Ökonomische Bildung und Wirtschaftsdidaktik

Kompetenzentwicklung

 

In einer immer komplexer werdenden Wirtschaftswelt besteht eine Kernaufgabe der ökonomischen Bildung darin, Jugendliche und junge Erwachsene mit Kompetenzen auszustatten, so dass sie mündige und verantwortungsvolle Entscheidungen in ökonomischen Lebenssituationen treffen können (Seeber et al., 2012). In Deutschland ist die Situation mit Blick auf schulische ökonomische Bildung äußerst heterogen: Ökonomische Bildung existiert als Teil des Politikunterrichts, wird in Kombinationsfächern angeboten oder ist in manchen Bundesländern lediglich in einem Wahlbereich implementiert. Mit der Einführung des neuen Schulfachs Wirtschaft-, Berufs- und Studienorientiertung (WBS) als Pflichtfach für alle allgemeinbildenden Schulen in der Sekundarstufe I geht das Bundesland Baden-Württemberg einen neuen Weg.

Der Start des neuen Fachs ermöglichte die Erforschung der Effekte eines grundständigen Schulfachs der ökonomischen Bildung in einer Kohortenstudie, um Lernende im Verlauf der Sekundarstufe I (Klassenstufen 7 bis 10) zu begleiten. Im Rahmen dieser von der Universität Koblenz-Landau (Prof. Günther Seeber) initiierten und von der Stuftung Würth geförderten Längsschnittstudie (WIKO-BW) werden Lernende zweier Kohorten (2016 und 2017) über vier Jahre begleitet (bis 2020 und 2021). Zentrale Forschungsfrage ist dabei, ob ein eigenständiges Fach der ökonomischen Bildung positive Effekte auf kognitive Facetten ökonomischer Kompetenz aufweist (Seeber et al., 2020). Darüber hinaus werden mögliche Effekte des Schulfachs auf Einstellungsdimensionen und Verhaltensweisen untersucht.

Ein weiteres von der Joachim Herz Stiftung gefördertes Projekt untersucht Zusammenhänge zwischen finanzieller Bildung, individuellem Verhalten und experimentell erhobener Zeit- und Risikopräferenzen. Weitere Forschungsarbeiten dieses Bereichs beschäftigen sich mit der psychometrischen Validität von Testfragen zur Messung finanzieller Grundkompetenzen (Finacial Literacy), der unverzerrten Schätzung von Kompetenzunterschieden entlang individueller Merkmale mithilfe eines geeigneten Anstrengungsmaßes sowie mit Evidenzsynthesen zum Effekt von Bildungsinterventionen auf (Zeit)Präferenzen im Rahmen einer Metastudie.

 

Literatur:

Seeber, G., Retzmann, R., Remmle, B., & Jongebloed, H.-C. (2012). Bildungsstandard der ökonomischen Allgemeinbildung: Kompetenzmodell, Aufgaben, Handlungsempfehlungen. Schwalbach/Taunus: Wochenschau Verlag.

Seeber, G., Kaiser, T., Oberrauch, L., Eberle, M., & Walter, C. (2020). Das Schulfach Wirtschaft, Berufs- und Studienorientierung: Effekte auf die ökonomischen Kompetenzen und Einstellungen Jugendlicher in Klasse 7 und 8. Künzelsau: Swiridoff.

 

Bisherige Veröffentlichungen in diesem Forschungsbereich:

Oberrauch, L., & Seeber, G. (2021). The impact of mandatory economic education on adolescents' attitudes. Kiel, Hamburg: ZWB - Leibniz Information Center for Economics.

Oberrauch, L., & Kaiser, T. (2020). Financial Literacy and Intertemporal Arbitrage. DIW Discussion Papers 1912. Berlin.

Seeber, G., Kaiser, T., Oberrauch, L., Eberle, M., & Walter, C. (2020). Das Schulfach Wirtschaft, Berufs- und Studienorientierung: Effekt auf die ökonomische Kompetenzen und Einstellungen Jugendlicher in Klasse 7 und 8. Künzelsau: Swiridoff.

Oberrauch, L., & Kaiser, T. (2020). Economic Competences in early secondary school: Evidence from a large-scale assessment in Germany. International Review of Economics Education, 35, 100172.

Kaiser, T., Oberrauch, L., & Seeber, G. (2020). Measuring Economic Competences of Secondary School Students in Germany. The Journal of Economic Education, 51(3-4), 227-242.

Oberrauch, L. (2019). Ökonomische Kompetenzen von Heranwachsenden. Entwicklung und Validierung eines Testinstruments. Zeitschrift für ökonomische Bildung, 8, 60-98.