Slavisches Seminar

Akteure des Übersetzungswürfels Tübingen 6. bis 10. Mai 2015

Juri Andruchowytsch, ukrainischer Schriftsteller, 1960 in Stanislaw (heute Iwano-Frankiwsk) geboren. 1985 hat Andruchowytsch zusammen mit seinen Freunden Oleksander Irwanets und Viktor Neborak die heute schon legendäre literarische Performance-Gruppe Bu-Ba-Bu gegründet. Bis heute hat er fünf Gedichtbände sowie fünf Romane veröffentlicht. Außerdem schreibt Andruchowytsch die literarischen Essays und übersetzt aus der deutschen, polnischen, russischen und englischen Sprache. Im Jahre 2000 publizierte er in Polen zusammen mit dem polnischen Schriftsteller Andrzej Stasiuk den Band „Mein Europa“ (deutsche Ausgabe: edition suhrkamp, 2004). 2005 ist im Suhrkamp Verlag sein Roman Zwölf Ringe erschienen, 2006 Moscoviada, 2008 Geheimnis und 2011 Perversion.

Herder-Preis der Alfred Toepfer Stiftung, Hamburg (2001), spezieller Erich-Maria Remarque Friedenspreis der Stadt Osnabrück (2005), Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung (2006), Hannah-Arendt-Preis für politisches Denken (2014).

Lubomír Martinek wurde 1954 in Böhmisch Budweis geboren und lebte bis 1979 in Prag. Danach floh er nach Paris und lebte dort als politischer Flüchtling im Exil. Seit 1989 lebt er abwechselnd in Prag. Paris und Indonesien. Seit 1993 hat er die französische Staatsbürgerschaft inne. Er ging verschiedenen praktischen Tätigkeiten nach, das Schreiben und Reisen gehören dauerhaft zu seinem Leben. In seinen Werken, zumeist Essays, lotet er die Möglichkeiten und Grenzen von Form und Inhalt aus. Thematisch befasst er sich vor allem mit Fragen des menschlichen Daseins, der Identität und Kommunikation. Sein Œvre umfasst mehr als zwanzig Bücher, von denen einige ins Englische, Deutsche, Französische, Polnische und Schwedische übersetzt sind.

Sudabeh Mohafez lebte in Teheran, Berlin und Lissabon und ist seit einigen Jahren in Baden-Württemberg heimisch. Nach einem Studium der Musik, Anglistik und Erziehungswissenschaften, arbeitete sie viele Jahre lang im Bereich der Gewaltprävention und Krisenintervention. Ihr schriftstellerisches Werk wurde mit zahlreichen Literaturstipendien und Preisen, sowie einer Poetikdozentur an der Hochschule RheinMain ausgezeichnet.
Nach vom
Deutschen Literaturfonds und dem DAAD geförderten Aufenthalten in 2012, 2013 und 2014 als Writer in Residence an der Queen Mary University of London und der University of Nottingham, legt sie in 2015 ein Klausur-Schreibjahr in Ihrem Haus im Schwäbischen Wald ein, wo es sich mindestens ebenso wunderbar schreiben lässt, wie in den großen (und kleinen) Städten dieser Welt. Hier arbeitet sie an ihrem neuen Roman und an einem Lyrikprojekt, während gleichzeitig zwei Theaterstücke für die Regisseure Boglarka Raiser und Wilfried Alt entstehen.

Alena Zemančikova wurde 1955 geboren und studierte Dramaturgie an der Akademie der Künste in Prag. Sie arbeitete als Dramaturgin in Cheb (Westböhmen). Seit 1997 ist sie für den Kultursender der tschechischen Radios tätig. Sie ist aktiv in der deutsch-tschechischen Theaterarbeit und arbeitet als Korrespondentin für mehrere Onlinejournale. Bislang hat sie drei Erzählbände veröffentlicht. Im EU-Projekt TransStar Europa wurde sie mit mehreren Texten von Daniela Pusch übersetzt.

