Philosophisches Seminar

12.10.2026

Vortragsankündigung

"Auf der Kehrseite des Universalismus: eine Ethik, die zu wünschen übrig lässt"

Dozent: Dr. Wolfram Bergande
Veranstaltungsdaten: Mittwoch, 14.10.26, 18-20 Uhr, Raum X Burse

In Das Unbehagen in der Kultur kritisiert Freud an der modernen verinnerlichten Moral eine Tendenz zur exzessiven Selbststeigerung bis hin zur Selbstschädigung: insbesondere, dass sie einen bloßen Wunsch mit Schuldgefühlen belege, sei ein ‚ökonomischer Nachteil‘. Freud verbindet mit seiner Kritik eine grundsätzliche, nämlich auf die Metapsychologie gestützte Skepsis gegenüber universalistischen Ethiken. 

Damit liefert er eine psychologische Analyse, die nicht zuletzt für die Wirtschaftsethik relevant ist. Sie lässt sich genauso an die berühmte Kritik des maßlosen Erwerbsstrebens in Aristoteles‘ Politik anschließen wie an Max Webers Interpretation des US-Kapitalismus als turbogeladener calvinistischer Rigorismus, der weitermache, bis „der letzte Zentner fossilen Rohstoffs verglüht ist“. Doch auch für die heute wiederbelebten Utopien gemeinwirtschaftlicher, d.h. sozialistischer Wirtschaftsordnungen ist Freuds Kritik relevant, weil sie vor einer Hypermoral warnt, die die Spontaneität des Einzelnen gegen sich selbst wendet.