Philosophisches Seminar

Markus Monsberger

Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand am Lehrstuhl für Antike Philosophie

Forschungsschwerpunkt

Aristoteles’ Ethik, Psychologie und Epistemologie

Interessensgebiete

Antike und systematische Philosophie (insb. Platon und Aristoteles), Kant und Deutscher Idealismus, Literatur- und Filmgeschichte

Promotionsvorhaben

Arbeitstitel: Universalismus oder Partikularismus. Die Antinomie der praktischen Rationalität bei Aristoteles

Die Dissertation untersucht Aristoteles’ Konzeption praktischer Rationalität und vermittelt zwischen den universalistischen und partikularistischen Deutungen seiner Ethik. Während das universalistische Lager annimmt, dass praktische Rationalität konkrete Handlungen aus allgemeinen moralischen Prinzipien ableitet, vertritt das partikularistische Lager die Auffassung, dass sie als instrumentelle Vernunft individuelle Interessen im Rahmen kontingenter Handlungsumstände realisiert. Beide Lesarten greifen für sich genommen zu kurz: Die Universalisten übersehen die Bedeutung der kontingenten Umstände; die Partikularisten vernachlässigen die Rolle des universalen Zwecks. Der erste Teil der Dissertation rekonstruiert beide Lektüren im Ausgang von Aristoteles’ Texten. Dadurch erscheinen sie nicht nur als einander widersprechende Deutungen, sondern als Antinomie der praktischen Rationalität bei Aristoteles selbst. Der zweite Teil löst diese Antinomie auf Grundlage einer neuen Interpretation des sechsten Buches der Nikomachischen Ethik auf. Das zentrale Argument lautet, dass praktische Rationalität ein Vermögen des vernünftigen Seelenteils ist, dessen Tätigkeit Universales und Partikuläres vereint. Diese Tätigkeit besteht in der diskursiven Deliberation möglicher Mittel zur Realisierung des allgemeinen Zwecks in einer gegebenen Situation sowie in der intuitiven Identifikation desjenigen Mittels, das diese Realisierung unter kontingenten Handlungsumständen am besten leistet. Sowohl der allgemeine Zweck als auch die kontingenten Umstände sind daher konstitutiv für den Entschluss, dieses Mittel in die Tat umzusetzen, sodass die initiierte Handlung als universales Partikuläres erscheint. Indem die Dissertation das Prinzip dieses universalen Partikulären, also die praktische Rationalität, systematisch bestimmt, geht sie nicht nur über die Debatte zwischen universalistischen und partikularistischen Deutungen der aristotelischen Ethik hinaus, sondern trägt auch zur Erforschung der praktischen Vernunft als solcher bei.

Curriculum Vitae

Seit 2026                

 

Promotion Philosophie, Universität Tübingen; Dissertation: „Universalismus oder Partikularismus. Die Antinomie der praktischen Rationalität bei Aristoteles“, Betreuer: Prof. Klaus Corcilius, Prof. Ulrich Schlösser
Seit 2025Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Universität Tübingen; DFG-Projekt: „Emergence and Nature of Aristotle’s Conception of Practical Rationality“
2022–2025                         Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Universität Bonn, PH Karlsruhe, Universität Leipzig; DFG-Projekt: „Bildsamkeit/Plastizität. Analysen zu Gestalt und Wandel einer theoretischen Konstellation (1800, 1900, 2000)“
2022–2023Lehrauftrag, Universität Bonn; Allgemeine und Systematische Pädagogik
2015–2024MA Philosophie, Universität Wien; Masterarbeit: „Von der Dihairetik zur Dialektik und zurück. Methode und System in Platons ‚Sophistes‘“
2011–2020Dipl.-LA Deutsch und Philosophie/Psychologie, Universität Wien; Magisterarbeit: „Vom Erkenntnisurteil zum Geschmacksurteil. Logik und Ästhetik bei Immanuel Kant“
2010–2014BA Vergleichende Literaturwissenschaft, Universität Wien