Hören oder Lesen: Welchem Sinn sollten wir vertrauen?
Vorgelesene Informationen werden als glaubwürdiger empfunden als geschriebene Texte. Eine Studie zur Glaubwürdigkeit von sogenannten Smart Speakern wie Alexa im Vergleich mit Google-Suchergebnissen und Wikipedia-Artikeln1 zeigt: Selbst ungenaue oder falsche Informationen werden dennoch als deutlich glaubwürdiger bewertet, wenn sie ein Sprachassistent vorliest. Im Experiment bekamen Versuchspersonen zunächst die häufigsten Symptome von Blinddarmentzündung aufgeführt. Im nächsten Satz wurde darauf hingewiesen, dass etwa 80 Prozent der Betroffenen nicht die typischen Symptome aufweisen. Solche Widersprüche und Fehlinformationen wurden weniger erkannt, wenn sie per Sprache vermittelt wurden.
Zwei Prozesse spielen bei diesem Phänomen eine Rolle: Erstens vermittelt der Dialog mit einem Sprachassistenten und dessen menschenähnlicher Stimme das Gefühl, mit einem intelligenten Wesen zu interagieren. Deshalb gehen wir wie in einer Gesprächssituation davon aus, dass das Gesagte stimmt, ohne nach Quellen oder zusätzlichen Informationen zu fragen. Zweitens ist es schwieriger, gesprochene Sprache zu verarbeiten. Geschriebener Text kann erneut gelesen werden, es ist einfacher, Unstimmigkeiten zu erkennen. Als Internetnutzer*innen haben wir gelernt, die Quelle der Information zu prüfen. Wir sollten entsprechend auch eine kritische Kompetenz gegenüber der Interaktion mit Sprachassistenten entwickeln.
Prof. Dr. Sonja Utz, Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM)
1Gaiser, F., & Utz, S. (2024). Is hearing really believing? The importance of modality for perceived message credibility during information search with smart speakers. Journal of Media Psychology: Theories, Methods, and Applications, 36(2), 93–106. https://doi.org/10.1027/1864-1105/a000384