In diesem Vortrag geht es um Ritual und Wohlergehen am Beispiel der 88-Tempel Pilgerreise auf der Insel Shikoku. Dabei werden tiefe Interviews aus der Feldforschung verwendet, um Einblicke zu geben, wie japanische Religion von kontemporären Japanern verstanden und gelebt und wird. Mehrere Beispiel wurden analysiert: honzon (eine Statue der verehrten Hauptgottheit des Tempels) und hibutsu (ein honzon, welches nicht, oder nur sehr selten, für die Öffentlichkeit einsehbar ist), nōkyō-chō (ein Buch, in welchem die Stempel und Kalligrafien der besuchten Tempel gesammelt werden) und kakejiku (ein Rollbild für dasselbe): Viele Pilger sehen die Statue der Gottheit an, als wäre sie die Gottheit, also nicht nur eine Repräsentanz. Die Kalligrafien, die der Pilger ins nōkyō-chō Buch und auf das Rollbild erhält, sind eine symbolische Repräsentanz der Gottheit und dadurch werde seine ‘Essenz’ auf den Pilger übertragen. Wenn dem so ist, stellt sich nun die Frage, warum 66 der 88 Tempel ihre Statue als hibutsu versteckt haben.
Eine Analyse von Transkribierungen von Interviews zeigte interessante Seiten des Verständnisses einiger Japaner auf, z.B. weil die honzon zu stark in ihrer 'Kraft' für Menschen seien, um ihre 'Kraft' und Würde nicht zu verlieren, weil sie kokuhō (Nationalschatz Japans) seien, weil sie ihre Ruhe brauchten, weil es so Sitte sei und es durch die Erziehung in den Köpfen der Japaner verankert sei und sie sich daher keine Gedanken darüber machen, weil es die anderen auch so machten, usw. Was die Kosten der Pilgerreise, z.B. kakejiku und Stempelbücher angeht, so sagten die Informanten, dass sie wichtige Erinnerungen an verstorbene Familienmitglieder sind, dass man die Bücher wiederverwendet, also mehrmals stempelt (sie also immer roter werden), dass diese etwas 'besonderes' sind, weil sie "wertvolle Dinge sind, die einem das Gefühl geben, dass der Geist Buddhas mit einem sei", dass dies eine Art und Weise der religiösen Würdigung ist und je mehr Stempel man sammelt, also je öfter man die Tempel besucht, umso mehr Segen erhält man. Der Vortrag kommt zu dem Schluss, dass, wenn man den Begriff "Geld" (Kosten) mit "Heiligkeit" ersetzt, also Kosten als einen Gradmesser der "Besonderheit" oder "Heiligkeit" verwendet, es Sinn macht: Daher ist ein teures Rollbild etwas Besonderes (im Sinne von Heiligkeit), und ein nōkyō-chō Buch ganz rot mit vielen Stempeln ist im Vergleich zu einem mit einem Stempel pro Seite 'heiliger' oder 'besonderer', und das nicht im monetären Sinne. Also: Kosten als einen Gradmesser der "Besonderheit" oder "Heiligkeit", mehr oder weniger heilig.