Boris Dežulović wurde 1964 geboren und studierte Kunstgeschichte an der Universität Split. Er arbeitete als Illustrator, Comiczeichner, Grafikdesigner und Journalist für die Zeitungen Nedjeljna Dalmacija und Slobodna Dalmacija. Er ist einer der drei Gründer der Wochenzeitung Feral Tribune, in der er lange als Herausgeber und Autor tätig war. Seit 2000 ist er ständiger Kolumnist verschiedener Zeitungen. Er veröffentlichte Romane und politisch-satirische Gedichte; in deutscher Übersetzung sind 2008 Gedichte aus Lora, Drava Verlag Klagenfurt und die Erzählung Die Bakterie in der Anthologie Kein Gott in Susedgrad. Neue Literatur aus Kroatien, Schöffling & Co, Hrsg. Nenad Popović, Frankfurt am Main, erschienen.

Daniela Pusch wurde 1978 in Karlovy Vary in der Tschechoslowakei geboren und wuchs in Deutschland auf. Studium der Slawistik und der Medienwissenschaft in Marburg, Moskau und Brünn. Seit 2004 lebt sie mit ihrer Familie in Düsseldorf. Sie arbeitet sie als Stadtführerin, unterrichtet Sprachen und liest ehrenamtlich Kindern fremdsprachige Geschichten vor. Kinder, Sprache und Literatur sind für sie drei wichtige Themen, die sie oft miteinander kombiniert. Mit dem Übersetzen beschäftigt sie sich immer wieder seit Ende ihres Studiums, dabei haben es ihr unter anderem Michal Ajvaz und Ota Hofman angetan.

Maja Konstantinović wurde 1989 in Vukovar geboren. 1993 Flucht nach Bruchköbel, Hessen. Nach erfolgreichem Bachelorstudium in Slavistik und Politikwissenschaft in Tübingen studiert sie den Masterstudiengang Literatur- und Kulturtheorie. 2008 war sie Teilnehmerin bei „Translators in Residence“, einem Projekt des slavischen Seminars der Universität Tübingen. 2009 sammelte sie erste Erfahrungen beim Übersetzen durch die Übertitelung des Thaterstücks „Sieben Tage in Zagreb“ von Tena Štivičić, das im Rahmen des Theaterprojekts „Orient-Express“ am Staatstheater Stuttgart aufgeführt wurde. Momentan ist sie Organisatorin einer Podiumsdiskussion, die transkulturelle Fragestellungen zum Thema „Versprachlichung von Kultur als Übersetzungsprozess“ erörtert.

Alida Bremer wurde 1959 in Split geboren, studierte vergleichende Literaturwissenschaft, Romanistik, Slawistik und Germanistik in Belgrad, Rom, Saarbrücken und Münster. Langjährige Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Lektorin an den Universitäten Münster und Gießen. Freie Mitarbeiterin der S.Fischer Stiftung, Teilnehmerin des Grenzgängerprogramms der Robert Bosch Stiftung 2008-2009. Leiterin des Projektes „Kroatien als Schwerpunktland zur Leipziger Buchmesse 2008“. Alida Bremer hat zahlreiche Autor/inn/en aus dem Kroatischen ins Deutsche übersetzt, u.a. Ivana Sajko, Slavenka Drakulić und Edo Popović.

Action und Drama ist ein junges Improvisationstheater aus Leipzig. Das Ensemble löst sich von der langen Tradition des Slapstick-Comedy seines Metiers und strebt hin zu mehr Tiefe in Szenen und Charakteren. Auf diese Weise entsteht aus den Einwürfen des Publikums und dem Assoziationsspiel der Schauspieler ein komplettes Theaterstück, ohne dass irgendwer vorher weiß, wie es aussieht. Ein Abend im Zeichen der Spontanität, der genauso sehr aufs Herz zielt wie auf die Lachmuskeln.

