Uni-Tübingen

Das SLT fördert...

studentische Initiativen, Projekte, Workshops, Abschlussarbeiten, literaturbasierte Forschungsvorhaben. Hier findet sich eine Übersicht.
Das SLT stellt  Expertise und Netzwerke gerne zur Verfügung, berät oder unterstützt Vorhaben direkt als Kopperationspartner.  

Falls du selbst eine literarische Idee hast, die du gerne umsetzen würdest, setze dich mit uns in Verbindung! 

Festivals, Lesereihen, Verein

Literatur WG

Du liebst Bücher – oder einfach gute Gespräche über sie? Dann zieh ein in die Literatur WG!
Mit Silent Reading Sessions (lesen ohne Druck, mit Kaffee & Kerzenlicht), Literarischen WG-Castings, bei denen junge Autor*innen ihre Debüts vorstellen, oder mit inklusiven Literaturprojekten. 

Du findest die Literatur WG auf Instagram unter @dieliteraturwg oder unter literatur-wg.org

Fragen kannst du per Insta-DM oder Mail an fragenspam prevention@literatur-wg.org schicken!

Politik, Prosa, Poesie!

…ist ein Format zwischen der Bühnenpräsenz des Poetry Slams und dem inhaltlichen Tiefgang einer Literaturlesung. Das Beste von beidem holend, verlangt das Kooperationsprojekt des SLT und der Literatur-WG von den Dichter*innen keine Lesungen, sondern Intensität auch im Ausdruck. Der Applaus des Publikums darf wie beim Slam laut sein, auch ganz ohne Konkurrenz. Das Mikrofon gehört den Künstler*innen. Sehr vieles kann politisch sein und die Bühne des d.a.i. soll sowohl Menschen, die schon lange schreiben als auch Leuten, die gerade erst anfangen, offenstehen. Niemand muss Vorerfahrung auf Bühnen mitbringen, um auftreten zu können. Wichtig ist, dass du deinen Text fühlst und Menschen etwas mitteilen möchtest. 

PPP! wurde von Alieren Renliöz (SLT Alumni) ins Leben gerufen und mittlerweile von einem Team von Studierenden und Schüler:innen aus Tübingen organisiert. Die Veranstaltung wird gefördert vom Kulturamt der Stadt Tübingen.

Literatur für Alle!

Vom 24.10-31.10. fanden beim Festival “Litertatur für Alle” mehr als 30 Veranstaltungen in Tübingen statt, darunter Workshops, Panels, Lesungen. Der Versuch: ein Festival, bei dem für ALLE etwas dabei ist. Seit Jahren wird darüber diskutiert, wie man Literatur zugänglicher machen kann. “Unsere Antwort: auf diejenigen zugehen, die sonst nicht gefragt werden, ihren Wünschen und Bedürfnissen nachkommen und Lesungen dort veranstalten, wo sie sich wohl fühlen.” Dabei geht es uns nicht um seichte Strandlektüren. Wir möchten Diskussionen anstoßen. Über Prekariat, Pflege und Sprachbarrieren, mit denjenigen ins Gespräch kommen, die von ihnen betroffen sind. Und vor allem Literatur als vermittelndes und zusammenbringendes Element feiern. Mit dabei waren u.a. Daniel Falb, Ewald Frie, Paula Fürstenberg, Mara Genschel, Simoné Goldschmidt-Lechner, Dinçer Güçyeter, Marlen Hobrack, Clemens Meyer, Guillaume Paoli, Gilda Sahebi, John Sauter, Helga Schubert, Daniela Seel, Dean Ruddock und Alexandra Zipperer.
 Gemeinsam organisiert wurde das Festival von der Literatur-WG e.V. (ehem. Querfeldein e.V.) und dem Studio Literatur und Theater der Universität Tübingen, aber auch zahlreichen Kooperationspartner*innen.
 

