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02.11.2026

From Research to Startup: Senova Theranostics

Wie wird aus einer wissenschaftlichen Entdeckung eine Innovation, die Patienten helfen kann? Senova Theranostics möchte genau diese Brücke schlagen. Das Team entwickelt diagnostische und therapeutische Lösungen für die Onkologie und verbindet dabei biomedizinische Forschung mit unternehmerischem Denken. Für die Weiterentwicklung ihrer Idee hat das Team jüngst eine EXIST-Forschungstransfer-Förderung in Höhe von 1,5 Millionen Euro erhalten.

Im Gespräch erzählt Dr. Dimitri Stowbur, Gründer und Geschäftsführer von Senova Theranostics, wie aus einer über Jahre gewachsenen Forschungsidee ein Gründungsvorhaben wurde, welche Herausforderungen auf dem Weg vom Labor in die Anwendung warten und welche Fähigkeiten Forschende für den Schritt ins Unternehmertum brauchen.

Wie würdest du deine Reise von der Forschung hin zum Startup beschreiben? Wann wurde dir klar, dass deine Forschung auch unternehmerisches Potenzial hat?

Ich habe eine große Leidenschaft für die biomedizinische Forschung entwickelt und dafür, grundlegende Mechanismen in unserem Körper zu verstehen. Irgendwann kam ein Perspektivwechsel dazu: Wenn man Forschung für Patienten anwendbar machen möchte, muss man wissenschaftliche Erkenntnisse in Technologien übersetzen, die auch wirtschaftlich umgesetzt werden können.

Gerade in der Onkologie sind klinische Studien der Phasen I, II und III mit enormen Kosten verbunden. Wenn man ein Medikament entwickeln und tatsächlich zu den Patienten bringen möchte, führt deshalb oft kein Weg daran vorbei, ein Startup zu gründen. Mit Senova Theranostics verbinde ich heute meine wissenschaftliche Leidenschaft mit dem Ziel, diagnostische und therapeutische Lösungen für die Onkologie zu entwickeln.

Die Idee hinter Senova Theranostics ist über viele Jahre gewachsen. Wie ist daraus ein konkretes Gründungsvorhaben entstanden?

Die Ursprünge reichen fast 15 Jahre zurück. Durch die Zusammenarbeit von Prof. Dr. Bernd Pichler, Direktor des Werner Siemens Imaging Center, und Prof. Dr. med. Lars Zender, Direktor der Onkologie, wurde die Idee geboren, spezielle PET-Tracer für die Onkologie zu entwickeln.

Im Fokus standen seneszente Zellen, die im Zusammenhang mit Krebstherapien entstehen können. Zunächst wollten wir diese Zellen sichtbar machen. Unser heutiger CSO Jonathan Cotton widmete seine Doktorarbeit der Entwicklung eines entsprechenden Tracers. Anschließend führte Oberarzt Prof. Dr. med. Johannes Schwenck die Arbeit in Richtung klinischer Anwendung weiter.

Langfristig möchten wir aber nicht nur die Diagnostik voranbringen, sondern auch therapeutische Ansätze entwickeln. Mit Unterstützung des Startup Centers haben wir schließlich den Antrag für den EXIST-Forschungstransfer ausgearbeitet, der glücklicherweise bewilligt wurde.

Was waren die wichtigsten Stationen auf eurem Weg von der Forschung zur Gründung?

Zunächst brauchten wir eine solide wissenschaftliche Grundlage und den Willen, die Ergebnisse tatsächlich zu den Patienten zu bringen. Genauso wichtig ist ein gutes Team, in dem unterschiedliche Expertisen zusammenkommen: Radiochemiker, Wissenschaftler, Ärzte und Menschen mit betriebswirtschaftlichem Wissen.

Auch die Finanzierung spielt eine entscheidende Rolle. Ohne die EXIST-Förderung wäre es nicht möglich, die nächsten Schritte zu gehen. Gleichzeitig musste ich mir selbst erst das notwendige Wissen über das Unternehmertum aneignen und lernen, wie man ein solches Vorhaben wirtschaftlich aufbaut.

Welche Erkenntnisse und Herausforderungen haben dich auf diesem Weg besonders geprägt?

Eine hervorragende wissenschaftliche Idee bedeutet noch lange nicht, dass daraus auch ein erfolgreiches Geschäftsmodell entsteht. Die Technologie muss ein konkretes Problem lösen, für das es tatsächlich eine Nachfrage gibt. Es reicht nicht, einfach nur spannende Forschung zu betreiben.