Bojana Bajić studierte Anglistik und Germanistik an der Philosophischen Fakultät der Universität Rijeka. Längere Studienaufenthalte in Berlin als Stipendiatin der Copernicus-Stiftung (Studium an der Humboldt-Universität zu Berlin) und der vom DAAD geförderten Germanistischen Institutspartnerschaft zwischen dem Institut für deutsche Philologie an der Freien Universität Berlin und der Abteilung für Germanistik an der Philosophischen Fakultät in Rijeka (Aufenthalt als Gastwissenschaftlerin an der Freien Universität zu Berlin). An den vom Institut für Translationswissenschaft der Universität Graz veranstalteten Sommerkollegs „Literarisches Übersetzen“ sammelte sie erste Erfahrungen in der Übersetzung von literarischen Texten. Erfahrungen in verschiedenen Bereichen der Arbeit mit Fremdsprachen (Untertitelung, Verlagsredaktion, Fremdsprachenunterricht). Momentan arbeitet sie als freiberufliche Übersetzerin.

Zeljka Goricki wurde 1982 in Zagreb geboren und studierte Anglistik und Germanistik an der Philosophischen Fakultät der Universität Zagreb. Arbeitet am Institut für kroatische Sprache und Linguistik und als freiberufliche Übersetzerin. Mitbegründerin von Nu:Write Theatre Festival.

Anna Hodel wurde 1982 geboren und studierte Slavistik, Russistik und Osteuropäische Geschichte an den Universitäten Basel, St. Petersburg und Zagreb. Sie unterrichtet Russisch am Sprachenzentrum der Universität Basel und arbeitet am Slavischen Seminar Basel als wissenschaftliche Mitarbeiterin, wo sie ein Dissertationsprojekt zur südslavischen Romantik verfolgt. Anna Hodel hat schon zahlreiche Veranstaltungen zwischen Literatur und Politik betreut und organsiert.

Vivian Kellenberger wurde 1978 geboren und studierte Slavsistik und Osteuropastudien in Fribourg, Moskau, Zagreb und Bern.Sie übersetzte für die Delegationen des Internationalen Roten Kreuzes und war für die Botschaft der Republik Kroatien als Dolmetscherin tätig.
Sie unterrichtet seit 2009 Kroatisch an privaten Sprachschulen in Zürich und Bern und arbeitet seit 2011 am Institut für slavische Sprachen und Literaturen in Bern, wo sie unter anderem Lesungen mit Schriftstellerinnen und Schriftstellern aus dem ehemaligen Jugoslawien organisiert.

Andy Jelčić absolvierte ein Studium der Germanistik und Anglistik sowie das zweijährige Postdiplomstudium der Literaturtheorie an der Philosophischen Fakultät der Universität Zagreb. Seit 1988 arbeitet er als freischaffender Übersetzer, Schriftsteller und Publizist und hat zahlreiche Übersetzungen von Sachbüchern und literarischen Texten angefertigt sowie Beiträge in literarischen Fachzeitschriften und Tageszeitungen verfasst. Für seine Übersetzung vom Robert Musils Der Mann ohne Eigenschaften erhielt er den Staatspreis für die beste Übersetzung.
Andy Jelčić arbeitet mit diversen Theaterhäusern, Architektenvereinen und Museen zusammen, unter anderem mit dem Museum für zeitgenössische Kunst in Zagreb, dem Museum für moderne und zeitgenössische Kunst in Rijeka, dem Zentrum für Kunst und Media in Karlsruhe, der Camera Austria usw. Darüber hinaus ist Andy Jelčić kroatischer Vertreter im CEATL, Vice-Präsident des CEATL, Leiter der Gruppe Copyright und digitale Rechte sowie Redaktionsmitglied beim PETRA Projekt in Brüssel.

Matthias Jacob studierte Ost- und Südslavische Philologie, Neuere Deutsche Literatur und Kunstgeschichte in Tübingen und Moskau. In den 80er Jahren verbrachte er zahlreiche Studienaufenthalte in Bosnien-Herzegowina. Von 1999-2004 wissenschaftlicher Angestellter am Lehrstuhl für Slavische Philologie (Literaturwissenschaft) am Slavischen Seminar der Universität Tübingen. Heute hält er als Lehrbeauftragter an der Universität Tübingen literaturwissenschaftliche Proseminare überwiegend im Bereich der südslavischen Literaturen, schreibt Rezensionen (Zeitschrift „Buchmarkt“) und übersetzt belletristische und wissenschaftliche Texte aus dem Kroatischen, Serbischen und Bosnischen sowie aus dem Russischen.

