Das heutige Dorf Gnezdovo liegt etwa 12km westlich der Stadt Smolensk am rechten Dnjepr-Ufer (Abb. 1). Smolensk wird neben Kiev und Nowgorod in der undatierten Einleitung der Nestor- chronik (12. Jahrhundert) namentlich als Burgsitz erwähnt, im datierten findet sich der früheste Eintrag für das Jahr 882. Doch die ergrabenen Siedlungsreste im heutigen Stadtgebiet weisen keine in das 9. bis 11. Jh. datierende Kulturschicht auf. Daher wird die Siedlungsfläche mit Gräberfeldern zwischen dem heutigen Dorf Gnezdovo und dem Dnjepr, die chronologisch diese Lücke ausfüllt, als 'das alte Smolensk' interpretiert.
Die ältesten Funde, Keramik aus in den anstehenden Boden eingetieften Gruben und wenige Einzelfunde datieren in die zweite Hälfte des 9. Jahrhunderts. Ende des 10. Jahrhunderts erreichte die Siedlung eine Ausdehnung auf etwa 15ha zentral um die Mündung des Svinec in den Dnjepr. Ein 1ha großes Areal auf dem Sporn des linken Svinec-Ufers wurde mit einer Wall-Grabenanlage geschützt (Abb. 1). Mühle schätzt, dass zu der Siedlung ursprünglich 4000-5000 Grabhügel gehört hätten, von denen etwa 1200 bislang (Stand: 1991) archäologisch untersucht worden seien. Bei der Mehrzahl der Grabhügel handelt es sich um Brandgräber. Die Gruppe der größeren Hügel mit reicherem Inventar, darunter sogar einige wenige Paargräber mit Resten, die auf Schiffe/Boote hindeuten, datieren frühestens in die zweite Hälfte des 10. Jahrhunderts. Körpergräber tauchen ab dem letzten Viertel des 10. Jahrhunderts auf. Das Spektrum reicht von beigabenlosen bis zu reich ausgestatteten Holzkammergräbern (als Paar- und Einzelgrab). Etwa 2km flussabwärts entstand in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts eine bislang kaum untersuchte, kleine offene Ansiedlung (Abb. 1, offene Siedlung d).