QUIRU (Qualität und Qualitätsentwicklung im evang. Religionsunterricht)

Insbesondere seit den PISA-Studien sind Fragen nach der Qualität von Unterricht und nach Möglichkeiten der Qualitätsentwicklung ein zentrales Thema auch in der Religionspädagogik. Der Religionsunterricht wird allerdings in der Regel an entsprechenden staatlichen oder wissenschaftlichen Entwicklungen nicht beteiligt und droht in dieser Hinsicht in ein gewisses Abseits zu geraten.

Sechs kirchliche Partner haben sich für ein am Lehrstuhl für Religionspädagogik der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen eingerichtetes Forschungs- und Entwicklungsprojekt zusammengetan: die Evangelische Landeskirche in Baden, die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern, die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland, die Evangelische Landeskirche in Württemberg sowie die Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen.

Ziel des Projektes Qualität und Qualitätsentwicklung im evangelischen Religionsunterrich (QUIRU) ist die verstärkt wissenschaftsbasierte Wahrnehmung von Qualitätsfragen im evangelischen Religionsunterricht als Voraussetzung der weiteren Qualitätsentwicklung in Praxis, Ausbildung und Fortbildung.

Dabei wird ein enger Zusammenhang zwischen Unterrichtsforschung und Unterrichtsgestaltung angestrebt und daher insbesondere eine Vorgehensweise, bei der die Religionslehrerschaft von Anfang an konsequent in das Projekt einbezogen ist. QUIRU versteht sich damit als Teil einer von Praxis und Theorie gemeinsam getragenen Qualitätsinitiative.

Durch wissenschaftliche Untersuchungen im Religionsunterricht sollen die Grundlagen für Qualität und Qualitätsentwicklung im Religionsunterricht verbessert werden (Teilprojekte 1 und 2). Darüber hinaus sollen Erhebungen zur Fortbildung für den Religionsunterricht durchgeführt und, mithilfe der Ergebnisse, neue Fortbildungsformate entwickelt werden (Teilprojekt 3). Auch die Auswirkungen unterschiedlicher Ausbildungsvoraussetzungen sollen in den Blick genommen werden (Teilprojekt 4).

Teilprojekte von QUIRU

Teilprojekt 1: Entwicklung eines Untersuchungsinstruments

Entwicklung von Qualitätskriterien sowie eines indikatorengestützten Instruments, das sich bundesweit zur Qualitätserfassung eignet. Als Indikatoren werden bestimmt: Wissenserwerb - Deutungsfähigkeit - Perspektivenübernahme. Hinzu kommen außerdem stärker prozessorientierte Fragen zur Unterrichtsqualität aus Sicht der Schülerinnen und Schüler.

Die drei genannten Indikatoren oder (Teil-)Kompetenzen können insofern als für den Religionsunterricht konsensfähig gelten, als sie in fast allen Vorschlägen für ein Modell, das Kompetenzzuwächse im Religionsunterricht erfassen will, genannt werden.
Zur Erfassung der prozessbezogenen Unterrichtsqualität wird ein Instrument entwickelt, das an die entsprechenden Untersuchungen in der Empirischen Bildungsforschung anschließt. Da dort in der Regel andere Unterrichtsfächer im Zentrum stehen, ist eine inhaltliche Anpassung des Instruments an den Religionsunterricht erforderlich.

Teilprojekt 2: Validierung des Untersuchungsinstruments

Validierung des entsprechenden Instruments (siehe Teilprojekt 1) für exemplarische Stichproben in den beteiligten Bundesländern bzw. Landeskirchen.

Die Validierung des Instruments erfolgt in mehreren Schritten, die jeweils in verschiedenen Bundesländern durchgeführt werden. Dabei wird ein iterativer Prozess durchlaufen, bei dem das Messinstrument nach und nach verbessert und validiert wird.
Das Instrument soll abschließend an ausgewählten Standorten in einem Untersuchungsdesign mit zwei Befragungszeitpunkten eingesetzt werden, um Kompetenzzuwächse im Sinne der genannten Indikatoren erfassen zu können. Zugleich wird auch die Prozessqualität des Unterrichts aus Sicht der Schülerinnen und Schüler erfasst.

Teilprojekt 3: Befragung von Lehrkräften zum Fortbildungsbedarf

Erhebung des von den Religionslehrkräften wahrgenommenen Fortbildungsbedarfs sowie Prüfung von Einflussmöglichkeiten von Fortbildung auf die Qualität von Unterricht.

Geplant ist eine Online-Umfrage, die sich an alle Religionslehrkräfte in den beteiligten Bundesländern bzw. Landeskirchen richtet. Dabei werden Erfahrungen mit verschiedenen Formen und Anbietern von Fortbildung sowie unterschiedlichen regionalen und überregionalen Fortbildungsformen erfragt, insbesondere aber der Fortbildungsbedarf.
Weitere Fragen beziehen sich auf die wahrgenommene Wirksamkeit der religionspädagogischen Fortbildung auf die eigene Unterrichtspraxis.
Die dem Schulfach eigene Fortbildungslandschaft mit Angeboten auf verschiedenen Ebenen (staatlich und kirchlich, regional und überregional) wird dabei besonders berücksichtigt.

Teilprojekt 4: Untersuchung von Auswirkungen unterschiedlicher Ausbildungsvoraussetzungen

Untersuchung der Abhängigkeit von Unterrichtsqualität von Ausbildungsvoraussetzungen der Religionslehrkräfte.

Dieses Projekt soll nur in einer der beteiligten Landeskirchen durchgeführt werden. Die komplexe Fragestellung lässt vor allem explorative Erkenntnisse erwarten.
Bereits beim unterrichtsbezogenen Befragungsinstrument (siehe Teilprojekt 2) soll die Stichprobe der befragten Schülerinnen und Schüler der betreffenden Landeskirche so angelegt sein, dass Unterschiede zwischen dem Unterricht staatlicher Lehrkräfte und jenem, den Pfarrerinnen und Pfarrer erteilen, erfasst werden kann.
Außerdem soll eine Befragung der Zielgruppe "Anwärterinnen und Anwärter im Pfarrdienst" (d. h. in der Zeit nach dem Vikariat) durchgeführt werden. Dabei sollen die Befragten ihre eigene religionspädagogische Ausbildung und Qualifikation einschätzen, insbesondere bezüglich ihrer Fähigkeiten zur Wahrnehmung einzelner religionspädagogischer Aufgaben, z. B. dem Elementarisieren. Darüber hinaus sollen Interviews mit dieser Zielgruppe weitere Aspekte explorieren und klären.

QUIRU-B

In Baden-Württemberg ermöglicht die Kooperation mit dem EIBOR (Evangelisches Institut für berufsorientierte Religionspädagogik) den Einbezug der beruflichen Schulen. Mehr dazu finden Sie hier.