Literaturbasierte Forschungsarbeiten

Gegenwärtige Nachwendeliteratur: Pädagogische Perspektiven

Wintersemester 23/24

Über Ostdeutschland und den Zustand seiner Gesellschaft wird aktuell wieder vehement gestritten. Nachdem die Wiederkehr rechtsextremer Ausschreitungen, pogromähnlicher Hetzjagden und Brandanschläge gegen Asylunterkünfte die verdrängten Bilder der Baseballschlägerjahre im kollektiven Gedächtnis der Deutschen erneut wach riefen, dauerte es nicht lange, bis alte Diskurse über die ‚Ostdeutschen‘ recycelt wurden. Die lange im Vorfeld prognostizierte Erfolge der AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen - trotz der höchsten Wahlbeteiligung seit 1989 – haben diese Deutungskämpfe verschärft.

In der jüngsten Vergangenheit sind fast zeitgleich mit den erinnerungspolitisch gut orchestrierten Jubiläumsfeiern zu 30 Jahre Friedlicher Revolution und Deutscher Einheit bemerkenswert viele literarische Debüts jener Generation erschienen, der landläufig gerne abgesprochen wird, sowohl von Alltag und Repression in der DDR, als auch der Wiedervereinigung selbst noch betroffen gewesen zu sein und in der Folge über beide Themen sinnvoll sprechen zu können.

Im Wintersemester 2023/24 fand hierzu am Studio für Literatur die Studentische Forschungswerkstatt Gegenwärtige Nachwendeliteratur. Pädagogische Perspektiven statt. Die Forschungswerkstatt entstand aus dem Wunsch, sich auch weit abseits der ehemaligen inner-deutsche Grenzen in die anhaltenden Ost-Westdebatten einzumischen, um neue Perspektiven und Fragehorizonte aufzuwerfen und im Sinne der inner-deutschen Verständigung das Thema in die Tübinger Stadtgesellschaft zu tragen.

Hierfür kamen Studierenden verschiedener Studienfächer über Disziplingrenzen hinaus, ins Gespräch, um gemeinsam zu fragen, welche neuen Perspektiven und Blinden Flecke die Lektüre von Nachwendeliteratur für die alten und neuen Ost-West-Debatten, aber auch für die eigenen Disziplingeschichte zu Tage befördern kann. Eng verbunden waren hiermit Frage danach, inwiefern gegenwärtige Nachwendeerzählungen bestehenden (deutsch-deutschen) Erinnerungskulturen und Aufarbeitungsdiskurse irritieren und als Diskursintervention gelesen werden können.

Zusätzliche begleitet wurde die Forschungswerksattdurch durch das Panel (Nach-)Wendeliteratur – Möglichkeiten und Grenzen für die innerdeutsche Verständigung im Rahmen des studentischen Literaturfestival LITERATUR FÜR ALLE! Knapp 40 Gäste konnten hierbei einen Einblick in die Arbeit der studentischen Forschungswerkstatt gewinnen und mit den zwei ostdeutschen Autor*innen Paula Fürstenberg und Clemens Meyer gemeinsam ins Gespräch kommen.

Eine zentrale Erkenntnis, die aus der gemeinsamen Arbeit in der Forschungswerkstatt hervor ging, ist dass (Nachwende-)Literatur einen eigenständige Form des Wissens bereithält. 

