Von Federn zum Strauß - Eine trans-imperiale Geschichte der Straußenindustrie, 1860-1918 (Arbeitstitel)
Mit der imperialen Expansion der europäischen Großmächte erstreckte sich ihre Herrschaft nicht nur auf die in den Kolonien lebenden Gemeinschaften, sondern auch auf das Land selbst sowie auf dessen Natur, Flora und Fauna. Vor dem Hintergrund der kolonialen Besetzung war die wirtschaftliche Ausbeutung von Mensch und Natur gleichermaßen ein vorrangiges Ziel der imperialen Mächte. Diese Vorherrschaft war bei der Ankunft nicht von vornherein gegeben – sie musste ständig erkämpft werden und lässt sich als ein Phänomen analysieren, das durch Handlungen und Reaktionen verschiedener Akteure geprägt war.
Im späten 19. Jahrhundert wurden die Federn des afrikanischen Straußes zu einem beliebten Luxusgut, das hauptsächlich von Südafrika in die „westliche Welt“ exportiert wurde. In der Geschichte des Handels mit Federn des afrikanischen Straußes wurde das Tier selbst bislang meist außer Acht gelassen. Indem ich mich diesem Thema mit Konzepten der Human-Animal-Studies und Methoden der Akteur-Netzwerk-Theorie nähere, zielt meine Forschung darauf ab, den Blickwinkel von einer Wirtschaftsgeschichte des imperialen Handels hin zur Geschichte der Verflechtungen zwischen Mensch und Tier zu verlagern. Mein Interesse gilt der transimperialen Zirkulation und dem Transfer von Wissen und Menschen innerhalb der wettbewerbsorientierten und volatilen Straußenindustrie. Meine Fallstudie versucht, verschiedene Kontexte menschlich-nichtmenschlicher Begegnungen näher zu beleuchten, indem sie das Konzept der Handlungsfähigkeit erweitert. Durch diesen methodischen Ansatz sollen Interaktionen zwischen dem Menschlichen und dem Nichtmenschlichen sichtbar gemacht werden.