Unter der Leitung von Professorin Lejla Demiri (Geschäftsführende Direktorin, Professur für Islamische Glaubenslehre) reisten am 15. Juli acht ZITh-Studierende sowie Dr. Besnik Sinani, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Hadithwissenschaften und prophetische Tradition, nach Rom. Dank eines sehr frühen Flugs konnte die Tübinger Gruppe nach ihrer Ankunft im Lay Centre und vor dem offiziellen Nachmittagsempfang noch eine der vier Papstbasiliken Roms besuchen. In der detailreich und wunderschön gestalteten Santa Maria Maggiore befindet sich die bedeutendste Marienikone Roms. Diese erste Besichtigung eines der wichtigsten katholischen Sakralbauten Italiens war nur ein Vorgeschmack auf die kommende Woche.
Aus Großbritannien kamen am Montagnachmittag acht der diesjährigen CMC-Absolventen, begleitet von der CMC-Programmkoordinatorin Mirina Paananen, dem CISL-Studiengangsleiter Dr. Omar Qureshi und dem Beauftragten für Öffentlichkeitsarbeit Tariq Chow, im Lay Centre an. Nach einem herzlichen Empfang mit Kaffee und Gebäck leitete der neue Direktor des Lay Centre, Dr. Filipe Domingues, die interreligiöse Sommerakademie ein. In seinem Auftaktvortrag gab er einen Überblick über einige der wichtigsten Dokumente der katholischen Kirche: Nostra Aetate (1965), Laudato Si’ (2015), Fratellanza Umana (2019) und Fratelli Tutti (2020).
In der Erklärung Nostra Aetate wird die Bedeutung des interreligiösen Dialogs und des Respekts gegenüber anderen Glaubensgemeinschaften, insbesondere dem Judentum und dem Islam, betont. Das Dokument hebt die Gemeinsamkeiten der Religionen hervor und ruft zu Frieden und Verständnis auf. Die Enzyklika Laudato Si’ befasst sich mit dem dringenden Schutz der Umwelt und mahnt zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Schöpfung. Papst Franziskus fordert darin ein neues ökologisches Bewusstsein und soziale Gerechtigkeit. In Fratellanza Umana wird sich für Brüderlichkeit und ein friedliches Zusammenleben aller Menschen, unabhängig von Religion, Kultur oder ethnischer Zugehörigkeit, ausgesprochen. Des Weiteren wird zur Zusammenarbeit für das Gemeinwohl aufgerufen. Die Enzyklika Fratelli Tutti richtet sich an die gesamte Menschheit und betont die universelle Geschwisterlichkeit. Papst Franziskus fordert Solidarität, soziale Gerechtigkeit und ein gemeinsames Handeln gegen Ausgrenzung und Ungleichheit. Diese Dokumente unterstreichen das Bestreben der katholischen Kirche, globale Herausforderungen durch Dialog, Brüderlichkeit und ökologische Verantwortung zu bewältigen.
Die ZITh-Studierenden hatten im Vorfeld die Pflichtlektüre „A Common Word - Text and Reflections“ gelesen, in der der 2007 von führenden muslimischen Gelehrten verfasste offene Brief „Ein gemeinsames Wort zwischen Uns und Euch“ („A Common Word“) analysiert wird. Dieser Brief betont die gemeinsamen Werte des Islam und des Christentums, insbesondere die Liebe zu Gott und zum Nächsten, als zentrale Lehren beider Religionen. Die muslimischen Verfasser richteten sich an alle führenden christlichen Vertreter weltweit und riefen zu einem intensiven interreligiösen Dialog auf Augenhöhe auf, um Frieden und gegenseitiges Verständnis zu fördern. Namensgeber und zentrales Element des Briefes ist der folgende Vers, der die monotheistischen Schriftreligionen zur Zusammenarbeit aufruft:
„Sprich: O Volk der Schrift! Kommt herbei zu einem Wort, das gleich ist zwischen uns und euch: dass wir Gott allein dienen und ihm nichts beigesellen und nicht untereinander Herren annehmen außer Gott [...] “
(Koran 3:64, Übersetzung Bubenheim/Elyas)
Dieser Vers betont den gemeinsamen Glauben an einen einzigen Gott und lädt zu gegenseitigem Respekt und Zusammenarbeit ein. Sowohl die katholischen Dokumente als auch der offene Brief A Common Word unterstreichen, dass durch den Fokus auf gemeinsame Werte wie Liebe, Gerechtigkeit und die Achtung der Schöpfung ein nachhaltiger Dialog entstehen kann, der zur Lösung globaler Konflikte beiträgt und ein friedliches Zusammenleben fördert.
Der erste Abend endete mit einem gemeinsamen Willkommensessen, bei dem die Teilnehmenden wertvolle Impulse von Elena Dini, Programmleiterin des John Paul-II-Zentrums für interreligiösen Dialog, sowie vom britischen Kardinal Michael Fitzgerald, dem Vatikan-Experten für christlich-muslimische Beziehungen, erhielten. Die Schilderungen ihres Arbeitsalltags und ihrer gesammelten Erfahrungen verdeutlichten, wie die Forderungen der vorgestellten Kirchendokumente trotz zahlreicher Herausforderungen mit Leidenschaft und Überzeugung in die Tat umgesetzt wurden.