Institut für Politikwissenschaft

Inhaltliche Ausrichtung der NachwuchsforscherInnengruppe

Seit Ende 2008 befinden sich die Mitglieder der Europäischen Union in einer Krise zum Teil unterschiedlichen Ausmaßes und Dauer. Durch ihre direkten Auswirkungen und die von den Re­gierungen beschlossenen Gegenmaßnahmen entstand ein Un­gleich­gewicht zwischen Aus­gaben- (steigende Arbeitslosigkeit, Konjunkturpakete) und Ein­nah­menseite (Rückgang der Einnahmen aus Gewerbe- und Einkommenssteuern) im Staatshaushalt. Die ohnehin eher in­sta­bilen Volkswirtschaften Europas brachte die negative Haushaltslage an den Rand des Staatsbankrotts, welche bisher nur mit finanziellen Hilfen aus dem Europäischen Stabilitätsmechanismus verhindert werden konnten. Seither sind sowohl staatliche als auch andere gesellschaftspolitische Akteure mehr oder minder stark in ihrem Handlungsrahmen im arbeits- und sozialpolitischen Kontext ein­geschränkt.

Die beschriebenen Entwicklungen bilden den Rahmen für die seit Mai 2013 durch die Pro­fessoren Buhr und Bieling am IfP eingerichtete Nach­wuchs­­for­scherInnengruppe „Arbeits- und Sozialpolitik in der Europäischen Union im Kontext von Welt­finanzkrise, Eu­rokrise und fiskalischer Konsolidierung". In vergleichender Perspektive sollen sowohl die na­tio­nalen Krisenstrategien als auch alternative gesellschaftspolitische Handlungsoptionen identi­fiziert wer­den, um schließlich die jeweiligen Ursachen für die übergreifenden bzw. nationalen Entwicklungen zu bestimmen.

Der in Kooperation mit der Hans-Böckler-Stiftung initiierten Gruppe gehören die Stipen­di­­atInnen Ioannis Kompso­pou­los („Konvergenz durch einheitliche Vorgaben? Eine verglei­chen­de Analyse der Ziele und Auswirkungen der Troika-Politik auf die drei Staaten Grie­chenland, Irland und Portugal“), Carmen Thamm („Tarifpolitik in der Kri­se – Ge­werkschaften im Span­nungs­feld nationaler und europäischer Interessen“) und Malte Lühmann („Krisenbearbeitung als Restrukturierungsprozess - der Umbau des öffentlichen Sektors in Finnland, den Niederlanden, Portugal und Spanien zwischen nationaler Sparpolitik und europäischem Austeritätsregime“) an. Neben den indivi­du­ellen Disser­ta­tions­themen wird ebenfalls ein gemeinsames themenverknüpfendes Publikationsprojekt ange­strebt.