Veröffentlichungen: Wissenschaftliche und journalistische Artikel zur Literatur Russlands und südslavischer Länder. Literarische Übersetzungen (u. a.): Lyrikbände von Andrijana Škunca, Luko Paljetak, Nikica Petrak und Snežana Minić; Mitarbeit an der Anthologie „Eintrittskarte – Ulaznica. Serbien: Panorama der Lyrik des 21. Jahrhunderts“ (2011) und des Lyrikbands „Burn, Baby, burn“ von Zvonko Karanović (2013).

Radovan Charvát arbeitet nach einem Studium der Mathematik seit 1984 als freier Übersetzer und Publizist. 1987 verbrachte er ein Jahr in Afrika. 1989 und 1990 studierte er Germanistik, Anglistik und Amerikanistik an der Goethe-Universität Frankfurt. Er übersetzt schöngeistige Literatur, Drehbücher und Spielfilme und arbeitet mit verschiedenen deutschen Kooperationspartnern zusammen.

Ilma Rakusa studierte Slawistik und Romanistik und lebt als Schriftstellerin, Publizistin und Übersetzerin (aus dem Russischen, Serbokroatischen, Ungarischen und Französischen) in Zürich. Sie erhielt u.a. den Petrarca-Übersetzerpreis, den Adelbert-von-Chamisso-Preis und für ihre Erinnerungspassagen "Mehr Meer" den Schweizer Buchpreis 2009. Sie ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.
www.ilmarakusa.info

Uljana Wolf, Lyrikerin und Übersetzerin, veröffentlichte vier Gedichtbände, zuletzt meine schönste lengevitch (kookbooks 2013). Wolf übersetzt aus dem Englischen (John Ashbery, Yoko Ono, Matthea Harvey, Cole Swensen, Erín Moure) und u.a. aus dem Polnischen. 2015 erscheint ihre Auswahl-Übersetzung der Gedichte von Eugeniusz Tkaczyszyn-Dycki (Tumor Linguae, Edition Korrespondenzen, gemeinsam mit Michael Zgodzay). Ihr Werk wurde mit zahlreichen Stipendien und Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Peter-Huchel-Preis und dem Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis. Wolf unterrichtet Seminare zu Übersetzung und Poesie am Pratt Institute in Brooklyn, der Humboldt-Universität Berlin und dem Institut für Sprachkunst in Wien.

Elke Erb
Geb. 1938 in Scherbach (Eifel), Übersiedlung in die DDR (Halle). 1958/59 Landarbeit, 1963 Lehrerexamen, 1963/65 Verlagsarbeit, ab 1966 freiberuflich. Übersetzungen (vor allem aus dem Russischen) und Herausgaben, eigene Texte: Kurzprosa, Lyrik.

Zuletzt (bei Urs Engeler:, "Sonanz", 2008; "Meins". Roughbook 006, 2010; "Das Hündle kam weiter auf drein"; Roughbook 028, 2013; Roughbook "Sonnenklar", 2015.

Dagmar Leupold, geboren 1955, studierte in Marburg, Tübingen und New York Germanistik, Philosophie und Vergleichende Literaturwissenschaft. Promotion (phD) 1993 an der Graduate School der City University of New York.
Seit 1985 freie Schriftstellerin; seitdem zahlreiche literarische Veröffentlichungen: Gedichtbände, kurze Prosa und Romane. U.a. „Eden Plaza“ (2002), „Nach den Kriegen“ (2004), „Die Helligkeit der Nacht. Ein Journal“ (2009).

Zuletzt, 2013, den Roman Unter der Hand (Jung und Jung).

Auszeichnungen u.a. Aspekte-Preis für das beste Prosa-Debüt (1992) und zuletzt den Tukan-Preis der Stadt München.

Dagmar Leupold leitet seit 2004 das „Studio Literatur und Theater“ der Universität Tübingen.