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09.09.2025
Warum soziale und emotionale Kompetenzen in der Schule unverzichtbar sind
Deutschlandfunk-Interview mit Ulrich Trautwein
Wie können Schulen Kinder und Jugendliche auf die Welt vorbereiten? Fachwissen alleine reicht nicht – auch soziale und emotionale Kompetenzen sind entscheidend für den späteren Lebens- und Berufserfolg. Sozial-emotionale Kompetenzen zu haben bedeutet für Schüler:innen, in sozialen Situationen gut handeln zu können. Darunter fallen Fähigkeiten wie Kooperation, Empathie, Konfliktfähigkeit und Selbstregulation.
Internationale Studien zeigen, dass Programme zum sozialen und emotionalen Lernen wirken – vorausgesetzt, sie sind gut umgesetzt und aktiv in den Unterricht integriert. „Es kommt stark auf die Qualität der Durchführung dieser Programme an. Sie sollten eine aktive Teilnahme der Schülerinnen und Schüler fördern und explizit die gewünschten Kompetenzen trainieren“, betont Prof. Dr. Ulrich Trautwein, Direktor des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen.
Ein eigenes Schulfach sei dafür nicht nötig, so Trautwein: „Sozial-emotionales Lernen muss in der DNA von Schule verankert sein.“ Ein wesentlicher Bestandteil ist dabei die Selbstregulationskompetenz. Auch die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina fordert, sie als Bildungsziel stärker zu verankern. Damit das gelingt, müssen Lehrkräfte entsprechend aus- und fortgebildet werden. Ebenso wichtig sei eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern: „Letzten Endes ist es Aufgabe von beiden, von Eltern und von Schulen – und am besten gemeinsam und nicht gegeneinander.“
Warum das Thema so wichtig ist und wie Schulen es umsetzen können, erläutert Ulrich Trautwein im Gespräch mit Elena Hong in der Deutschlandfunk-Sendung “Campus und Karriere”.
Hong: In dem Beitrag zum Programm “Mind-Out” ging es um Konfliktfähigkeit, um den Umgang mit Stress und mit eigenen Gefühlen. Welche Kompetenzen sind denn noch wichtig, wenn wir über Persönlichkeitsentwicklung sprechen, aber auch über den späteren Berufsverlauf?
Trautwein: Das von Ihnen besprochene Programm “Mind-Out” folgt einem international bewährten Ansatz. In diesen werden fünf zentrale Aspekte unterschieden:
- Die Selbstwahrnehmung. Dazu gehört auch der Umgang mit negativen Emotionen.
- Was wir gehört haben als Beziehungsmanagement
- Dazu gehört auch die Konfliktfähigkeit,
- soziales Bewusstsein. Das sind beispielsweise Aspekte der Perspektivenübernahme
- sowie das Selbstmanagement, bei dem es um Impulskontrolle, Motivation und Ausdauer geht. Das nennt man auch Selbstregulation.
Das sind fünf wichtige Kompetenzen.
Hong: Gegenseitiges Verständnis wird dadurch gefördert, sowie eine gute Kommunikation. Das wird immer wichtiger, weil sich unsere Welt so rasant verändert. Auch die Klassenzimmer werden immer heterogener. Wie sehr ist die Bedeutung von diesen sogenannten “Soft Skills”, die Sie gerade aufgeführt haben, in der Bildungswelt angekommen?
Trautwein: Man hat ja gute Belege dafür, dass das wirklich wirksam ist. Und es gibt weltweit eine Bewegung des Stärker in Schulen zu implementieren. Erfolgreiche Schulsysteme, beispielsweise in Singapur oder in Kanada, haben das etabliert, auch in den Bildungsplänen. Es gab zuletzt eine Metaanalyse zu Programmen, die das soziale emotionale Lernen fördern sollen.
Die Autor:innen zeigen, dass dies im Durchschnitt nur mittelwirksam ist, allerdings mit gewaltigen Unterschieden. In manchen Stellen funktioniert es, in manchen weniger – es kommt also stark auf die Qualität der Durchführung dieser Programme an. Sie sollten fokussiert sein, die aktive Teilnahme der Schülerinnen und Schüler fördern und explizit die gewünschten Kompetenzen trainieren.
Hong: Wir haben ja gerade gehört, dass aber solche Einheiten in der Schule eigentlich gar nicht vorgesehen sind, nur in den Rahmen Lehrplänen. Warum ist es dann nicht in der breiten Fläche in der Praxis der Fall? Müsste soziales Lernen nicht noch explizit currikular verankert sein?
Trautwein: Wir brauchen ganz sicher kein eigenes Fach. Stattdessen muss das sozial emotionale Lernen fortlaufend mitgedacht werden.
Das muss letztendlich in der DNA von Schule verankert sein. In diesem Sinne hat ja auch die Expertenkommission der Nationalen Akademie der Wissenschaft Leopoldina im vergangenen Jahr gefordert, dass die Selbstregulationskompetenzen, ein Teil des sozialen emotionalen Lernens, zu einer weiteren Leitperspektive des Bildungssystems gemacht werden sollen. Das bedeutet auch, dass sozial emotionales Lernen ganz selbstverständlich in den Bildungsplänen mitgedacht und abgebildet sein muss. Es bedeutet aber auch, dass wir sie besser in die Aus- und Fortbildung von Lehrkräften integrieren müssen.
Hong: Jetzt würden Kritiker sagen: “Na ja, das ist doch eigentlich eine klassische Erziehungsaufgabe. Früher hat man so was in der Großfamilie eben einfach mitbekommen.”
Welche Verantwortung liegt dabei bei den Eltern?
Trautwein: Sie sehen ja, wir alle beklagen uns, dass diese Kompetenzen nicht gut genug ausgebildet sind und diejenigen, die sie nicht haben, leiden ein Leben lang darunter.
Von daher müssen wir uns überlegen, wie wir das hinbekommen. Und letzten Endes ist es Aufgabe von beiden, von Eltern und von Schulen und am besten gemeinsam und nicht gegeneinander. Auf Seiten der Lehrkräfte und Schulen benötigen wir dafür allerdings eine Professionalisierung der Elternarbeit. Lehrkräfte haben häufig große Probleme, in den direkten Kontakt mit den Eltern einzutreten und gemeinsam über solche Bildungsziele zu sprechen.
Hong: Wir sprechen dabei ja über pro-soziales Verhalten, über eine harmonische Zusammenarbeit der Schülerinnen und Schüler, über Angemessenheit. Jetzt mal kritisch nachgefragt: Wie groß ist die Gefahr, dass wir die Kinder zum “people pleasing” oder zum Konformismus erziehen?
Trautwein: Natürlich muss man aufpassen, dass das nicht etwas vorgespiegeltes ist, sondern es geht um Hal
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Erwähnte Publikation
Publikation:
Cipriano, C., Strambler, M. J., Naples, L. H., Ha, C., Kirk, M., Wood, M., Sehgal, K., Zieher, A. K., Eveleigh, A., McCarthy, M., Funaro, M., Ponnock, A., Chow, J. C., & Durlak, J. (2023). The state of evidence for social and emotional learning: A contemporary meta-analysis of universal school-based SEL interventions. Child Development, 94, 1181–1204.
Das Interview ist für die Textversion gekürzt und leicht angepasst.