Themen für Abschlussarbeiten und Praktika

Die Abteilung Evolutionäre Kognition bietet verschiedene Themen für eine Abschlussarbeit (Bachelor, Master) oder ein Laborpraktikum an. Bitte melden Sie sich rechtzeitig bei den DozentInnen, wenn Sie Interesse an einem Thema haben. Wir bieten vornehmlich Verhaltensexperimente an. Bei Vorerfahrung können evtl. auch weitere Methoden (EEG, Eyetracking, Physiologische Maße) genutzt werden. Sollten Sie sich gemeinsam für einen Themenbereich interessieren, so sprechen Sie sich bitte ab. Dann können wir verwandte Themen vergeben und Sie können sich bei der Anfertigung Ihrer Arbeit in der Gruppe unterstützen. Wir bieten Ihnen unsere Unterstützung bei der Programmierung, der Durchführung und Auswertung der Experimente an. Nachfolgend finden Sie unsere Themenschwerpunkte.

Merkblatt zur Anfertigung von Bachelorarbeiten-Evolutionäre Kognition

Thema: Zeitliche Vorbereitung

Betreuung: Prof. Dr. Bettina Rolke, Dr. Verena Seibold

Wenn ein 100m-Sprinter mit Ertönen des Startsignals losläuft, so stellt seine Handlung bereits den Endpunkt einer Reihe kognitiver Prozesse dar. So muss der Sprinter nicht nur mental die einzelnen Bewegungsabläufe vorbereiten, sondern diese auch möglichst optimal auf den Zeitpunkt des Startsignals ausrichten. In solchen Situationen nutzen Menschen typischerweise zeitliche Hinweisreize in ihrer Umwelt, die ihnen dabei helfen, den Zeitpunkt eines Ereignisses vorherzusagen: so nutzt der Sprinter die Worte „auf die Plätze…fertig“, um abzuschätzen, wann das Startsignal ertönt und den Beginn der Laufbewegung möglichst optimal auf diesen Zeitpunkt hin vorzubereiten. Diese Prozesse der zeitlichen Antizipation und Vorbereitung werden in der Kognitiven Psychologie unter dem Begriff der Zeitlichen Vorbereitung erforscht. Einer der Grundbefunde hierbei ist, dass die Präsentation eines Warnsignals oder zeitlichen Hinweisreizes und die dadurch initiierte zeitliche Vorbereitung einen kognitiven Verarbeitungsvorteil mit sich bringen. Dies zeigt sich zum Beispiel an geringeren Fehlerraten in Wahrnehmungsaufgaben sowie einer beschleunigten Reaktionsgeschwindigkeit in zeitkritischen Aufgaben.

Die Abschlussarbeiten (Bachelor, Master) oder Laborpraktika (Master) zum Thema Zeitliche Vorbereitung widmen sich der genaueren Erforschung der Wirkmechanismen der zeitlichen Vorbereitung. Exemplarische Fragestellungen für zu diesem Thema sind daher:

1. Vergrößert die zeitliche Vorbereitung das funktionelle visuell-räumliche Feld und erlaubt damit, mehr Informationen im Raum gleichzeitig zu verarbeiten?

2. Sind zeitliche Hinweisreize, die explizite, semantische Informationen über den Zeitpunkt eines Ereignisses enthalten (z. B. „bald“), effektiver als solche, die nur implizite zeitliche Informationen tragen (z.B. indem sie eine zeitlich-regelmäßige Beziehung zum Ereignis aufweisen)?

3. Hilft die zeitliche Vorbereitung bei der Filterung irrelevanter Informationen?

4. Wie wirkt zeitliche Vorbereitung auf visuell-räumliche Hemmprozesse?

5. Wie interagiert die zeitliche Vorbereitung mit weiteren Aufmerksamkeitsmechanismen?

Bei Interesse wenden Sie sich bitte an Dr. Verena Seibold: verena.seiboldspam prevention@uni-tuebingen.de oder Prof. Dr. Bettina Rolke: bettina.rolkespam prevention@uni-tuebingen.de

Thema: Empirische Ästhetik

Betreuung: Prof. Dr. Bettina Rolke, Dr. Elisabeth Hein

Jedes Gemälde, jede Skulptur bedeutet etwas. Ob es nun ein gegenständliches oder ein „abstraktes“ Werk ist, immer ist es ein Werk „über etwas“; es ist eine Aussage über das Wesen unseres Daseins.