Dazu kommen Fragen wie: Wie gelangt man in den Markt? Welche Partnerschaften sind sinnvoll? Mit wem sollte man zusammenarbeiten? Und wie baut man ein gutes Team auf? Die größte Herausforderung ist für mich, die wissenschaftliche Entwicklung, den Teamaufbau, die Finanzierung und die wirtschaftliche Strategie miteinander in Einklang zu bringen. Deshalb sind ein erfahrenes Team und gute Mentoren so wichtig.

Welche zusätzlichen Fähigkeiten musstest du dir für das Unternehmertum aneignen?

Der Entrepreneurship Essentials Kurs war ein wichtiger erster Schritt, um überhaupt zu verstehen, was das Unternehmertum bedeutet. Programme wie der Life Science Accelerator helfen außerdem dabei, Kontakte zu knüpfen und sich mit Menschen auszutauschen, die ähnliche Herausforderungen bereits gemeistert haben. Dazu kam das GeneNovate® Programm, ein nationales Entrepreneurship Programm für die Gen- und Zelltherapie.

Vieles lernt man aber erst in der Praxis. Man muss mit Menschen sprechen, Kontakte aufbauen und aktiv auf potenzielle Partner zugehen. Als Geschäftsführer gehört das genauso zur Arbeit wie die wissenschaftliche Seite. Man muss auch mal den Telefonhörer in die Hand nehmen und einfach loslegen.

Was würdest du anderen Forschenden empfehlen, die über eine Gründung nachdenken?

Ganz klar: Traut euch! Die Fähigkeiten, die man für ein Unternehmen braucht, kann man Schritt für Schritt erlernen. Ich habe mit mehreren Geschäftsführern gesprochen, die mir genau das bestätigt haben. Unternehmertum lernt man nicht allein im Studium, sondern vor allem durch Learning by Doing.

Als Forschende bringt man bereits viel mit, zum Beispiel analytisches Denken und ein tiefes Verständnis für die eigene Materie. Wichtig ist, sich ein Stück weit von der reinen Forschung zu lösen und stärker unternehmerisch zu denken. Dazu gehört auch, auf Menschen zuzugehen und Dinge auszuprobieren, anstatt alles tausendmal zu durchdenken.

Wo hat euch das Startup Center Tübingen auf eurem Weg unterstützt?

Bei ganz unterschiedlichen Fragen. Ich konnte mich jederzeit melden, ob es um Finanzierung, Fördermöglichkeiten oder den Aufbau einer Firma ging. Die Kurse haben uns wichtige Grundlagen vermittelt, beispielsweise dazu, welche Unternehmensstrukturen es gibt und wie man ein Gründungsvorhaben angeht. 
Auch Veranstaltungen wie die Startup:con Tübingen sind hilfreich. Man lernt neue Menschen kennen, kann sich austauschen und die eigene Idee präsentieren. Dieser Kontakt zu anderen Gründenden und potenziellen Partnern ist unglaublich wertvoll.

Was möchtet ihr mit Senova Theranostics in den nächsten fünf Jahren erreichen?

Ein wichtiges Ziel ist die erfolgreiche Umsetzung des EXIST-Forschungstransferprogramms. Wir möchten einen therapeutischen Ansatz so weit entwickeln, dass ein Medikament für die klinische Validierung bereitsteht und perspektivisch an Patienten getestet werden kann. Gleichzeitig wollen wir die klinische Anwendung unserer Diagnostik weiter voranbringen und die Senova Theranostics GmbH gründen.

Mein persönlicher Traum ist es, mit unserer Arbeit tatsächlich Patienten zu helfen. Außerdem möchten wir dazu beitragen, den Forschungs- und Medizinstandort Tübingen weiterzuentwickeln und auszubauen.

 

Über Senova Theranostics:

Senova Theranostics ist ein Biotech-Startup, das eine innovative Technologie zur Erkennung und gezielten Behandlung seneszenter Zellen entwickelt. Diese Zellen können unter anderem nach Krebstherapien entstehen und zu Therapieversagen, Entzündungen und Alterungsprozessen beitragen. Mithilfe spezieller PET-Tracer und Radiopharmazeutika möchte das Startup diese Zellen sichtbar machen und gezielt eliminieren, um insbesondere Therapieresistenzen in der Krebsmedizin zu überwinden.
Für die Weiterentwicklung der Technologie erhält Senova Theranostics im Rahmen des EXIST-Forschungstransfers eine Förderung von 1,5 Millionen Euro über zwei Jahre. Ziel ist es, die Technologie für zukünftige klinische Anwendungen vorzubereiten.


Mehr Infos zum EXIST Forschungstransfer gibt es hier.