Im Sommer 2012 erschien in Serbien eine Publikation, in der die Authentizität der Funde aus Belica in Zweifel gezogen wird: D. Antonovic/S. Peric, O neolitskoj autenticnosti nalaza iz Belice. Starinar 62, 2012, 257-268.
Neuere Untersuchungen im Auftrag des von der Thyssen-Stiftung finanzierten Tübinger Forschungsprojektes kommen nun auch zu dem Ergebniss, dass zumindest ein Teil der Steinfigurinen mit modernen Werkzeugen hergestellt wurde. Damit ist die Kernaussage dieses Aufsatzes bestätigt denn der Fund ist in seiner Gesamtheit kein geschlossener sondern besteht aus einer Zusammenstellung von neolithischen Artefakten mit gefälschten Figuren.
Ein wichtiges Argument für die Echtheit wäre ein gesicherter Kontext, der archäologisch sauber beobachtet ist. Dazu gibt es aber widersprüchliche Angaben der an den Arbeiten beteiligten Wissenschaftler. Unbestritten erscheit derzeit nur, daß zumindest Teile des Fundes bei einer Notbergung im Januar 2002 unter der Leitung von Milorad Stojic geborgen wurden. Die Auffindungssituation wurde photographisch dokumentiert (Abb. 2-3), von dem Befund liegt aber lediglich eine skizzenhafte Planums- und Profilzeichnung vor (Abb. 1).
Während Milorad Stojic davon ausgeht, daß das gesamte Fundensemble als zusammengehörig anzusehen ist hält der ebenfalls an den Grabungen beteiligte Aleksandr Kapuran den Zusammenhang für fragwürdig, da zu viele Funde erst beim Schlämmen des Sedimentes auftraten, nachdem die Archäologen bereits abgereist waren.
Mit der Notbergung war zunächst Dr. Nenand Tasic beauftragt, der aber im Januar 2002 aus persönlichen Gründen die Arbeiten nicht leiten konnte. Es ist dennoch davon auszugehen, daß er wegen der erteilten Grabungsgenehmigung ein Publikationsrecht an den Funden besitzt. Regulär archäologisch betreut wird der Fundplatz vom Leiter des Serbischen Archäologischen Instituts, Dr. Slavisa Peric, der seinerseits - auch wegen seiner Spezialisierung auf das Neolithikum des Moravatales - auf dem Publikationsrecht besteht.
Unabhängig von der wichtigen Frage nach dem Fundkontext konnten im Rahmen des Tübinger Projektes lediglich unabhängige Untersuchungen am Fundplatz Belica und an den Funden selbst durchgeführt werden. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen werden im Rahmen der Tübinger Abschlußpublikation umfassend vorgelegt werden. An dieser Stelle sollen dennoch die wichtigsten Erkenntnisse zu dem Fundensemble kurz aufgeführt werden:
1) Die Grube aus der die Funde stammen sollen liegt innerhalb einer Kreisgrabenanlage, die als Teil einer größeren frühneolithischen Siedlung aufzufassen ist. Bis zu den von uns im August 2012 initiierten geophysikalischen Messungen war diese Grabenanlage unbekannt. Die frühneolithische Zeitstellung der Siedlung konnte unabhängig durch die am Ort aufgelesenen Oberflächenfunde bestätigt werden.
2) Auch bei den Grabungen des Jahres 2003 unter der Leitung von Slaviša Peric, einem der Autoren des oben genannten Beitrages, konnten zahlreiche frühneolithische Funde geborgen werden, wie wir uns bei einer Besichtigung des Fundmagazins im Museum Jagodina im Juli 2012 überzeugen konnten. Allerdings betrafen die Grabungen Perics einen Randbereich der Siedlung, wie wir erst jetzt aufgrund der Visualisierung der Siedlungsstrukturen aufgrund der geomagnetischen Kartierung wissen.
3) Eine Datierung von Keramikfragmenten die aus dem Hort stammen sollen ergab ein Datum um 5700 calBC, was unseren Erwartungen aufgrund der typologischen Ansprache der Gefäßkeramik entspricht. Gemessen wurden die organischen Partikel in der Tonmatrix mit Hilfe der AMS-Technologie im Laboratorium Poznan. Datiert wurde damit aber lediglich die Keramik von der Siedlung und deren Zusammenhang mit dem Figurenfund erscheint aufgrund des Nachweises der modernen Herstellung zumindest eines Teiles der Figuren nun als konstruiert.
4) Die unabhängige Analyse der Feuersteinartefakte aus dem Hort durch Prof. Ivan Gatsov und Petranka Nedelcheva (Neue Bulgarische Universität, Sofia) ergab eine Einordnung der Funde in das entwickelte balkanische Frühneolithikum. Damit scheinen zumindest die Feuersteinartefakte echt zu sein.