Rudolf Arnheim (2000, S. 64)

Trotz der unwidersprochenen Subjektivität eines ästhetischen Eindrucks lassen sich in der Einschätzung von Personen Gemeinsamkeiten bezüglich der Merkmale von ästhetischen Objekten feststellen. Uns interessieren sowohl die kognitiven Mechanismen, die zu diesem „universellen“ ästhetischen Erleben führen als auch die Folgen dieses Erlebens auf unser kognitives System. Im Sinne Arnheims erlauben uns diese Ansätze Einblicke in unsere kognitiven Wahrnehmungswelten.

Exemplarische Fragestellungen für Abschlussarbeiten (Bachelor, Master) oder Laborpraktika (Master) zu diesem Thema sind:

1. Durch welche Objekteigenschaften lässt sich das ästhetische Erleben bestimmen?

2. Besitzen ästhetische Objekte einen anderen Wahrnehmungswert als weniger ästhetische Objekte?

3. Können Einstellungsänderungen die ästhetische Wertigkeit von Objekten ändern?

4. Mittels welcher Methoden lässt sich der ästhetische Eindruck messen?

Bei Interesse wenden Sie sich bitte an Prof. Dr. Bettina Rolke: bettina.rolkespam prevention@uni-tuebingen.de

Thema: Objektkognition

Betreuung: Prof. Dr. Bettina Rolke, Dr. Elisabeth Hein, Dr. Verena Seibold

Die Erkennung eines Objektes vor einem Hintergrund im Kontext eines Bildes entsteht durch komplexe Interpretationsprozesse. Die Gestaltpsychologie interessiert sich seit über 100 Jahren für die top-down gesteuerten Prinzipien, die der Objekterkennung zugrunde liegen. Im Rahmen unserer Forschung stellen wir uns die Fragen:

1. Welche Bildmerkmale die Objekterkennung erleichtern,

2. Wie lange eine Objekterkennung in Abhängigkeit von spezifischen Bildmerkmalen dauert,

3. Ob sich die Objekterkennung durch Zusatzinformationen etwa über die Art des Objektes, reduzieren lässt,

4. Welchen Einfluss Aufmerksamkeit auf diese Prozesse hat?

Bei Interesse wenden Sie sich bitte an Dr. Elisabeth Hein:elisabeth.heinspam prevention@uni-tuebingen.de, Prof. Bettina Rolke: bettina.rolkespam prevention@uni-tuebingen.de oder Dr. Verena Seibold:  verena.seiboldspam prevention@uni.tuebingen.de  

 

Thema: Wahrnehmung dynamischer Reize

Betreuung: Dr. Elisabeth Hein, elisabeth.heinspam prevention@uni-tuebingen.de 

Wie gelingt es unserem visuellen System, ein Objekt als eine einheitliche und kontinuierlich bestehende Einheit wahrzunehmen trotz Änderungen seiner Position und Unterbrechungen in der Wahrnehmung, z.B. während Augenbewegungen? Studien haben gezeigt, dass die räumliche und zeitliche Nähe aber auch die Ähnlichkeit der Objektmerkmale diesen Korrespondenzprozess beeinflussen können. Die genauen Mechanismen der Objektkorrespondenz sind jedoch unklar. Mögliche Fragestellungen in diesem Bereich sind z.B.:

1. Welche Rolle spielen höhere Verarbeitungsstufen bei der Korrespondenzherstellung?

2. Wie wird die wahrgenommene Kausalitätsbeziehung von Objekten bestimmt?

3. Welche Faktoren beeinflussen, dass man statische Objekte in Bewegung wahrnimmt oder nicht?

Bei Interesse wenden Sie sich bitte an Dr. Elisabeth Hein: elisabeth.heinspam prevention@uni-tuebingen.de

 

