Sind Forschungsprojekte in der Volksrepublik China heute noch vertretbar?
Die Universität Tübingen pflegt seit vielen Jahren ein produktives Verhältnis zu Forschenden und Partnerinstitutionen in der Volksrepublik China – dazu zählt auch JUNO. Spitzenforschung kann nur mit internationalen Partnern gelingen, und stabile wissenschaftliche Kontakte tragen als Science-Diplomacy zu einer Aufrechterhaltung internationaler Beziehungen in schwierigen Zeiten bei. Selbstverständlich prüfen wir und stellen bei jedem Projekt sorgfältig sicher, dass eine militärische oder sicherheitsrelevante Nutzung ausgeschlossen bleibt.
Wie findet so eine Prüfung an der Universität Tübingen statt?
An der Universität Tübingen durchlaufen alle Forschungsprojekte vor Vertragsabschluss eine strukturierte Prüfung anhand einer detaillierten Checkliste. Diese orientiert sich an den Empfehlungen und Leitlinien der Hochschulrektorenkonferenz sowie des DAAD und dient als praxisnahes Instrument zur Bewertung sicherheitsrelevanter oder ethischer Risiken. So wird eine solide und gut begründete Entscheidungsgrundlage gewährleistet.
Bei JUNO geht es um Atomphysik – könnten die Ergebnisse für das chinesische Militär nicht interessant sein?
Nein. Bei JUNO handelt es sich um reine Grundlagenforschung. Die gewonnenen Erkenntnisse vertiefen unser Verständnis fundamentaler Prozesse im Universum, haben aber keinerlei Anknüpfungspunkte für militärische Anwendungen. Das ist auch die gemeinsame Einschätzung der zahlreichen europäischen Universitäten und Forschungsinstitutionen, die an JUNO beteiligt sind.