Kultur(en) der Nachhaltigkeit:

Transformationen für Nachhaltige Entwicklung an Hochschulen

Am Kompetenzzentrum für Nachhaltige Entwicklung (KNE) fragen wir uns schon länger, was eine praktisch gelebte Kultur der Nachhaltigkeit (KdN) an einer Universität ausmacht. Wir haben dies in einem BMBF/BMFTR-Verbundprojekt „Hochschulen in Gesellschaft – Realexperimente transformativer Lern- und Forschungsprozesse für eine Kultur der Nachhaltigkeit an Hochschulen (KuNaH)“ 2022-2025 untersucht. Darauf aufbauend arbeiten wir in der Transferphase (KuNaH-T 2026/27) daran, wie konkrete Maßnahmen zur Stärkung einer KdN an Hochschulen umgesetzt und transferiert werden können.

Eine besondere Schwierigkeit dabei ist, dass jede Hochschule ihre eigene Organisationskultur – und auch Subkulturen – aufweist und entsprechend maßgeschneiderter Lösungen bedarf. So gilt es, allgemeine Erkenntnisse auf die jeweiligen Kulturen der Nachhaltigkeit an den jeweiligen Standorten zu konkretisieren. Dabei arbeiten wir im Projekt gemeinsam mit Kooperationshochschulen, an denen unterschiedliche KdN-Maßnahmen geprüft und verstetigt werden. Wir aus Tübingen kooperieren mit der Universität Würzburg, welche mit dem WUELAB eine institutionalisierte Form für Nachhaltigkeitsmaßnahmen geschaffen hat. Hier war das Projektteam Ende September zu Besuch (siehe Bild) und hat sich über Themen der Zusammenarbeit zu KdN sowie über die Forschungsmethode der Realexperimente/Transformationsexperimente ausgetauscht. Letztere, die sich als einschlägig für die Gestaltung von Transformation erwiesen haben (siehe bald den Beitrag zur Real-Labor-Konferenz, der im Ethikblog „Bedenkzeiten“ des Ethikzentrums erscheint), dienen dazu, Maßnahmen zur Stärkung einer KdN praxisnah zu erproben. So wurde im Rahmen von KuNaH an der Universität Tübingen ein Realexperiment ins Leben gerufen, das sich mit dem vielfältigen Thema „Well-Being“ auseinandersetzt – ein häufig übersehenes Thema Nachhaltiger Entwicklung. In einem partizipativen Format wurden Aktivitäten zu „Well-Being“ bezüglich der Studierenden und der Mitarbeiter*innen an der Universität identifiziert und unterschiedliche Anlaufstellen (Studentisches Gesundheitsmanagement (SGM), Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) mit Blick auf KdN vernetzt. KuNaH-T wird das zweite Thema – KdN als Thema der Lehre – nun über den Wissenschaftlicher Rat des Ethikzentrums und den universitären Beirat für Nachhaltige Entwicklung  in Richtung einer Verankerung von Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) in unterschiedlichen Fachcurricula vorantreiben. Der Gedanke dahinter ist, dass Nachhaltige Entwicklung eine breit zu verankernde Aufgabe ist. Dies sollte sich daher auch in der Lehre der unterschiedlichen Fachdisziplinen niederschlagen. Das ist ein wichtiger Baustein dafür, dass ein gesamtinstitutioneller Transformationspfad Erfolg haben kann. Die Implementierung von Maßnahmen für Nachhaltige Entwicklung wird weiterhin schwer umsetzbar bleiben, wenn sie als etwas wahrgenommen werden, das „on top“ zu allen anderen Aufgaben dazu kommt. Entsprechend ist das Ziel einer KdN, das Handeln im Sinne einer NE zum „neuen Normal“ wird. Wenn Menschen jahrelang studieren, ohne Ideen and Praktiken von „Nachhaltigkeit“ oder „Nachhaltiger Entwicklung“ zu begegnen, fehlt dies nicht nur im Studium, sondern auch im späteren alltäglichen Handeln. Es ist also wichtig, Nachhaltige Entwicklung gerade auch in die Lehrveranstaltungen zu integrieren, bei denen Studierende diese Perspektive zunächst nicht vermutet hätten. 

Zusammen mit den Verbundhochschulen (Leuphana Lüneburg, Universität Regensburg, Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) und dem KIT Karlsruhe) und unseren jeweiligen Kooperationshochschulen arbeitet das Projekt KuNaH-T deutschlandweit an einer Stärkung von Kulturen der Nachhaltigkeit. Falls Sie sich fragen, wie Sie an Ihrer Universität die Kultur der Nachhaltigkeit stärken können oder welche Maßnahmen an der Universität Tübingen bereits konkret umgesetzt werden, kontaktieren Sie gerne das KuNaH-T-Team. 

Verfasst von: Jonathan Lübke 

Hochschulen in Gesellschaft - Transferphase (KuNaH-T)

Das Verbundprojekt Kultur der Nachhaltigkeit an Hochschulen (KuNaH) hat in der ersten Förderphase Kultur(en) der Nachhaltigkeit (KdN) von bzw. an Hochschulen konzeptionell ausgearbeitet, empirisch untersucht und in Realexperimenten praktisch erprobt. Das Projekt KuNaH-T wird die KdN-Aktivitäten an der Universität Tübingen (UT) verbreitern und verstetigen. Die Förderung einer Kultur der Nachhaltigkeit soll ausdrücklich in die derzeit zu entwickelnde Nachhaltigkeitsstrategie der UT als strategisches Ziel implementiert und damit auch auf Governance-Ebene dauerhaft verfolgt werden.

Projektteam: Thomas Potthast, Jonathan Lübke und Vanessa Weihgold