Liebe Leserinnen und Leser,
seit mehr als fünfzehn Jahren steht das Zentrum für Islamische Theologie in Tübingen (ZITh) für wissenschaftliche Forschung, akademische Lehre und gesellschaftliche Reflexion zu Fragen islamischer Theologie und muslimischen Lebens. In dieser Zeit hat sich das Zentrum zu einem wichtigen Ort entwickelt, an dem theologische Traditionen, gegenwärtige Herausforderungen und gesellschaftliche Debatten miteinander ins Gespräch gebracht werden.
Auch in der ersten Hälfte dieses Jahres waren die Mitarbeitenden des Zentrums in zahlreichen Formaten aktiv. Die Beiträge, Veröffentlichungen und Bekanntmachungen in diesem Newsletter geben einen Einblick in die Vielfalt der laufenden Arbeiten. Sie zeigen, wie islamische Theologie Fragen von Religion, Ethik, Gesellschaft, Politik, Bildung, Zusammenhalt und Radikalisierungsforschung wissenschaftlich aufgreift und für gegenwärtige Debatten fruchtbar macht. Diese thematische Breite macht deutlich, dass islamische Theologie nicht auf innerreligiöse Fragestellungen beschränkt ist. Sie nimmt gesellschaftliche Herausforderungen auf und reflektiert sie aus theologischer, historischer, ethischer und sozialwissenschaftlicher Perspektive. Dazu gehören etwa Fragen religiöser Orientierung in pluralen Gesellschaften, die Auseinandersetzung mit Radikalisierungsprozessen, ethische Herausforderungen in Wirtschaft und Arbeitswelt sowie arbeitsrechtliche Fragen im Kontext religiöser Praxis und gesellschaftlicher Teilhabe.
Besonders deutlich wurde die öffentliche Bedeutung islamischer Theologie beim Ramadan-Empfang des Ministerpräsidenten a.D. Winfried Kretschmann im März im Neuen Schloss in Stuttgart. Prof. Dr. Ruggero Vimercati Sanseverino und Dr. Mahmoud Abdallah nahmen als Vertreter der islamischen Theologie teil und diskutierten über deren Rolle in Baden-Württemberg. Diese Teilnahme steht exemplarisch für die Aufgabe des Zentrums, wissenschaftliche Expertise in gesellschaftliche Gespräche einzubringen.
Die interreligiöse Zusammenarbeit des Zentrums zeigte sich insbesondere in der Tagung „Religion und extreme Rechte. Forschungsimpulse aus den Tübinger Theologien“, die von unseren Mitarbeitenden Dr. Abdelghafar Salim und Herrn Monzer Haider mitorganisiert wurde. Die Tagung entstand in Kooperation mit der katholischen und evangelischen Theologie und machte deutlich, wie wichtig theologische Perspektiven für die Analyse gegenwärtiger gesellschaftlicher Herausforderungen sind.
Auch in Studium und Lehre wurde der interreligiöse Diskurs weiter gestärkt. Im Scriptural-Reasoning-Seminar 2026 zu „On Pluralities. Christian and Muslim Perspectives“ förderte das Zentrum in Kooperation mit der Katholisch-Theologischen Fakultät den Austausch zwischen christlichen und muslimischen Perspektiven.
In der Forschung waren die Mitarbeitenden des ZITh neben der Mitwirkung an zahlreichen Publikationsprojekten auch an Forschungsaufenthalten im Ausland beteiligt. Zu nennen sind hier die Forschungs- und Lehraktivitäten von Prof. Dr. Dr. h.c. Lejla Demiri an der Trilateralen Graduiertenschule für Friedens- und Konfliktforschung der Europa-Universität Flensburg und an der Università del Salento (Lecce, Italien), von Prof. Dr. Mouez Khalfaoui an der Penn State University (USA) sowie von Dr. Serkan Ince an der Columbia University (New York) und an der University of Pennsylvania (Philadelphia).
Ein wichtiges Highlight unseres Newsletters stellt der erfolgreiche Abschluss der Habilitation von Dr. Mahmoud Abdallah an der Universität Erlangen-Nürnberg zum Thema „Islamische Praktische Theologie im Werden. Theologische Grundlegung zwischen interdisziplinären Zugängen und dringenden Fragen der pluralen Gesellschaft“ dar. Wir gratulieren Herrn Dr. Abdallah sehr herzlich und wünschen ihm alles Gute!
Mit diesem Newsletter möchten wir Ihnen einen Überblick über aktuelle Aktivitäten, Forschungsbeiträge und Entwicklungen am Zentrum geben. Wir laden Sie herzlich ein, die vielfältigen Arbeiten unserer Mitarbeitenden kennenzulernen, und wünschen Ihnen eine interessante und inspirierende Lektüre.
Mit herzlichen Grüßen,
Dr. Abdelghafar Salim, Monzer Haider, Tülay Güner und Thamer Mahfoudi
Das Team der Professur für Islamisches Recht