Tübinger Forum für Wissenschaftskulturen

Interdisziplinäres Grundlagenwissen für die Praxis

Wann: 06. - 08. März 2026

Wo: Tübinger Forum für Wissenschaftskulturen, Hörsaal (1.Stock)

Doblerstr. 33, 72074 Tübingen

Thema

Wissen wir eigentlich, was wir wissen? Diese Frage stellen wir uns vielleicht weniger, wenn wir uns innerhalb der Universität und inmitten unserer eigenen Disziplin aufhalten. Dort sind Unsicherheiten Teil des täglichen Geschäftes. Umso relevanter wird sie aber, wenn wir als Expert*Innen komplexe gesellschaftliche und berufliche Problemstellungen lösen müssen, die nicht mehr nur akademischer Natur sind. Hier soll unser Spezialwissen Entscheidungen rechtfertigen. Sind wir darauf vorbereitet? 

Der Workshop „Die Zusammenhänge der Veränderung“ setzt genau hier an und fragt: Wenn Fachwissen in den verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen immer „kleinteiliger“ wird und deshalb viele Formen des Wissens voneinander getrennt bleiben, was bedeutet das für den Zusammenhang des gemeinsamen Handelns und Tuns in einer Organisation von Wissensarbeit in unserer heutigen modernen Arbeitswelt? Wie lässt sich Spezialwissen in größere Zusammenhänge einbetten? Wie gelingt es, komplexe Inhalte verständlich und anschlussfähig zu vermitteln – über Disziplinen hinweg?

Der Journalist und Autor Wolf Lotter bezeichnet diese Fähigkeit als „Kontextkompetenz“: das Wissen darum, wie Wissen miteinander verbunden ist.
Im Zeitalter von Spezialisierung, Künstlicher Intelligenz und Wissensarbeit wird diese Kompetenz immer wichtiger, nicht nur in der Wissenschaft, sondern in allen Bereichen, in denen Zusammenarbeit, Organisation und Kommunikation zählen. Lotter betont, dass Spezialisierung und technokratisches Denken zu „blinden Flecken“ führen.

Ziel

Wir laden 20 bis 25 PostDocs, Promovierende und Studierende aller Fachrichtungen zu diesem interdisziplinären Workshop ein.  Unter der Leitung des Publizisten und Autors Wolf Lotter steht dabei nicht die Auflösung der eigenen Fachidentität im Mittelpunkt, sondern deren Stärkung durch Denken  in Zusammenhängen. Zentrale Leitfragen des Workshops sind:

  • Wie bleibt “mein Fach”, mein Spezialistenwissen mit dem “Großen und Ganzen” von Gesellschaft und Organisationen verbunden?
  • Auf welchen Fundamenten beruht mein Handeln — insbesondere als Spezialist*In?
  • Welche Risiken birgt der Tunnelblick der eigenen Disziplin?
  • Wie erkläre ich mein Fach verständlich und kommuniziere zugleich anschlussfähig über Fächergrenzen hinweg?

Unser Ziel ist ein interdisziplinäres Grundlagenwissen für die Praxis, das Orientierung bietet — jenseits des akademischen Elfenbeinturms.

Programm

Der Workshop kombiniert Impulsvorträge, Arbeitsgruppen und Diskussionen in kleiner Runde.

Freitag, 06. März

  • Eröffnung und Einführung in die zentrale Fragestellung
  • Impulsvortrag von Wolf Lotter: „Wissen, was man weiß – im Zeitalter von KI und Technokratie
  • Anschließend werden in einem ersten Gespräch die Schlüsselprobleme in Bezug zu den Teilnehmer*Innen gesetzt

Samstag, 07. März

  • Impulsvortrag durch Wolf Lotter: „Kontextkompetenz heißt Komplexität zu erschließen, sie lauffähig zu machen“
  • Workshop 1: Organisation & Arbeit.  Kleine Arbeitsgruppen u.a. zu den Themen:
    1. Wie geht man mit der “Inkompatibiltät” zu anderen Spezialistinnen im Job um? Wieviel vom “Wissen der Anderen” muss man kennen?” (Diese Fragestellung wiederholt sich in allen anderen Bereichen ebenfalls)
    2. Erklären, was man kann und was man tut – raus aus der Bubble.
  • Impulsvortag durch Wolf Lotter: „Ökonomie & Technologie  - geht uns das nichts an? Sind das nur Werkzeuge für andere?”  
  • Workshop 2: Wie wichtig ist originelles wissenschaftliches Denken noch? Was ist der Wert der Wissensarbeit? KI und die Folgen einer Fehleinschätzung von Routinearbeit und Routinetechnologie. 

Sonntag, 08. März

Gemeinsame Reflexion:

  • Wo liegt der größte Handlungsbedarf für interdisziplinäres Arbeiten und Denken?
  • Welche Bildung, Schule, Ausbildung, Universität, Arbeit entspräche dieser Einsicht im 21. Jahrhundert?
  • Was brauchen wir, was steht dagegen, was hindert uns?

     

Bewerbung

Eingeladen sind Postdocs, Promovierende und Studierende aller Fachrichtungen aus dem deutschsprachigen Raum. 

Bewerbung: Reichen Sie hier bitte Ihre Bewerbung ein. Gefordert ist lediglich ein kurzes Motivationsschreiben (maximal eine viertel Seite) .

Bewerbungsfrist: 31. Januar 2026
Rückmeldung: bis spätestens 4. Februar 2026
Kosten: Reisekosten werden übernommen, Übernachtungskosten können anteilig erstattet werden.

Bei Fragen wenden Sie sich gerne an:

michael.herrmannspam prevention@tfw.uni-tuebingen.de

Über Wolf Lotter

Wolf Lotter ist seit vier Jahrzehnten Journalist und Autor mit dem Themenschwerpunkt Transformation von der Industrie- zur Wissensgesellschaft und einer der renommiertesten Experten für die Veränderung von Organisation und Arbeit und den diesen Prozessen zugrundeliegenden Strukturen. Lotter studierte an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien Kulturelles Management sowie Geschichte und Kommunikationswissenschaften an der Universität Wien, begann aber vor dem Abschluss als Wirtschaftsredakteur zum Thema Digitalisierung zu arbeiten. Für das damals führende österreichische Nachrichtenmagazin Profil baute er u.a. 1996/97 die Wissenschaftsredaktion auf. Er ist Mitbegründer des Wirtschaftsmagazins brand eins und mehr als zwei Jahrzehnten dort auch Leitessayist. Er ist mehrfach als „Journalist des Jahres“ ausgezeichnet worden (Kategorie Wirtschaft, Gesellschaft).

Zu seinen Publikationen zählen u.a.:

Zivilkapitalismus (Random House, 2013), Innovation (Körber, 2018), Zusammenhänge (Körber, 2020), Strengt Euch an! (ecowin, 2021), Die Gestörten (rowohlt, 2023), Echt (Ullstein-Econ, 2024), Transformation (2025; Haufe), Digital Erwachsen (Haufe, 2025).
Podcasts z.B. mit Jagoda Marinic in Freiheit deLuxe.
 

Wolf Lotter