Das im Jahre 2009 gestartete, dreijährige Projekt zur wissenschaftlichen Erschließung und Digitalisierung der Portraitsammlungen der Universität Tübingen ist nun abgeschlossen. Rund 10.000 Bildnisse aus der Zeit des 16. bis 20. Jahrhunderts sind in der neuen digitalen Bilddatenbank erfasst und stehen ab sofort für die Öffentlichkeit zur Online-Recherche zur Verfügung: http://portraitsammlungen.uni-tuebingen.de.
Das Projekt wurde von der Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg finanziert und beinhaltete die wissenschaftliche Erschließung von Bildnissen aus den reichen historischen Sammlungsbeständen in verschiedenen Institutionen der Universität Tübingen: der Universitätsbibliothek (UB) Tübingen mit der Abteilung Historische Drucke, dem Universitätsarchiv Tübingen und der Graphischen Sammlung. Die Graphische Sammlung ist angesiedelt am Kunsthistorischen Institut der Universität Tübingen, gleichzeitig ist sie Teil des Museums der Universität Tübingen (MUT).
Ein Anlass für den Stiftungsantrag war die Tatsache, dass während der Zeit des 2. Weltkrieges im Jahr 1941 über 4.000 Blatt Portraitgraphik aus der Graphischen Sammlung an die UB abgegeben wurden. Dies geht aus einer Übernahmebestätigung des damaligen Direktors der Bibliothek, Georg Leyh, hervor. Jedoch beinhaltet dieses Papier keine spezifizierte Auflistung der abgegebenen Portraits, die nun im aktuellen Digitalisierungsprojekt erstmals für eine größere Öffentlichkeit greifbar geworden sind.
Darüber hinaus existieren im Bestand der UB zahlreiche zusätzliche Portraits als Einzelblätter und im Kontext regional wichtiger Sammlungen illustrierter Holzschnittwerke, also in Form gebundener Bücher, wie etwa in genealogischen Werken des 16. und 17. Jahrhunderts oder in Leichenpredigten der frühen Neuzeit. Auch befindet sich in der Universitätsbibliothek Tübingen eine Sammlung von Bildnissen Martin Luthers.
Andere relevante Portraitbestände sind heute zusätzlich im Universitätsarchiv Tübingen und in der Graphischen Sammlung des Museums der Universität Tübingen (MUT) aufbewahrt. Im Universitätsarchiv sind es die Portraits aus der Studentica-Sammlung des Rutesheimer Pfarrersohnes und Kameralwissenschaftlers Georg Schmidgall (1867-1953). Dabei handelt es sich um fast 800 Portraits in verschiedenen Bildmedien: Lithographien, frühe Fotografien mit dazugehörigen Glasplatten sowie Silhouetten.