Gibt es Ihrer Meinung nach auch positive Auswirkungen der Pandemie?
Klar, ein stärkeres Bewusstsein für die Bedeutung von Forschung und evidenzbasierter Medizin hat sich in der Gesellschaft etabliert und auch der Zugang zu wissenschaftlichen Erkenntnissen hat sich verbessert. Die Pandemie zeigt uns, wie wichtig medizinische Studien sind. Dadurch, dass wir gelernt haben, Online-Konferenzen optimal zu nutzen und nicht immer quer durch die Welt zu Konferenzen reisen zu müssen, ergeben sich auch Vorteile für die Umwelt. Wir brauchten weniger Flüge, was sich positiv auf das Klima auswirkt. Alles in allem lässt sich sagen, dass viele Leute aktiv anfingen über wissenschaftliche Aspekte und die Bedeutung von Forschung in der Wissenschaft nachzudenken.
Sie bezeichnen die Chirurgie als Ihre große Leidenschaft. War es schon immer Ihr inniger Wunsch, in diesem Bereich zu arbeiten?
Zu Beginn meines Medizinstudiums wollte ich vor allem wissen, wie der Körper funktioniert und biologische Prozesse verstehen lernen. Außerdem macht man etwas Nützliches, und hilft Menschen, die sich in einer schwierigen Lage befinden. Ich wollte mich auf die wesentlichen Dinge im Leben konzentrieren und eine verlässliche Position haben. Am Anfang fühlte ich mich noch nicht besonders zur Churgie hingezogen. Nach und nach habe ich mich für die Vielseitigkeit und Relevanz der Chirurgie immer mehr begeistert. Vor allem liebe ich es, mich neuen Herausforderungen zu stellen. Der Schritt in die Chirurgie hat sich für mich als die richtige Entscheidung erwiesen – Sie ist für mich zu einer Lebensaufgabe geworden.
Wie begegnen Sie den Herausforderungen, von denen Sie sprechen?
Es handelt sich um technische Herausforderungen. Dazu gehören die Neudefinition und Entwicklung von Technologien, um Menschen mit den eigenen Händen zu helfen. Das Schwierigste ist die Verhältnismäßigkeit: Je mehr Menschen du rettest, desto mehr Patienten verlierst du auch.
Die Frage, wer die Schuld an einer misslungenen Operation trägt, betrifft jede Chirurgin und jeden Chirurgen irgendwann in seiner bzw. ihrer Laufbahn. Wie sollte man am besten mit so einer Situation umgehen?
Oh, das ist ein wirklich wichtiges Thema. Du musst dich selbst fragen: "Was hätte ich anders machen können?". In der Chirurgie wird dieses Thema noch oft totgeschwiegen. Chirurginnen und Chirurgen müssen damit oft allein fertig werden. Es besteht die Gefahr, Angst davor zu entwickeln, wieder in eine solche Situation zu geraten und übervorsichtig zu werden, was nicht immer gut ist. Eine Möglichkeit, damit umzugehen, besteht darin, auf irgendeine Weise kalt zu werden, indem du versuchst, Abstand zu gewinnen und so eine Art emotionale Distanz schaffst. Diese Regeln des Schweigens sollten wir brechen! Teile dein Leid mit Kollegen, Mentoren und Kollegen. Sei mutig und teile deine Erfahrungen mit anderen. Akzeptiere, dass du nicht alles kontrollieren kannst. Die Herausforderung für unsere Generation besteht darin, einen Bewusstseinswandel herbeizuführen, basierend auf wissenschaftlichen Ergebnissen und Kommunikation.
Was ist Ihr persönlicher Ausgleich zum Arbeitsalltag?
Ich mache viel Yoga, treffe mich mit Freunden und versuche so, einen Ausgleich zur Arbeit zu finden. Ich rate jedem, sich außerhalb des Berufslebens etwas zu suchen, um zur Ruhe zu kommen und sich von den oft anstrengenden Erfahrungen des Arbeitsalltags zu erholen.
Sie sind noch in der Ausbildung - welche Stationen haben Sie bisher durchlaufen?
Ich komme ursprünglich aus Portugal. Dort habe ich mein Medizinstudium abgeschlossen. Dazu gehörte auch ein Jahr Allgemeinmedizin und vier Jahre allgemeine Chirurgie. Darüber hinaus habe ich auch kurze Praktika in Italien, Messina, Sao Tome und Principe absolviert. Seit fast zwei Jahren bin ich jetzt in Birmingham, wo ich meine Doktorarbeit in globaler Chirurgie fertigstelle.
Was sind Ihre Hoffnungen für die Zukunft - und was ist Ihre wichtigste Botschaft an andere?
Es liegt in den Händen jeder und jedes einzelnen. Zusammenarbeit ist der einzige Weg, um Veränderung und Entwicklung bewirken zu können, denn nur wenn wir zusammenarbeiten, können wir wirklich etwas erreichen.