Die hier diskutierten Nachwenderoman entwerfen ein Bild des Endes der DDR und der darauffolgenden Zeit der Transformation, indem eine ausgebliebene Aufarbeitung in der post-nazistischen DDR, eskalierender Rechtsextremismus sowie kollektives Wegschauen seitens der Öffentlichkeit und der Politik aufeinander bezogen werden ─ womit sich das anhaltendet Bild der ‚friedlichen‘ Revolution in der Öffentlichkeit als äußerst problematisch erweist. Darüber hinaus werden hier prototypische Biografien entwickelt und kritisch befragt, was als verspätete, aber dennoch produktive Antwort auf die Forderung nach Aufarbeitung aus der ehemaligen DDR-Gesellschaft heraus gelesen werden kann. Schlussendlich entziehen sich die hier entwickelten Figuren, den im erinnerungskulturellen Diskurs verbreiteten, sich gegenseitig ausschließenden Einteilungen in Täter*innen, Opfer und Revolutionär*innen und bieten somit neue Perspektiven, wie die bestehende Dichotomie innerhalb deutsch-deutscher Erinnerungskulturen zwischen Alltagskultur und Repression unterlaufen werden könnten. Hiermit wird ein Blick auf die genuinen Entwicklungen innerhalb der Post-DDR-Gesellschaft möglich, welcher innerhalb des gegenwärtigen Aufarbeitungsdiskurses und bestehenden Erinnerungskulturen bis jetzt marginalisiert wurde. Sozial-, Geschichts- oder Erziehungswissenschaftliche Forschung, könnte von diesen Perspektiven nachhaltig profitieren.

"Wer bist Du - und wieso?" Schreibwettbewerb

Am 17. Oktober 2025 fand im Alten Waschhaus Tübingen die Lesung zum Schreibwettbewerb „Wer bist Du – und wieso?“ statt, welcher in Kooperation mit dem Masterstudiengang Literatur- und Kulturtheorie veranstaltet wurde. Hierbei unterstützte das SLT durch seine spezifische Erfahrung im Bereich Literatur. So beriet es bei der Konzeptionierung der Ausschreibung, empfahl mögliche Sponsoren, erläuterte hilfreiche Organisationsschritte und stellte letztendlich auch die Jurymitglieder. Zudem konnte über das SLT der Kontakt zur Lesungsstätte aufgebaut werden.

Anlass für den Wettbewerb war ein studentisches Projekt, welches sich mit der Natur von Personalität und Identität beschäftigte und dabei die philosophischen Überlegungen John Lockes, Paul Ricoeurs und Byung-Chul Hans in die Praxis übersetzte. Diese Theorien beschäftigen sich im Einzelnen mit der Bedeutung der Erinnerung als Grundstein der Personalität und mit der Relevanz der Erzählung für die Kohärenz dieser Personalität sowie ihrer Wirkungsweise auf Gesell- und Gemeinschaft.

So sollten die TeilnehmerInnen im erzählerischen Textformat darüber reflektieren, welches Ereignis sie als Person geformt hat. Die Frage war, ob die Voraussetzung der philosophischen Theorien in der Fragestellung „Wer bist Du – und wieso?“ Resonanz unter der Zielgruppe der Studierenden finden würde. Dies sollte testen, ob die Grundannahme der Theorien, Erinnerung und Personalität hängen zusammen, in Frage gestellt oder akzeptiert werden würde. Zudem war auch Ziel, den Teilnehmenden einen Raum zum Erzählen zu geben und sie somit zur Herstellung von Kohärenz in der eigenen Lebensgeschichte anzuregen.

Die Einsendungen spiegelten die Thesen der Theorien größtenteils wider, zeigten ihnen gegenüber zum Teil jedoch auch eine Abwehrhaltung und entwickelten dabei eigenständige Ideen zur Relevanz von Erinnerungen und den Bausteinen von Personalität. So erzählten viele von einem konkreten Ereignis oder einer bestimmten Lebensphase, die sie besonders geformt hatte. Dies waren häufig Liebesbeziehungen, Reisen oder einschneidende Erlebnisse wie Todesfälle. Darüber hinaus fanden sich jedoch auch abstraktere Gedanken zum Thema, wobei nicht selten auch Kritik an der Grundannahme geübt wurde. Somit wurde diese in Teilen akzeptiert, gelegentlich jedoch auch zurückgewiesen mit dem Verweis auf komplexere Grundsteine für personale Identität. Die Einstellung gegenüber der Denkweise der Theorien zeigte sich somit als divers.

Von den 51 Texten wurden bei der Lesung drei Texte vorgestellt, die in ihren Reflexionen das eigene Selbst literarisch-feinfühlig erkundeten und dabei mal anekdotisch, mal philosophisch, und stets zutiefst ehrlich erzählten.