Herzlich Willkommen auf der Homepage der Tübinger NDL-Professur für das 18. und 19. Jahrhundert.
Zu fünft forschen und lehren wir zur deutschsprachigen Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts, mit Ausflügen ins 20. Jahrhundert und in die Gegenwartsliteratur und unter besonderer Berücksichtigung von Globalitäts- und Diversitätsaspekten. Zu unseren systematischen Arbeits- und Forschungsschwerpunkten gehören u.a. Gattungstheorie (Dramentheorie/Narratologie), Medialität und Ästhetik, Recht und Literatur, Literatur und Wissen, Musik und Literatur, populäre Literatur, Kolonialismus- und Rassismusforschung, Klassismusforschung
Irene Husser und Sigrid G. Köhler sind Gastherausgeberinnen der Diskussionssektion für das Schiller-Jahrbuch 2026. Die Beiträge zeigen, was Stimmvielfalt aus Diversitätsperspektive meint, wie eine diversitätsorientierte Erzählanalyse aussehen könnte, inwiefern die Literatur der Kolonialzeit ein Teil der Moderne ist und vieles mehr …
Mit Zamor und Zoraide (1778) adaptiert der Autor F. G. Nesselrode zu Hugenpott einen im 18. Jahrhundert überaus populären Stoff für die Bühne, der auf Jean-François de Saint-Lamberts Ziméo-Erzählung (1769) zurückgeht. Letztere gehört zu den zentralen literarischen Stoffen der transnational geführten Debatte um die Abschaffung von Sklavenhandel und Sklaverei und ist zigfach in europäische Sprachen übersetzt und adaptiert worden. Nesselrode kombiniert in Zamor und Zoraide empfindsame Gesprächskultur, naturrechtliches Denken und das Wissen um das transatlantische System der Versklavung. Das Schauspiel dokumentiert eindrücklich, wie zeitgenössisch eine auf Vermittlung und Popularisierung ausgerichtete kolonialkritische Kommunikation aussah und übergibt dazu einem fiktiven schwarzen Widerstandskämpfer das Wort.
Im 17. Jahrhundert beginnt der Aufstieg des modernen Vertrags als privatrechtliche Handlungsform. Vertragstypen des römischen Rechts werden nun in einen allgemeinen Vertragsbegriff überführt. Die Konjunktur des Vertrags zeigt sich interdiskursiv in Recht, Philosophie, Politik und Literatur und kulminiert um 1800 in einer umfassenden Präsenz auch in nichtjuridischen Bereichen: Kommunikation und Intersubjektivität werden kontraktual konzipiert, ästhetische, politische und historische Gesellschaften von Friedrich Schiller nach dem ›Muster des Bundes‹ entworfen und verliebte Romanfiguren träumen in Goethes Wahlverwandtschaften eher vom Kontrakt, als von einer Liebesnacht.