Eines der größten Problem der Kultur- und Sprachengeschichten Afrikas ist bis heute mit dem Phänomen verbunden, dass der weitaus größte Teil der Bevölkerungen des südlichen Afrikas linguistisch gesehen zur Sprachfamilie des Bantu gehört. Die Ausbreitung der rund 600 Bantusprachen (Nurse & Tucker 2002) von einer hypothetischen ‚Urheimat‘ im nordwestlichen Zentralafrika, d. h. im Grenzgebiet von Kamerun und Nigeria, über das südliche Afrika wird heute meist mit mehr oder weniger großräumigen Wanderungsbewegungen ihrer Sprecher erklärt (
Eggert 1981). Der äquatoriale Regenwald spielt in diesem Zusammenhang eine doppelte Rolle. Zum einen ist er heute im Wesentlichen von Bantusprechern besiedelt; zum anderen aber kommt dem transkontinental verlaufenden Regenwaldgürtel bei der Ausbreitung der Bantu-Sprachen in das subäquatoriale Afrika offenkundig eine Schlüsselrolle zu. Wie Hans-Peter
Wotzka (1995) in seiner Dissertation gezeigt hat, spricht viel für die Annahme, die Besiedlung des Regenwaldes durch keramikherstellende Gruppen mit dem Eindringen von Bantusprechern in Hyläa zu verknüpfen.
Das hier vorgestellte Teilprojekt möchte einen grundlegenden Beitrag zur Klärung der Frage leisten, wann es unter welchen ökologischen Rahmenbedingungen mit welchen materiellen Mitteln und auf welcher Subsistenzgrundlage zur Aufsiedlung des Regenwaldes Südkameruns durch vermutlich großwüchsige und keramikherstellende Gruppen gekommen ist. Es bedarf keiner besonderen Betonung, dass die im Zuge der geplanten Untersuchungen erzielten Ergebnisse für die Besiedlung des äquatorialen Regenwaldes über Südkamerun hinaus von paradigmatischer Bedeutung sein werden.
Schon seit 1997 führt das Tübinger Institut von der DFG unterstützte archäologische Feldforschungen in Kamerun durch. Dabei geht es vorrangig um die Erarbeitung lokaler und regionaler Keramiksequenzen. Die zeitliche Relation der keramikführenden Schichten (und damit auch der darin enthaltenen Keramik) wird durch deren Lage zueinander und durch Datierungen organischer Reste ermittelt. Bei diesen Resten handelt es sich unter anderem um Holzkohle, Knochen, Fruchtkerne und andere Substanzen, deren Alter durch die Radiokarbonmethode bestimmt wird. Zu den unterschiedlichen Strukturen („Befunde“ in der archäologischen Fachsprache), die solche Hinterlassenschaften enthalten, zählen vor allem häufig bis über 2 m tiefe Gruben, die von den damaligen Menschen entweder zur Abfallbeseitigung oder zu rituellen Zwecken genutzt wurden. Diese und andere Fundstellen werden durch die Archäologen freigelegt, dokumentiert und analysiert. Eine Schwierigkeit besonderer Art stellt dabei die Auffindung solcher Befunde im Regenwald dar, da die dichte Vegetation (Abb. 2) in aller Regel jedwede Besiedlungsspuren der vergangenen Zeiten – die sich für den Archäologen durch entsprechende dunkle Verfärbungen zu erkennen geben (Abb. 3) – bedeckt.
Da sich die Ausbreitung des Regenwaldes im Laufe der Jahrtausende verändert hat, soll in unterschiedlichen Regionen untersucht werden, inwieweit die Besiedlung sich mit klimatisch-vegationsspezifischen Faktoren in Verbindung bringen läßt. Daher spielen die Archäobotanik und die Geographie bzw. Geomorphologie in diesem Projekt ebenfalls eine zentrale Rolle: Aufgrund geomorphologischer Analysen sucht die Archäobotanik solche Plätze (vorzugsweise Seen und Flüsse) zu identifizieren, in denen man mit Pollenerhaltung rechnen kann (Abb. 4). Entsprechende Pollenansammlungen vermögen über die einstige Vegetation Aufschluß zu geben. Die Archäobotanik analysiert zudem größere pflanzliche Überreste der einstigen Vegetation, die sogenannten „Makroreste“ wie etwa Holzkohle, um die zur Diskussion stehende Umwelt der frühen Besiedlungsphasen zu rekonstruieren. Die Geomorphologie wiederum sucht die Herausbildung wichtiger Umweltgegebenheiten wie etwa die Veränderung der Landschaft durch mäandrierende Flüsse, Erosion und Sedimentation zu klären.
