Uni-Tübingen

Das Sommerstipendium “Türmer”


Das kleine Schreibtisch-Stipendium wurde in diesem Jahr zum ersten Mal ausgeschrieben und lud Schreibende ein, in ruhiger Umgebung mit Grün, Reben, Ranken, Beeren, Blick (in Neckartal und Ammertal), Inspiration und Goethes Geist(ern) ein ganzes Wochenende lang ungestört zu arbeiten. Plakat von Martha Sappler


Stipendiat*innen 2025

Marie Ritter (geb. 2000 in Erfurt) studierte Philosophie in Tübingen und Paris und lebt derzeit für ihren Interdisziplinären Ethikmaster in Wien. Neben klima- und kulturjournalistischer Tätigkeit schreibt sie Lyrik und Kurzprosa; ihre Texte erschienen in diversen Zeitschriften und Anthologien. 2023 veröffentlichte das Literaturhaus Zürich einen Auszug aus ihrem Projekt „summa anthropologica“ im Sammelband des Schreibwettbewerbs „Vom Verschwinden“. 2024 erhielt sie den Förderpreis des Stockstädter Literaturwettbewerbs 2023-24. Sie stand auf der Shortlist des HannsMeinke-Preises 2024, auf der Longlist des Lyrikpreises München 2024 - Junge Lyrik und war 2024 Teilnehmerin des Nature Writing Seminares der Stiftung Kunst und Natur.

Felix Ernst Peter Schalk (geb. 1999 in Graz) ist Filmemacher und bildender Künstler. Er studierte Allgemeine Rhetorik und Philosophie in Graz und Tübingen. 2019 co-gründete er das Filmkollektiv ELISE, mit welchem er Kurzfilme produzieren und auf internationalen Festivals zeigen konnte. Seine Texte erschienen in Zeitschriften und Anthologien. Gegenwärtig studiert er Drehbuch und Dramaturgie an der Filmakademie Wien.

Wir bedanken uns herzlich für die Textgabe aus dem Gehäus: 

Türen und Fenster bleiben offen
für Spätsommerföhn und spontane Gäste.
[Wespe. Hummel. Hornisse.]
Die Pflaumen sind wurmlos.
Die Wolken bäumen sich auf -
So gehen wir im Kreis auf
Nusslaub,
leben zwischen Efeu, Turm und Keller.
Es ist Zeit zum Pferdestehlen.
Zeit für Worte. 

von Marie Ritter & Felix Ernst Peter Schalk


Sigune Schnabel (geb. 1981 in Filderstadt) studierte im Diplom Literaturübersetzen in Düsseldorf. Zahlreiche Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften, z. B. Jahrbuch der Lyrik 2022, 2023 und 2024/25, Seitenstechen, Krautgarten, Sprache im technischen Zeitalter und mosaik. Verschiedene Preise, u. a postpoetry-Wettbewerb 2018 und Wiener Werkstattpreis 2022. Finalistin beim Lyrikpreis Meran 2022. 2021 erhielt sie ein Merck-Stipendium der Darmstädter Textwerkstatt und 2023 Arbeitsstipendien der Kunststiftung NRW sowie des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen. Einzeltitel zuletzt: Glas und andere Irrtümer, Geest-Verlag, Visbek 2025. Mehr unter www.sigune-schnabel.de. 

Wir bedanken uns herzlich für die Textgabe aus dem Gehäus:

Turmtage

Hier steht das Alter
mit sandigem Fuß
auf den Höhen,
nimmt sich der Wind,
was er braucht.

In den Trauben schwirren Wespen,
suchen den letzten Tropfen Herbst.

Ich klopfe auf Holz,
in den Bäumen wohnt
das Glück oder der Tag.

Wenn das Licht die Stunde wiegt,
beginne ich zu pflücken.

von Sigune Schnabel