Thema: Mechanismen der Aufmerksamkeitsaktivierung

Betreuung: Dr. Verena Seibold, verena.seiboldspam prevention@uni-tuebingen.de 

Auf Grundlage neuro- und kognitionspsychologischer Befunde wird die Funktionsweise visueller Aufmerksamkeit typischerweise in drei zentrale Systeme unterteilt: erstens die Aufmerksamkeitsausrichtung (Orienting), die dazu dient Aufmerksamkeitsressourcen gezielt auf bestimmte Orte zu lenken, zweitens die exekutive Kontrolle (Executive Control), die dazu dient, irrelevante bzw. störende sensorische Informationen oder Handlungsoptionen zu unterbinden und drittens die Aufmerksamkeitsaktivierung (Alerting), die dazu dient, Ressourcen für die Verarbeitung von Sinnesinformationen bereitszustellen. Ein kontrovers diskutierter Befund in der Forschung zu den Aufmerksamkeitssystemen bezieht sich auf die Wirkung der Aufmerksamkeitsaktivierung im Zusammenspiel mit exekutiver Kontrolle. Auf der einen Seite führt die Aufmerksamkeitsaktivierung an sich zu einem Reaktionsvorteil, gemessen etwa an insgesamt schnelleren Reaktionszeiten in einfachen Reaktionszeitaufgaben; auf der anderen Seite scheint sie jedoch die Leistung in Aufgaben zur Messung exekutiver Kontrolle zu beeinträchtigen: So lässt sich zum Beispiel zeigen, dass die Leistung in Konfliktparadigmen wie etwa dem Simon-Paradigma oder dem Flankierreizparadigma beeinträchtigt ist, wenn kurz vor Darbietung des Aufgabendisplays eine Aufmerksamkeitsaktivierung, z.B. durch Darbietung eines lauten Tons, erfolgt. Obwohl es bereits eine Reihe von Erklärungsansätzen dazu gibt, warum sich die Aufmerksamkeitsaktivierung in Konfliksituationen nachteilig auswirkt, sind die zugrundeliegenden Mechanismen bisher ungeklärt.
Mögliche Fragestellungen in diesem Bereich können sein:

1. Inwieweit wird der negative Einfluss der Aufmerksamkeitsaktivierung über eine Lenkung
räumlicher Aufmerksamkeit (z.B. auf die Flankierreize) vermittelt?

2. Wie ist die zeitliche Dynamik des Aufmerksamkeitsaktivierungseffekts in unterschiedlichen
Konfliktparadigmen?

3. Inwieweit wird der negative Einfluss der Aufmerksamkeitsaktivierung über eine automatische
Aktivierung von S-R-Verknüpfungen vermittelt?
Bei Interesse wenden Sie sich bitte an Dr. Verena Seibold: verena.seiboldspam prevention@uni-tuebingen.de 

 

Thema: Aufmerksamkeitsbasierte Hemmung

Betreuung: Dr. Verena Seibold, verena.seiboldspam prevention@uni-tuebingen.de

Die visuelle Aufmerksamkeit wird als ein zentraler Filtermechanismus der kognitiven Verarbeitung betrachtet, der es ermöglicht, relevante von irrelevanter sensorischer Information zu trennen. Damitstellt sie die Grundlage für zielgerichtete Wahrnehmung und Handlung dar. Allgemein wird angenommen, dass die Filterwirkung visueller Aufmerksamkeit über 2 Mechanismen vermittelt wird:Auf der einen Seite die Verstärkung (Gewichtung) des neuronalen Signals relevanter sensorischer Information, auf der anderen Seite die Hemmung (Reduktion) des neuronalen Signals irrelevanter oder störender sensorischer Information. Während der Prozess der aufmerksamkeitsbasierten Verstärkung bereits lange erforscht wird und empirisch recht gut belegt ist, ist die aufmerksamkeitsbasierte Hemmung bisher weniger gut untersucht. Mögliche Fragestellungen in diesem Thema sind:

1. Können negative Informationen über Störreize dazu genutzt werden, diese aktiv zu hemmen?

2. Wie ist die zeitliche Dynamik zwischen aufmerksamkeitsbasierter Hemmung von Störreizen und
aufmerksamkeitsbasierter Verstärkung von relevanten Reizen?

3. Ist aufmerksamkeitsbasierte Hemmung in der visuellen Modalität stets räumlich?

Bei Interesse wenden Sie sich bitte an Dr. Verena Seibold: verena.seibold@uni-tuebingen.de