Tübinger Geisteswissenschaftliches Schülerlabor

Am 28. März 2012 fand als gemeinsame Initiative des Regierungspräsidiums Tübingen, Abt. Schule und Bildung, und des Deutschen Seminars der Universität Tübingen zum zweiten Mal ein ,Geisteswissenschaftliches Schülerlabor’ statt. Eingeladen waren ausgewählte Schüler der 11. und 12. Klasse aus ganz Baden-Württemberg. Vom Deutschen Seminar wurde je ein Schülerlabor innerhalb der Neueren Deutschen Literatur, der Linguistik sowie der Mediävistik angeboten.

Thema des Schülerlabors Mediävistik: „Heldenbilder im Mittelalter und ihr Fortleben in der Moderne“

Heldenbilder begegnen uns überall: In Geschichten, in Film und Fernsehen, in der Werbung. Sie sind jeweils kulturell vermittelt und demonstrieren Ideale, Leitbilder, aber auch (in der Negation) Ängste ihrer Zeit. Das gilt für das Mittelalter ebenso wie für Produktionen der Gegenwart. Gemeinsam wollen wir erarbeiten, wie Heldenbilder narrativ ,konstruiert’ werden und welche Zeichen der Zeit, welche Schwerpunkte und welche Ausblendungen ihnen jeweils eingeschrieben sind.

In einem ersten Schritt werden wir uns mit grundlegenden narrativen ,Bausteinen’ von vormodernen Heldenbiographien beschäftigen. Anschließend werden wir die Möglichkeit der Anwendung dieser narrativen ,Bausteine’ auf mittelalterliche Erzählungen überprüfen. Im Mittelpunkt soll dabei das Nibelungenlied und hier die Siegfriedfigur stehen. In gemeinsamer Arbeit werden wir schließlich herausarbeiten, inwiefern die spezifische literarische Ausgestaltung die Schematik der grundlegenden narrativen ,Bausteine’ unterstreicht bzw. möglicherweise unterläuft.

Abschließend sollen mit Unterstützung der Medienwissenschaft (Prof. Dr. Susanne Marschall) Heldenbilder aus den filmischen Umsetzungen des “Herrn der Ringe“ und/oder „Harry Potter“ analysiert werden und im Vergleich mit dem Nibelungenlied Ähnlichkeiten und Differenzen in der Art der Inszenierung aufgezeigt werden. Dabei kann deutlich werden, inwiefern Erzählmuster des Mittelalters bei aller Transformation bis in die Moderne und in andere Medien fortwirken.

Prof. Dr. Annette Gerok-Reiter, Deutsches Seminar, Universität Tübingen

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