Institut für Kriminologie

03.07.2026

4. Deutsch-Taiwanischer Workshop zur Kriminologie

Bericht von Rüdiger Wulf

Am 30. Juni 2026 fand der 4. Deutsch-Taiwanische Workshop zur Kriminologie statt. Tagungsort war diesmal nicht das ausrichtende Institut für Kriminologie auf dem Sand, sondern das China Centrum Tübingen (CCT) in der Hinteren Grabenstraße 26. Auf Wunsch der Gäste aus Taiwan lautete das Rahmenthema „Sucht und Drogen“. Der internationale Workshop erfolgte in englischer Sprache. 

Die Veranstaltung wurde durch vier Grußworte eingeleitet: Jun.-Prof.in Dr. Emily Graf, Leiterin des CCT; Prof. Dr. Dr. h.c. Bernd Heinrich, Prodekan der Juristischen Fakultät für Internationales und Schwerpunkstudium; Prof. Dr. Jörg Kinzig, Direktor des Instituts für Kriminologie der Universität Tübingen: Prof. Dr. (Tübingen) Yue-Chun Ma, Leiter der Delegation aus der National Chung Chen University of Chiayi/Taiwan. In den Grußworten wurden die langjährigen gegenseitigen Kontakte zwischen Tübinger Kriminolog:innen und Wissenschaftler:innen aus Taiwan lobend hervorgehoben.

Prof. Dr. Yueh-Chung Ma leitete des Rahmenthema ein mit seinem Vortrag über die laufende Situation und die Präventionsstrategien bei jungen Drogentätern. Prof. Yung-Lien Lai schloss sich an mit einem Referat über Behandlungsmaßnahmen im Strafvollzug und deren Auswirkungen auf die Selbstwirksamkeit inhaftierter Drogenkonsumenten in Taiwan. Von deutscher Seite sprachen Dr. Benedikt Iberl und Sarah Schreier M.A. (Kriminologie) über die Evaluation der (teilweisen) Legalisierung von Cannabis in Deutschland (Evaluationsauftrag des Bundesministeriums für Gesundheit an einen Forschungsverbund mit dem hiesigen Institut für Kriminologie). Prof. honor. Dr. Rüdiger Wulf stellte den Deutschen Gambling Survey 2025 vor und regte eine vergleichbare Studie in Taiwan an.

Außerhalb des Rahmenthemas referierte Prof.in Dr. Chin-Chin Cheng über gesetzliche Regelungen für ein harmonisches Arbeitsumfeld anhand einer vergleichenden Studie der Rechtsvorschriften in Ländern mit der höchsten bzw. niedrigsten Häufigkeit von Gewalt und Belästigung am Arbeitsplatz. Ihre Kollegin Prof.in Dr. Ling-Chia Hung präsentierte eine Studie zur finanziellen Ausbeutung älterer Menschen in Taiwan (Strukturelle Vulnerabilitäten, rechtliche Rahmenbedingungen und gerichtliche Reaktionen in einer hochgradig alternden Gesellschaft).

In der Diskussion wurde deutlich, dass länderübergreifende und ländervergleichende Ansätze weiterführend und empfehlenswert sind.

Das Tagesprogramm schloss mit einem Erfahrungs- und Gedankenaustausch im European Research Center on Contemporary Taiwan, Keplerstraße 2, zu dem Stefan Braig M.A., Managing Director des ERCCT, eingeladen hatte.