Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters

Bwambe-Sommet 2004 (BWS 04):

Drei bei der Prospektion im März 2004 in Bwambe-Sommet (BWS) entdeckten Gruben wurden während eines einmonatigen Aufenthaltes ausgegraben. Die Entdeckung von Pennisetum glaucum (Perlhirse) in zwei der drei Gruben ist mehr als ungewöhnlich, da nach heutiger Kenntnis, diese in der Sahelzone angebaute Nutzpflanze nicht in den Klimazonen, die mit äquatorialen Regenwalds assoziiert werden, angebaut werden kann (siehe Eggert et al. 2006). Ebenfalls erwähnenswert sind Fragmente einer Gußröhre, die für die Eisenverarbeitung genutzt wurde. Dies läßt auf Eisen verarbeitende Kulturen schliessen, die den äquatorialen Regenwald schon vor ca. 2300 BP besiedelten.

BWS 04/1:

Bei diesem Befundkomplex handelte es sich um eine 1,70 m tiefe Grube, die in Anbetracht der Schichtenlage mehrfach geöffnet und wieder verfüllt worden sein mußte (Abb. 1 und Abb. 2). Innerhalb der Grube gab es mindestens drei erkennbare Verfüllungen, welche aber das gleiche keramische Material mit ähnlichem Formenspektrum und Verzierungen aufwiesen. Am unteren Ende der Grube wurde eine Gefäßhälfte wahrscheinlich intentionell deponiert. Diese Behauptung wird dadurch begründet, daß es sich um das einzig erkennbare Gefäß in der gesamten Grube handelte welches sich zudem am Boden der Grube befand. Eine genauere Untersuchung des keramischen Inventars erbrachte, dass es sich bei den meisten Verzierungen um mit Wiegeband- oder Stempeltechnik erstellten Mustern handelt (Abb. 3).

BWS 04/2:

Diese Grube wurde von den kamerunischen Mitarbeitern unter Leitung von Pascal Nlend Nlend ausgegraben und dokumentiert (Abb. 4). Die Ergebnisse werden in seiner Arbeit über die Besiedlungsgeschichte der Provinz Littoral erscheinen. Es handelt sich hier ebenfalls um eine 2,50 m tiefe Grube, deren Rand mit Scherben und Steinen ausgelegt wurde (Abb. 5). Das keramische Material kann mit dem von BWS 04/1 und BWS 04/3 gleichgesetzt werden, da es gleiche Verzierungen und Gefäßformen aufweist. Auffällig bei diesem Befund war vor allem die große Menge an keramischen Material.

BWS 04/3:

Auch bei Befundkomplex BWS 04/3 handelte es sich um eine mehrphasige Grube, die Zeichen intentioneller Niederlegung trug. Es konnten innerhalb der Grube mindestens fünf Phasen unterschieden werden. Nach einer erreichten Grabungstiefe von 2,20 m konnten die Arbeiten aus Zeitmangel nicht fortgesetzt werden, doch wird angenommen, daß sich die Grube mindestens bis zu einer Tiefe von 2,50 m fortsetzt (Abb. 6).

Die Keramik war sehr homogen und zeigte deutliche Übereinstimmungen mit dem Material aus BWS 04/1 (sowohl in Form als auch Verzierung - siehe Abb. 3). Im oberen Teil konnten mehrere Gefäße und große Steine (bis zu 0,30 m Durchmesser) in loser Anordnung ausgegraben werden. Dies erschien als bewußte Niederlegung, da die Steine meist auf und zwischen den Gefäßen lagen und fast alle Gefäße “zertrümmert” waren (Abb. 7). Ein Gefäß konnte vollständig, aber leicht zerscherbt, geborgen werden. Auffällig war weiterhin eine “Auskleidung” einer Grubenwand mit Keramik (Abb. 8). Auch diese muß als intentionelle Niederlegung angesehen werden. Das gleiche Phänomen konnte auch in einem anderen Befund (BWS 04/2) beobachtet werden.