg Bachmann als Broadcasterin, „Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar“, Radio-Essays vs. Features, Montage vs. Plagiat, These: In klassischen Medien ist kaum Raum für Abweichung, Tipp: „Dear Reader“, Authentizität vs. Inszenierung, Kleists „Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken“, unterstützen Hosts die Autor:innen-Inszenierung? Tipp: „Schreiben & Schredern“ mit Marc-Uwe Kling, Fragen: Was ist Authentizität? Hat Daniel Kehlmann wirklich nichts zu verbergen?,“Fremdheit“ als interpretatorischer Maßstab und „Heimat“ als dynamischer Prozess, Frage: Gibt es depressive Sprachen?, die Tropes der „Dark Romance“ als Podcast-Format, „Ich würde das so nicht fühlen“, die Sehnsucht nach dem gelehrten Kulturgespräch, Tipp: „If books could kill“, Feststellung: In der Produktion will alles gestaltet sein, These: Ich finde Theorie sexy; „ästhetische Distanz als Übung“, der Zusammenhang zwischen dem Hausacher Protokoll und „Stoff aus Luft“, Subversion vs. Institution, die Prozesshaftigkeit bei Kittler, Tipp: „lies & das,“, die parasoziale Beziehung zum Host, Roland Barthes „Körnung der Stimme“, Tipp: „Kaulitz Hills“, man stellt es in die Öffentlichkeit – und dann?, die Persona des Hosts, Krisen der persönlichen Zeitpolitik, die Aufmerksamkeitsmisere am Handy, Tipp: „Blaubart & Ginster“, KI-Prompts wie: „Mach diesen Text zu einem Podcast, den ich nebenbei hören kann“, Frage: Wo hört Radio auf, wo fängt Podcast an?, das Geschätsmodell vom Hypen und Doomen, Bezahlschranken, Podcast-Idee „Linke Lebenslügen“, Arno Schmidts Radio-Essays als Gegenkanon, Tipp: der Podcast von „Mittelweg 36“, freiwillige Ghettoisierung der Literaturkritik, Phantasmen einer gut funktionierenden Amateurkultur, der Präsenz- und Materialfetisch der Kulturförderung, Veranstaltungsidee: Silent-Disko für Podcasts, Tipp: „2 Seiten“, These: Niemand fördert ein Endlosprinzip, „heißen Scheiß haben die hier“, Ror Wolfs Aufnahmekassetten mit Fussball-Atmo, Frage: Wer digitalisiert die Digitalisate? Vocal Fry & die kleine Meerjungfrau, Podcasts taugen zur kulturellen Bestandsaufnahme, „Einschlafen mit Tolkien“.