Prof. Dr. Dorothee Kimmich

Sommersemester 2020

OS Literatur und Fotografie. Theorie und Texte

Kaum eine technische Errungenschaft hat das Selbstverständnis der Künste so erschüttert wie die Erfindung der Fotografie in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts. Die Nachahmung der Wirklichkeit (Mimesis) war plötzlich auf eine Art möglich (und einfach) geworden, dass sie nicht mehr als Paradigma des Schönen dienen konnte. So wird Fotografie zur Herausforderung für die bildende Kunst, aber auch für die Literatur des Realismus und der Moderne. Von Charles Baudelaire bis Roland Barthes, von Walter Benjamin bis Marcel Proust haben sich zahllose Schriftsteller und Philosophen Gedanken über Fotografie, ihre Bedeutung für Erinnerung und Gedächtnis, Kunst und Literatur, Wissenschaft und Geschichtsschreibung gemacht. Wir lesen abwechselnd theoretische und literarische Texte vom Realismus bis zur Postmoderne. Ein genauer Seminar-Plan wird zu Semesterbeginn ausgegeben.   

OS Novellen des Realismus

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert scheint sich die Politik in Europa zu beruhigen: Die Zeit der Revolutionen ist vorbei und das Bürgertum richtet sich in seinem neu gewonnenen Reichtum ein. Auf den ersten Blick scheinen daher auch die in dieser Zeit erscheinenden Texte bieder. Sie befassen sich mit dem Leben und Sterben auf dem Dorf, beschreiben die Familiengeschichten von Bürgern und Kleinbürgern und berichten von scheiternden Ehen und schlimmen Beziehungen. Ein zweiter Blick mag deutlich machen, dass hier ein neues literarisches Paradigma entsteht und zugleich die Reflexion auf epochale Umbrüche wie Globalisierung und Industrialisierung beginnt.

Lektüre: Gottfried Keller: Die Leute von Seldwyla; Adalbert Stifter: Birgitta, Bunte Steine, Abdias; Theodor Storm: Immensee u. a.

Vorlesung: Realismus

Wir gehen in der Vorlesung der Frage nach, was es bedeutet, wenn Literatur Mitte des 19. Jahrhunderts statt auf „ideale Schönheit“ auf eine Abbildung des Vorhandenen, des Wirklichen und „Realen“ setzt und den zeitgenössischen Alltag zum Vorbild der literarischen Narrative wählt. Dies hat weitreichende Konsequenzen, die nicht nur den Stil und die Thematik von literarischen Texten betreffen, sondern das Grundgerüst ästhetischer Überzeugungen ins Wanken bringen. Zum einen gilt es daher, die historischen, politischen, philosophischen Voraussetzungen des Realismus zu betrachten und dann in den Blick zu nehmen, auf welche Konzepte und Modelle von „Wirklichkeit“ sich der Realismus bezieht.

Es wird um Themenfelder gehen wie: „Natur“ und „Kultur“ im Realismus, Materialismus und Religionskritik, Ehe und Ehebruch, Wissen und Literatur, Geschichte und Politik, Kolonialismus und Industrialisierung und die Mediengeschichte der Literatur.

Primärliteratur u. a.: Gottfried Keller, Der grüne Heinrich; Die Leute von Seldwyla; Adalbert Stifter, Bunte Steine; Theodor Storm, Der Schimmelreiter; Wilhelm Raabe, Chronik der Sperlingsgasse und Pfisters Mühle;  Theodor Fontane, Irrungen Wirrungen, Effi Briest; Emile Zola, Germinal; Stendhal, Education Sentimentale.

Vorlesung: Einführung in die Neuere Deutsche Literaturwissenschaft (mit Georg Braungart, Sigrid Köhler, Jörg Robert)

Ringvorlesung zur Einführung in die NDL

Staatsexamenskolloquium / Überblicksseminar

Einstündige Sitzung zur Prüfungsvorbereitung nach Anmeldung

Kolloquium

Im Rahmen des Kolloquiums "Neuere Forschungen zu Literatur- und Kulturtheorie" finden aufgrund der aktuellen Situation derzeit keine Veranstaltungen statt.