Zusammenfassend läßt sich feststellen, daß ein hinreichendes Bild von den Beziehungen zwischen biophysischer Umwelt und kulturellem Verhalten nur über eine enge, interdisziplinäre Zusammenarbeit von Archäologie, Archäobotanik und Geographie zu gewinnen ist. Der äquatoriale Regenwald spielt in der Sprach- und Kulturgeschichte Afrikas insofern eine zentrale Rolle, als er heute genau wie ein beträchtlicher Teil des südlichen Afrikas im wesentlichen von Bantusprechern besiedelt ist (Abb. 5). Bedenkt man, daß die „Urheimat“ dieser rund 600 engverwandten Sprachen von der Historischen Sprachwissenschaft (Historische Bantuistik) im nigeranisch-kamerunischen Grenzgebiet vermutet wird, so wird auch die kulturgeschichtliche Bedeutung der hier erörterten Forschungen unmittelbar klar.
Die Archäologie wird in im zentralafrikanischen Teilprojekt von Prof. Manfred K. H. Eggert vom Tübinger Institut der Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters geleitet, während die Archäobotanik unter Leitung von Privatdozentin Katharina Neumann von der Abteilung Archäologie und Archäobotanik Afrikas des Frankfurter Archäologischen Institutes steht. Für die Geographie zeichnet sich Prof. Jürgen Runge vom Institut für Physische Geographie in Frankfurt verantwortlich. Die deutschen Forschungen werden in enger Zusammenarbeit mit der Direction du Patrimoine Culturel du Ministère de la Culture (Dr. Christophe Mbida) und dem Département de l’Art et d’Archéologie der Université de Yaoundé I unter Leitung von Dr. Martin Elouga realisiert.
Das jetzige Projekt knüpft an das von M. K. H. Eggert geleitete River Reconnaissance Project der Jahre 1977 bis 1987 im Kongo an. Damals wurde ebenfalls untersucht von wo aus eine Aufsiedlung des äquatorialen Regenwaldes Zentralafrikas stattfand. 1997 wurde damit begonnen, die 1987 im Kongo abgebrochene Prospektion vom Staatsgebiet Kameruns aus wieder aufzunehmen. Die 800 km lange Reise von Yaounde über Abong Mbang, Bertoua, Batouri und Yokadouma in den Südosten Kameruns wurde zur archäologischen Prospektion nach Fundstellen genutzt. Eine zweite Reise 1998 beschränkte sich auf die Prospektion des westlichen Teils entlang des Sanagas bei Edea. Hier wurde in den Wintermonaten des Jahres 1998 und im Frühjahr 1999 (Trockenzeit in Kamerun) Grubenkomplexe der Fundstellen Lobethal und
Yatou ausgegraben.
Mit der Bildung der Forschergruppe 2004 wurden die archäologischen Tätigkeiten in den Monaten November 2004 bis März 2005, Januar bis März 2006 und Januar bis April 2007 erneut aufgenommen. Der archäologischen Geländearbeit wurden im Frühjahr 2004, 2005 und 2007 ausgiebige Prospektionen des Arbeitsgebietes vorgeschaltet. Sie bauten vor allem auf der Hilfe und Kenntnis der mit dem Forschungsprojekt kooperierenden kamerunischen Archäologen auf. Hierbei wurden insbesondere neu abgeschobene Straßenböschungen, durch Erosion freigelegte Flußufer sowie Oberflächen im Regenwald, die im Zuge des Pistenbaues für den Holzeinschlag freigeschlagen worden waren, inspiziert.
teilweise entnommen aus: Breunig et al. 2003
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