Lichens
Verbreitung und Standortansprüche von Vertretern an extremes Schwachlicht angepasster tropischer Flechten
Flechten sind Pionier“pflanzen“, die unter extremen Bedingungen (Licht, Temperatur, Wasserverfügbarkeit) existieren können. Sie stellen eine Symbiose zwischen Grünalgen/Cyanobakterien und Pilzen dar. Man unterscheidet Mikro- (Krustenflechten) und Makroflechten (Blatt- und Strauchflechten). Makroflechten sind in tropischen Tieflandsregenwädern wenig verbreitet. Mit zunehmender Höhe treten in den feuchten Tropen jedoch die großen Blatt- und Strauchflechten immer deutlicher in Erscheinung und prägen mit den von den Ästen der Bäume herabhängenden Vorhängen das Bild der submontanen und montanen Regenwälder (1200-3000 m über Meereshöhe NN). Der subtropische Araukarienwald (500-1300 m NN) von Südbrasilien mit seinem temperierten, immerfeuchten Klima ähnelt hinsichtlich des Vorkommens der Makroflechten den tropischen Bergregenwäldern.
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Pró Mata / Tibouchina-Blüte | Cyanobakterien-Flechte |
Araukarienwälder lassen Bereiche unterschiedlicher Lichtdurchlässigkeit unterscheiden, wobei das Lichtangebot bis unter 1% der auf den Kronenbereich eintreffenden photosynthetisch aktiven Strahlung zurückgehen kann. Unter den Flechten gibt es Spezialisten, die auch noch unter derartigen Lichtverhältnissen existieren können.
Auf der Forschungsstation Pró Mata in Rio Grande do Sul (Südbrasilien), die gemeinsam von den Universitäten Tübingen und PUC (Porto Alegre) betrieben wird, steht ein gut beschriebenes Mischsystem von Araukarienwäldern und Campo-Flächen für Forschungszwecke zur Verfügung. Dort kommen auch Flechtenarten vor, die an extrem geringe Lichtverhältnisse angepasst sind und in ihrer Eigenschaften noch nicht beschrieben sind. Es handelt sich dabei um Leptogium azureum und L. austroamericanum (Gallertfechten), sowie Coenogonium implexum, C. linkii und C. interplexum (Fadenflechten).
Ziel des Projektes ist es, unter Anleitung einer lokalen Flechtenspezialisten (Dr. Marianna Fleig) Bestandsaufnahmen zum Vorkommen dieser Flechten am natürlichen Standort durchzuführen und diese mit Standortdaten zu vergleichen (Tagesgänge in der Lichtintensität, Temperatur, Luftfeuche).
Links:
PURCS
Brasilienzentrum
Uni Tübingen; Flechtenführer (Grüninger)